"In so einem schlechten Zustand war der Stuttgarter Wald noch nie", erzählt Gerhard Pfeiffer mit besorgtem Blick. Seit Jahren engagiert er sich beim BUND in Stuttgart. Die Wälder um die Landeshauptstadt sind für ihn ein Schatz. "Diese großen Buchen sind rund 80 bis 100 Jahre alt und waren vor zwei Jahren vollkommen vital und grün." Er zeigt auf zwei knorrige Bäume ohne Blätter. "Innerhalb dieser kurzen Zeit sind sie komplett abgestorben." Die Dürrejahre seit 2017 würden vor allem den Altbäumen zu schaffen machen.
Hitzeperiode: Grillverbot in Stuttgarter Wäldern
"Der Wald ist knochentrocken", erklärt Pfeiffer. Deswegen ist seit Wochen das Grillen an öffentlichen Plätzen verboten - die Brandgefahr ist zu hoch. "Das zeigt auch der Gefahrenindex des Deutsche Wetterdienstes. Speziell die Region Stuttgart ist auf der Karte am Donnerstag dunkelrot." Dunkelrot, das ist die höchste Gefahrenstufe.
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Waldbrandgefahr durch illegales Grillen
Rund 25 öffentliche Grillplätze gebe es in Stuttgart, erzählt Pfeiffer. Ein Bauzaun der Stadt Stuttgart sperrt einen Grillplatz in der Nähe der Burg Dischingen ab. "Und trotzdem Grillen die Leute hier illegal." Pfeiffer geht zwei Meter weiter zu einer Sitzbank. Dort sind deutliche Reste einer selbstgebauten Grillstelle aus Steinen und Ästen aus dem Wald zu sehen. "Die Asche ist noch frisch." Das illegale Grillen mache ihm große Sorgen.
Ein Feuer würde sich hier zügig ausbreiten, sagt Pfeiffer. "Über das Gras würde das Feuer relativ schnell den Waldrand erreichen. Insbesondere wenn viel Wind geht. Das ist der entscheidende Brandbeschleuniger im Wald." Wäre ein Feuer erst einmal ausgebrochen, sei es schwer zu löschen, erklärt Pfeiffer weiter. "Die Wege sind sehr schmal und steil. Hier kann man nicht so schnell mit schwerem Gerät vor Ort sein."
Rauchen steigert das Brand-Risiko
Für einen Waldbrand reiche ein kleiner Funke - oder die Glut einer Zigarette. "Von März bis Oktober besteht eigentlich ein Rauchverbot in den Wäldern, aber das wissen die wenigsten," so Pfeiffer. Immer wieder weise er Raucherinnen und Raucher im Wald freundlich darauf hin und erkläre den Hintergrund. Viele würden einsichtig reagieren, sie seien sich der Gefahr nicht bewusst gewesen. Andere winken wohl ab. Der BUND fordert deshalb, dass die Stadt besser informiere und kontrolliere.
Stadt Stuttgart: Mehrheit hält sich ans Grillverbot
Auf SWR-Anfrage diesbezüglich antwortet die Stadt Stuttgart, dass nicht alle potentiellen Gebiete überwacht werden könnten, da viele Menschen mobile Grills nutzen würden. Der Städtische Vollzugsdienst würde aktuell aber immer wieder in Waldabschnitten auf Streife gehen, um die Grillplätze zu beobachten. Die meisten Menschen scheinen sich an das Grillverbot zu halten, so die Stadt. In 20 Prozent der Fälle hätte es aber Verstöße gegeben. Auch die Stadt erklärt, die meisten hätten nicht vorsätzlich, sondern aus Unwissenheit gegen das Grillverbot verstoßen. Aufklärung spiele daher eine große Rolle.
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Hoffen auf Verantwortungsbewusstsein
Gerhard Pfeiffer hofft auch auf das gesellschaftliche Verantwortungsbewusstsein für den Stuttgarter Wald. Schließlich gehöre er allen. "Der Stuttgarter Wald ist wirklich etwas Besonderes. Er ist ein Naherholungsgebiet, eine Biotopfläche und er ist wichtig fürs Stadtklima." Denn hier werde der Sauerstoff produziert, der dann runter in die Stadt fließt.