Der Landesverband Kindertagespflege hat entsetzt auf Vorwürfe gegen einen Tagesvater im Rems-Murr-Kreis reagiert. "Das schadet dem ganzen System", beklagt Christine Jerabek, die erste Vorsitzende des Landesverbandes. Der Mann wird verdächtigt, acht Kinder sexuell missbraucht zu haben. Die Polizei spricht von 41 Fällen im Zeitraum von 2020 bis 2025. Außerdem soll der Mann kinderpornografische Inhalte hergestellt und verbreitet haben. Bemerkt hat es lange Zeit offenbar niemand.
Das ist eine Katastrophe für die Kinder und die Eltern. Das ist furchtbar!
Insgesamt 41 Fälle Tagesvater soll Kinder missbraucht haben: Jugendamt sichert Betroffenen Hilfe zu
Ein Tagesvater im Rems-Murr-Kreis soll acht Kinder sexuell missbraucht und Kinderpornographie hergestellt haben. Er sitzt seit Oktober in Untersuchungshaft.
Rund 6.000 Tageseltern betreuen derzeit in Baden-Württemberg etwa 22.500 Kinder, davon seien rund 17.000 drei Jahre oder jünger. Es gebe viele vorgeschriebene Schutzmaßnahmen gegen Kindesmissbrauch, erklärt die Landesvorsitzende Jerabek. So würden neben fachlichen Kenntnissen auch die Eigenschaften der Tagespersonen überprüft. Sprich: Sind sie offen für Kritik, gibt es mit den Eltern eine Partnerschaft auf Augenhöhe, welchen Erziehungsstil pflegen sie?
Rund 250 Tageseltern arbeiten im Rems-Murr-Kreis
Im Rems-Murr-Kreis kooperiert das Kreisjugendamt mit sechs Tageselternvereinen, die die Tagesmütter und -väter pädagogisch begleiten und Hausbesuche zur Qualitätssicherung machen. Allein im Rems-Murr-Kreis gibt es 249 Tageseltern, zehn davon sind Männer. Betreut werden derzeit 961 Kinder.
Um offiziell als bezahlte Tagesmutter oder Tagesvater arbeiten zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Das Land fordert beispielsweise eine Grundqualifizierung von 300 Unterrichtseinheiten, hinzu kommen jährlich 20 weitere Unterrichtseinheiten parallel zur Betreuungsarbeit. Der Rems-Murr-Kreis verlangt nach eigenen Angaben unter anderem noch ein persönliches Gespräch, den Hausbesuch des zuständigen Tageselternvereins, einen Lebenslauf und eine ärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung.
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Verband fordert: Entsprechende Vorstrafen nicht löschen
Eine weitere zentrale Voraussetzung ist die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses. Immer wieder müsse man aber feststellen, dass Täter gezielt vorgehen, Übergriffe konkret planten, ohne dass das jemand im Umfeld merke. "Die können sich oft gut tarnen," hat Christine Jerabek festgestellt. Der Landesverband plädiert erneut dafür, dass entsprechende Vorstrafen nie im Führungszeugnis gelöscht werden. Außerdem sei ein besserer Personalschlüssel für die Betreuung durch die Tageselternvereine nötig. Der liege bislang oft bei einer Fachbetreuungsperson für 90 bis 130 Kinder.
Eine Betreuungsperson der Tageselternvereine sollte aber maximal für 40 bis 60 Kinder zuständig sein müssen, fordert Christine Jerabek. Im Rems-Murr-Kreis liegt dieser Betreuungsschlüssel bislang bei 60 Kindern. Der Jugendhilfeausschuss des Kreistages hat aber - kurz vor Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe - eine Erhöhung auf 90 Kinder pro Fachbetreuer ab 1. April 2026 beschlossen. Unter anderem auch deshalb, weil generell die Kinderzahlen zurückgehen - und Tageseltern auch weniger nachgefragt seien als früher.
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Jugendamt: Kein hundertprozentiger Schutz vor Missbrauch möglich
"Bis zum Beginn der Ermittlungsarbeiten lagen weder dem Jugendamt noch den Tageselternvereinen Hinweise vor, die gegen eine Eignung als Kindertagespflegeperson sprachen", heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes im Rems-Murr-Kreis. Ob der Tatverdächtige sich privat noch um weitere Kinder als Tagesvater gekümmert hat, weiß man im Landratsamt nicht. Für die Erteilung der Pflegeerlaubnis und der Qualitätssicherung im Alltag gebe es klare Vorgaben. Die seien regelmäßig geprüft und eingehalten worden. Doch hundertprozentiger Kinderschutz sei nicht erreichbar. Das sei erschreckend, sagt Kreisjugendamtsleiter Holger Gläss.