An Karsamstag, Ostersonntag und Ostermontag waren auch in diesem Jahr die Tore der Stuttgart-21-Baustelle für Interessierte und Kritiker geöffnet. Zum zehnten Mal fanden die "Tage der offenen Baustelle" am Stuttgarter Hauptbahnhof statt. Laut Veranstalter, dem Verein "Bahnprojekt Stuttgart-Ulm", machten sich mehr als 82.000 Besucherinnen und Besucher selbst ein Bild von den Baufortschritten.
Zwei Etagen für Handel und Gastro Hauptbahnhof Stuttgart: Richtfest für sanierten Bonatzbau
Die Sanierung des Stuttgarter Hauptbahnhofs ist rein äußerlich abgeschlossen: Am Donnerstag wurde Richtfest für den neuen Bonatzbau gefeiert. Eröffnung soll im Dezember 2026 sein.
Herzstück "Tage der offenen Baustelle": der Bonatzbau
Herzstück der offenen Baustelle war diesmal der Bonatzbau, der historische Bahnhof, der vor allem im Inneren komplett saniert und umgebaut wird. Auf der Ebene, auf der früher Läden, Restaurants und Geschäfte waren, befindet sich jetzt eine begehbare Galerie. Über eine große Treppe gelangt man in den ehemaligen Keller. Auf beiden Ebenen soll es in Zukunft wieder Gastronomie und Einkaufsläden geben, und man soll durch den Bonatzbau ebenerdig von der Innenstadt direkt in den neuen Tiefbahnhof kommen.
Viele sind vor allem dafür zu den "Tagen der offenen Baustelle" gekommen: den künftigen Tiefbahnhof. Allerdings war der Zugang zu den Bahnsteigen nicht möglich, die Besucherinnen und Besucher konnte nur von einem der Verteilerstege in die Bahnhofshalle hinunterblicken.
Besuch seit vergangenem Jahr nur mit Voranmeldung
Den bisherigen Besucherrekord verzeichneten die "Tage der offenen Baustelle" nach eigenen Angaben 2024 mit insgesamt 115.000 Besucherinnen und Besuchern. Bis dahin konnte man an einem der Tage ohne Voranmeldung vorbei kommen. Das ist seit vergangenem Jahr allerdings anders. Vorab musste im Internet kostenlos ein Zeitfenster gebucht werden - gleichzeitig das Ticket. So können die Veranstalter den Ansturm besser händeln.
Am Ostersonntag sei der Ansturm dennoch unerwartet hoch gewesen, so Bernhard Bauer, Vorsitzender des Vereins "Bahnprojekt Stuttgart-Ulm". Unter Berücksichtigung aller Sicherheitsvorkehrungen habe man dann etwas mehr Menschen auf die Baustelle lassen können als zunächst geplant. "Dieses außergewöhnliche Interesse und das ermutigende Feedback, das wir von vielen Menschen auf dem Gelände erhalten haben, freut uns außerordentlich. Für alle Beteiligten ist dies Rückenwind und eine ganz besondere Motivationsspritze für die kommenden herausfordernden Aufgaben", so Bauer.
Stuttgart 21: Begeisterung trotz unklarer Zukunft
Spricht man mit Besucherinnen und Besuchern, dann bestätigt sich die Begeisterung: "Toll, was hier architektonisch geleistet wird", sagte ein Besucher gegenüber dem SWR. "Schon beeindruckend, nur ob das alles auch die über 11 Milliarden Baukosten wert ist?", fragte sich eine Besucherin. Natürlich ist auch der Fertigstellungstermin ein Thema. Offiziell ist nach wie vor unklar, wann und wie der Tiefbahnhof und das Gesamtprojekt Stuttgart 21 eröffnet wird.
Laut SWR-Recherche wird die komplette Inbetriebnahme noch bis 2030 dauern. "Ich bin froh, dass jetzt Experten zusammensitzen, die einzelnen Gewerke betrachten, die Schnittstellen übereinander legen und dann im Juni hoffentlich einen endgültigen Terminplan bekanntgeben", so Bernhard Bauer. Von Seiten der Deutschen Bahn hieß es zuletzt, dass der neue Terminplan von Stuttgart 21 im Sommer bekanntgegeben werde. Bis dahin äußere man sich nicht.