Künstler macht Vorschlag

470.000 Euro für einen Schriftzug in Stuttgart? Diese Alternative wäre kostenlos

Finanziell ist die Stadt Stuttgart am Limit. Sie steht vor einer Rekordverschuldung. Da stoßen die für ein Stuttgart-Sign eingeplanten 470.000 Euro auf Kritik. Gibt es eine Alternative?

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Von Autor/in Philipp Pfäfflin

Nach wochenlanger Kontroverse um hohe Kosten für ein sogenanntes Stuttgart-Sign gibt es einen neuen Vorschlag. Statt bis zu 470.000 Euro für den neuen beleuchteten Schriftzug auszugeben, könnte man das ganze kostenlos haben, sagt Künstler André Brüggemann. Seine Idee hat er nun vorgestellt.

Stuttgart hat schon zwei Schriftzüge

Kurzer Rückblick: Der Gemeinderat hat am 19. Dezember 2025 bis zu 470.000 Euro für einen festen, großen Schriftzug freigegeben. Dieser soll als neues Wahrzeichen und Selfie-Spot dienen. Vorbilder gibt es viele: von Toronto bis Amsterdam oder von Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) bis Nagold (Kreis Calw). Und auch in Stuttgart gibt es schon zwei dieser "instagramable" Schriftzüge: in der Königstraße sowie vor dem Stadtpalais.

Debatte um Stuttgart-Sign: In der Stuttgarter Königstraße gibt es bereits einen Stuttgart-Schriftzug.
In der Stuttgarter Königstraße gibt es bereits einen Stuttgart-Schriftzug. Dieser hat laut Stuttgart-Marketing 63.000 Euro gekostet.

Eine große politische Debatte gibt es aber erst zu den aktuellen Planungen rund um einen neuen Schriftzug mit LED-Beleuchtung, der am Marktplatz beim Haus des Tourismus stehen könnte. Während die Befürworter von einem Anziehungspunkt für Touristen und damit einer tollen Marketingmaßnahme sprechen, hagelt es auch Kritik. Dabei reichen die Kommentare von "Quatsch" über "Schnapsidee" bis hin zu "super Idee, die aber nicht in die Zeit passt".

Stuttgart-Sign: Kritik an hohen Kosten

Im Mittelpunkt der Kritik stehen die genannten Kosten von fast einer halben Million Euro. Und der Zeitpunkt, schließlich hat der Gemeinderat ebenfalls am 19. Dezember massive Einsparungen unter anderem im sozialen wie kulturellen Bereich beschlossen. Zum Vergleich: Der Stuttgart-Schriftzug in der Königstraße hat laut Stuttgart-Marketing insgesamt rund 63.000 Euro gekostet: 48.000 Euro für Idee, Gestaltung, Aufbau und Instandhaltung im Rahmen der Fußball-Europameisterschaft 2024. Später kamen noch Kosten für den zwischenzeitlichen Abbau, die Einlagerung, eine neue Lackierung und den erneuten Aufbau in Höhe von 15.000 Euro dazu.

Auch eine Online-Petition wurde gestartet. Ziel ist es, den "überteuerten Schriftzug" zu stoppen. Zur Begründung heißt es: "In Zeiten, in denen viele soziale Einrichtungen und kommunale Projekte um ihre Finanzierung kämpfen, wirkt diese Ausgabe völlig unverhältnismäßig." 

Marketing-Chef: 470.000 Euro sind ein Maximalwert

Armin Dellnitz ist Geschäftsführer der Stuttgart Marketing GmbH. Er versucht, etwas Druck aus der Debatte zu nehmen: Die Summe, die aufgerufen wurde, sei eine maximale Summe. "Wer sagt denn, dass wir jetzt 500.000 Euro oder 470.000 Euro ausgeben? Wenn ich das machen soll, wäre mein Anspruch, dass ich mit deutlich weniger Geld auskomme."

Der Stuttgarter Künstler TapeMate bietet Unterstützung an: "Ich hätte was. Das ist gratis. Es ist schon bezahlt." Bei einem vom SWR arrangierten Treffen mit dem Stadt-Marketing-Chef präsentiert er einen 15 Meter langen Maschendrahtzaun mit Schriftzug "We love Stuttgart". Diesen hatte der Künstler, dessen bürgerlicher Name André Brüggemann ist, im Auftrag der Stadt, im Rahmen eines Förderprojekts, vergangenen Sommer entworfen. Rund eineinhalb Wochen stand der Schriftzug unter anderem am Stuttgarter Pragsattel. Mit sehr positiven Reaktionen, so der Künstler.

We love Stuttgart-Schriftzug am Pragsattel Stuttgart
Im Sommer 2025 hatte Künstler André Brüggemann am Pragsattel diesen Stuttgart-Schriftzug aufgestellt.

Stuttgart-Marketing-Chef Armin Dellnitz scheint nicht abgeneigt: "Es beeindruckt mich wirklich, weil es natürlich mit sehr einfachen Mitteln grandios ist, schon von der Wirkung." Allerdings sagt er auch: "Wenn ich jetzt aber mal ein bisschen gucke in die Vorstellung des Gemeinderats, weicht das natürlich deutlich ab."

Weiter erklärt Marketing-Chef Dellnitz: "Der Anspruch muss für uns sein, dass wir dieses bereitgestellte Budget nicht beanspruchen." Dafür könne er sich vorstellen, sich mit anderen "irgendwo einzuschließen" und zu überlegen, "wie kann man aus den Ideen, aus den Überlegungen etwas machen, was am Ende vielleicht der Idee des Gemeinderats so nahe kommt, dass man mit deutlich weniger Mitteln ähnliche Leistungen erzielen kann".

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Philipp Pfäfflin
Portraitfoto von Philipp Pfäfflin
Reporter/in
Katja Trautwein
Katja Trautwein

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