Nach Diskussionen um die gestiegenen Kosten des Cannstatter Volksfestes hat der Wirtschaftsausschuss des Stuttgarter Gemeinderats am Freitag die sogenannten Platzentgelte für die Festzelte erhöht. Sie steigen um 36 Prozent. Die neue Regel soll auch schon für das Frühlingsfest in diesem Jahr gelten.
Volksfeste in Stuttgart kosten immer mehr
Die beiden großen Volksfeste zu veranstalten, wird immer teurer, heißt es in der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung als Begründung. Es brauche zum Beispiel mehr Geld, um Ordnungsdienst, Reinigung und Brandschutz zu bezahlen. Auch Sanitäranlagen und der Abtransport von Müll würden eine Rolle spielen. Die Ausgaben hätten sich seit 2015 teils mehr als verdoppelt. Viele dieser Kosten stünden in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Festzeltbetrieb, so die Stadtverwaltung. Für die Schausteller gab es bereits eine Gebührenerhöhung.
Veranstalter zufrieden Rund 2,2 Millionen Besucher: Rekord beim Stuttgarter Frühlingsfest
Das nach eigener Einschätzung größte Frühlingsfest Europas zieht zufrieden Bilanz. Noch nie kamen so viele Menschen auf den Cannstatter Wasen.
Ein Drittel Erhöhung bei den Platzentgelten mache in der Gesamtkalkulation eines Festzelts nur eine Kostensteigerung von rund vier Prozent aus, rechnet die Stadt vor. Die Zelt-Reservierungen für das diesjährige Frühlingsfest liefen bereits seit Monaten, heißt es.
Ändert sich etwas für die Besucherinnen und Besucher?
Eine Änderung, die allerdings auf die Festbesucherinnen und - besucher noch zukommen könnte, ist eine Verkürzung der Öffnungszeiten beim Frühlingsfest. Denn trotz der Gebührenerhöhung fehlen der Veranstaltungsgesellschaft in.stuttgart beim kommenden Frühlingsfest immer noch rund 30.000 Euro an Platzgeldern zur Kostendeckung. So steht es in der Beschlussvorlage des Wirtschaftsauschusses.
Deshalb könnte das Frühlingsfest ab 2027 täglich später öffnen - statt bislang um 12 Uhr erst um 14 Uhr, so der Vorschlag der Geschäftsführung der Veranstaltungsgesellschaft in.stuttgart. Zu dieser Frage laufe nun die Abstimmung zwischen der Geschäftsführung, den Beschickern und Wirten, sagte eine Sprecherin von in.stuttgart auf SWR-Anfrage. Die Änderung wäre aber frühestens zum Frühlingsfest 2027 realistisch.
Keine Debatte um Eintrittsgelder für den Wasen
Könnte Eintrittsgeld für das Cannstatter Volksfest eine Stellschraube sein, um die gestiegenen Kosten zu bewältigen? Das stehe derzeit nicht zur Debatte, sagten zwei Stuttgarter Gemeinderäte dem SWR. "Eintritt ist im Gemeinderat kein Thema. Ein Eintrittsgeld würde den Charakter des Fests stark verändern", sagte der Grünen-Gemeinderat Florian Pitschel, Mitglied des Wirtschaftsausschusses, dem SWR. Auch Nicole Porsch (CDU), die ebenfalls im Wirtschaftsausschuss sitzt, sieht "keinen Spielraum" für Eintrittsgeld: "Jeder soll zum Volksfest kommen können." Auch der zuständige Bürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) ist dagegen: "Unsere Feste sind traditionsreiche, niederschwellige Angebote für die gesamte Bevölkerung - sie müssen frei zugänglich bleiben."
Vor Kurzem hatte Bayerns Bierbrauerpräsident Georg Schneider Eintrittsgeld für das Münchener Oktoberfest vorgeschlagen. "Bei Veranstaltungen wie dem Oktoberfest müssen wir darüber nachdenken, ob Bier die Haupt-Kalkulationsgrundlage für alle Kosten sein kann", hatte Schneider der "Augsburger Allgemeinen" gesagt. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und Wiesn-Chef Christian Scharpf hatten dem Vorstoß umgehend eine klare Absage erteilt, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.