Salve! Seid bei diesen heißen Sommertemperaturen römisch gegrüßt! Ich bin Deborah Kölz, Redakteurin beim SWR Studio Stuttgart und in diesem Wochenrückblick geht es um Wut, Aufmerksamkeit und Zerstörung - kurz: um Vandalismus. Davon gab es diese Woche rund um Stuttgart so einige Vorfälle. Von umgesägten Bäumen bis zu Kindern, die 30 Autos zerkratzt haben. Geht's den unbekannten Tätern nur um Aufmerksamkeit?
- Unbekannte zerstören Bäume in Fellbach
- Ein germanisches Volk und die blinde Zerstörungswut
- Polizei Ludwigsburg: Sachbeschädigungen auffallend hoch
- Vandalismus: Warum werden Dinge zerstört?
- Rage Room Stuttgart: Wut ablassen und Dinge kaputt machen
- Stimmt ab: Wie lasst ihr Dampf ab?
Unbekannte zerstören Bäume in Fellbach - schon zum zweiten Mal
In Fellbach (Rems-Murr-Kreis) wurden über das Wochenende mehrere Bäume am Kappelberg beschädigt. Viele kleinere Bäume sind laut der Stadt ganz abgesägt worden. Andere größere Bäume wurden so beschädigt, dass sie nun vermutlich eingehen. Viele Bürger und auch Oberbürgermeisterin Gabriele Zull (parteilos) sind entsetzt. In einer Mitteilung schrieb sie: "Es ist nicht zu fassen, mit welcher Zerstörungswut hier vorgegangen wurde!"
Schon vor einigen Wochen wurden mehrere Bäume an Schulen und später auch im Stadtgebiet beschädigt. Für die Stadt ist klar: Hier gab es eine Fortsetzung der Taten. Deshalb ist nun auch eine Belohnung von 1.000 Euro ausgesetzt, wenn Hinweise aus der Bevölkerung wirklich zu den Tätern führen sollten. Denn was da jetzt passiert ist, sei "unfassbar, nicht mehr nachvollziehbar", sagte Baubürgermeisterin Beatrice Soltys. Das Schlimme daran: Viele der Bäume seien noch gar nicht so alt gewesen und mühevoll angepflanzt und gegossen worden. Mittlerweile hätten sie stabile Wurzeln gehabt. Es sei also auch ein ökologischer Schaden, so Soltys. Und ganz so schnell und so einfach würden sich die Bäume auch nicht wieder nachpflanzen lassen.
Über die umgehackten und angesägten Bäume am Kappelberg hat SWR4 BW am 25.06.2025 berichtet.
Das germanische Volk und die blinde Zerstörungswut
Vandalismus bedeutet laut Duden übrigens "blinde Zerstörungswut". Das Wort geht auf das germanische Volk der Vandalen zurück. Sie waren aus dem germanischen Gebiet irgendwann über Spanien bis nach Nordafrika gewandert. Und im Jahre 455 nach Christus fielen die Vandalen in Rom ein und plünderten die Stadt. Wie brutal und sinnlos dabei wirklich zerstört wurde oder ob die Vandalen gezielt angegriffen und Wertgegenstände geraubt haben, da gibt es unterschiedliche Quellenaussagen. Das Wort mit der willkürlichen Zerstörungswut hat sich allerdings gehalten.
Polizei Ludwigsburg: Sachbeschädigungen auffallend hoch
Vandalismus ist allerdings kein direkter Tatbestand. Wenn die Polizei zu so etwas ermittelt oder jemanden festnimmt, dann meistens wegen des Delikts der Sachbeschädigung. Dazu zählt, wenn eine Sache, die jemandem privat oder zum Beispiel einer Kommune gehört, beschädigt oder zerstört wird. Und auch, wenn absichtlich ihr Erscheinungsbild verändert wird - deshalb sind auch Graffitis Sachbeschädigungen.
Schon über 30.000 Euro Schaden Wer zerstört Solarmodule am SolarHeatGrid in Ludwigsburg?
Solarpanels - zerstört durch Steine und Gartenstühle. Das Solarthermie-Areal SolarHeatGrid der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim wurde schon mehrfach von Unbekannten beschädigt.
Und diese Fälle sind aktuell auffallend hoch, heißt es vom Polizeipräsidium Ludwigsburg. Allein seit Anfang April dieses Jahres seien über 1.000 Sachbeschädigungen registriert worden, sagte ein Sprecher dem SWR. Das geht von eingeschlagenen Scheiben und ausgerissenen Blumen aus Pflanzkübeln, Farbschmierereien bis hin zu beschädigten Mülltonnen. Es sind aber auch viele beschädigte Autos dabei.
Jungs zerkratzen 30 Autos - Tendenz der Sachbeschädigung steigt
Erst diese Woche gab die Ludwigsburger Polizei bekannt, dass sie zwei minderjährige Jungs ermittelt hat, die diesen Monat 30 Autos in Sersheim (Kreis Ludwigsburg) zerkratzt haben. Dabei entstand ein Schaden von rund 80.000 Euro. Aber wer immer wieder Solarmodule in Ludwigsburg zerstört: unbekannt. Der Täter, der einer Schlangen-Skulptur in Bietigheim-Bissingen (die Ludwigsburger Kreiszeitung berichtete zuerst) nach einem Tag die Köpfe abgeschlagen hat: unbekannt. Und wer die Lurchi-Statue in Kornwestheim nach wenigen Tagen schon aus der Verankerung gerissen hat: unbekannt.
Die Tendenz von Sachbeschädigungen zeigt im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2024 deutlich nach oben, sagt der Sprecher der Ludwigsburger Polizei. Das sei in den Vorjahren eher gleich bleibend oder sogar sinkend gewesen. Obwohl es auch zwischen 2023 und 2024 schon einen Anstieg gegeben hatte um fast 1.000 Fälle, wie der Sicherheitsbericht des vergangenen Jahres zeigt.
Das sei aber auf das Wahljahr zurückzuführen, so der Sprecher. Auch Wahlplakate zu zerstören oder zu bemalen ist Vandalismus. Und dabei hätten die Täter viele Motive für die Sachbeschädigung: von Trunkenheit, weil man politischer Gegner ist bis hin zu Jugendlichen, die den Plakaten Bärtchen malen, so der Sprecher. Es sei bei Sachbeschädigung insgesamt sehr schwierig, die Motive zu ermitteln, da bei rund 80 Prozent der Fälle die Täter unentdeckt bleiben.
Vandalismus im Kreis Ludwigsburg: Warum werden Dinge zerstört?
Aber warum machen Menschen einfach sinnlos Sachen kaputt?! Was haben die Bäume oder die Lurchi-Figur ihnen getan, dass sie mutwillig zerstört werden?! Das frage ich mich schon sehr oft, wenn ich solche News lese.
Was laut der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) auffällig ist: Es stehen bei Sachbeschädigung unverhältnismäßig viele Kinder und Jugendliche unter Tatverdacht. Zu den Taten würde es oft kommen, wenn junge Menschen in der Gruppe unterwegs sind. Das kann einen Einfluss haben, aber auch die Wirkung von Alkohol. Es könne also eine Mutprobe sein, etwas kaputt zu machen, heißt es vom ProPK. Oder auch Langeweile. Frust könne ebenfalls ein Antreiber sein. "Manchmal geschieht es auch aus Wut, weil man gerade eine Enttäuschung oder Ungerechtigkeit erlebt hat, die sich dann im Zerstören von Sachen entlädt", heißt es auf der Webseite "Polizei für dich".
Rage Room Stuttgart: Wut ablassen und Dinger kaputt machen
Aber Wut kann man doch auch anders rauslassen, oder? Ein Boxsack ist da ganz praktisch und ich persönlich nutze es gerne zum Dampf-Ablassen, wenn ich bei meinen Eltern im Garten den Löwenzahn aus dem Rasen ausstechen soll.
Dass die Wut manchmal raus muss und es gut tut, dann etwas kaputt zu machen, hat auch Andreas Graf von Brühl erkannt. Er betreibt den "Rage Room Stuttgart". So einen "Wutraum" gibt es auch in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg). Dort können Kunden Möbel, Geschirr und Elektronikgegenstände mit Hammer und Baseballschläger zertrümmern. Wut und Aggression können so abgebaut werden, ohne sich und andere zu gefährden oder fremdes Eigentum kaputt zu machen.
"Verschiedene Studien zeigen, dass die unkontrollierte Ansammlung von Wut und Frustration im Laufe der Zeit zu ernsthaften psychischen Problemen führen kann", schreibt von Brühl in seinem Buch "Die Wut in mir". Darin thematisiert er auch verschiedenste Kunden, die seinen Rage Room nutzten, um ganz verschiedene Emotionen abzubauen. Vom gestressten Chef, der überforderten Mutter und dem wütenden Teenager bis hin zum trauernden Witwer oder der frustrierten Studentin. "Man bekommt den Kopf mal frei und denkt an gar nichts", berichtete eine Krankenschwester im Rage Room meiner Kollegin Aita Koha.
Im April 2024 hat SWR-Reporterin Aita Koha den Rage Room in Kornwestheim vorgestellt:
Toben im Test Rage Room in Kornwestheim: Wo Wut und Aggression willkommen sind
Manchmal könnte man alles gegen die Wand klatschen! Wer in der Region Stuttgart nicht weiß, wohin mit Wut, Frust und Aggression, kann sich im Rage Room in Kornwestheim austoben.
Voting: Wie lasst ihr Dampf ab?
Nein, ich werde nicht fragen, ob ihr schon einmal Sachbeschädigung begangen habt. Im besten Fall nämlich nicht. Aber mal Frust, Wut und Aggression loswerden - wie macht ihr das? Braucht ihr da auch einen Rage Room oder löst ihr es anders?
Würdet Ihr auch gerne mal etwas kaputt machen und Dampf ablassen?
Vergangene Woche haben wir euch gefragt, was passieren müsste, damit ihr in Stuttgart glücklicher seid. Ihr habt für viele Antworten gestimmt. Die meisten Stimmen bekam mit 36 Prozent: "Ganz egal - Hauptsache dieser Bahnhof ist endlich mal fertig und die Baustellen verschwinden!!!"
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