Freiburger Ökonom rät dem Staat, sich rauszuhalten

Spritkosten in der Grenzregion: Wie die hohen Dieselpreise französische und deutsche Spediteure ausbremsen

Die explodierenden Spritkosten setzen Spediteure unter Druck. Wie die Unternehmen damit umgehen und welche Folgen ein Freiburger Ökonom noch befürchtet.

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Die Dieselpreise schießen seit Beginn des Kriegs im Nahen Osten in die Höhe - in Frankreich liegt der Liter im Schnitt bei rund zwei Euro, in Deutschland sind es 2,44 Euro. Besonders hart trifft es Busunternehmen und Speditionen.

Elsässer Spediteur bremst Lkws auf 80 km/h aus

Cyrille Matthieu, Lkw-Fahrer bei Transports Brun im elsässischen Saint-Hippolyte, muss 27 Tonnen Dünger in den Südwesten Frankreichs bringen - rund 600 Kilometer weit weg. Seit dieser Woche gilt für ihn eine neue Anweisung seines Chefs: maximal 80 statt 90 Kilometer pro Stunde. Damit braucht er rund eine Stunde länger. "Wenn wir dadurch ein bisschen Geld sparen und die Krise überstehen können, sollte man das machen." Zwei Liter pro 100 Kilometer soll sein Lkw damit weniger verbrauchen.

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Der Geschäftsführer von Transports Brun, David Brun, versucht, an allen Stellschrauben zu drehen. Seit Beginn des Konflikts im Nahen Osten summieren sich die Mehrkosten für Diesel in seinem Unternehmen bereits auf rund 30.000 Euro. "Wenn das so weitergeht, wird das Unternehmen die nächsten Monate Verluste machen, und ich werde die Regierung möglicherweise um einen Vorschuss bitten müssen", warnt Brun.

Französische Spediteure drosseln die Geschwindigkeit, um Geld beim Tanken zu sparen.
Französische Spediteure drosseln die Geschwindigkeit, um Diesel zu sparen.

Höhere Preise und steigende Inflation

"Die Speditionen werden versuchen, die höheren Spritpreise weiterzugeben", sagt der Freiburger Ökonom Lars P. Feld, Leiter des Lehrstuhls für Wirtschaftspolitik und Ordnungsökonomie an der Uni Freiburg. "Ein Teil der höheren Kosten bleibt bei den Spediteuren hängen". Trotzdem würden die Teuerungen irgendwann bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommen.

Doch das sei nicht alles. "Wir rechnen im Moment mit einer Steigerung der Inflationsrate allgemein um einen Prozentpunkt, also etwa auf drei Prozent", so der Experte. Sofern der Krieg im Iran etwa zwei bis drei Monate dauert. Sollte er länger gehen, werde die Inflation noch höher steigen, sagt er. Außerdem werde dann auch die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen anheben müssen.

Aktuell gibt es zwar eine Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA. Sollte die Straße von Hormus wieder freigegeben werden, dauere es aber noch eine Zeit lang, bis sich das auf die Spritpreise auswirke.

"Preisschock" trifft Speditionen in Baden-Württemberg

Auch in Deutschland spüren Speditionen die gestiegenen Dieselpreise unmittelbar. Die Branche arbeitet traditionell mit geringen Margen, Spielraum zum Auffangen von Mehrkosten gibt es kaum. "Wenn Sie sich vorstellen, so ein Lkw, der kostet praktisch über Nacht jetzt 1.000 Euro mehr im Monat. Das kann der Spediteur bei seinen kleinen Margen nicht selbst tragen", erklärt Andrea Marongiu, Geschäftsführer des Verbands Spedition und Logistik Baden-Württemberg.

Besonders gefährdet seien kleinere Betriebe mit geringerer Liquidität. "Wir reden dann wirklich von einer Insolvenzwelle, wenn sich dieser Zustand jetzt über mehrere Monate hinziehen soll", warnt der Verbandschef.

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Höhere Dieselkosten ein Fall für die Politik?

Die französische Regierung hat bereits ein Hilfspaket von 50 Millionen Euro für besonders betroffene Transportunternehmen angekündigt. Doch in der Praxis kommt das Geld bislang nur zögerlich an. Kleinere Firmen hätten Mühe, die Unterstützung überhaupt zu beantragen, berichtet David Roemer, Vizepräsident des elsässischen Straßentransportverbands - sie kämpften vor allem mit dem Tagesgeschäft und ums Überleben.

Auch Marongiu warnt: Die höheren Transportkosten schlagen sich am Ende auch auf die Verbraucherpreise durch. Von der Politik fordert er strukturelle Änderungen und Steuersenkungen.

Der Freiburger Ökonom ist da anderer Meinung: "Der Staat sollte erst einmal die Finger weglassen". Die Maßnahmen, die aktuell diskutiert werden, seien zum Großteil nicht zielführend. Feld hat eher Bedenken, wie sich die höheren Kosten generell auf die Energiepreise auswirken könnte: "Wenn der höhere Gaspreis auf den Strompreis durchschlägt, haben wir noch ganz andere Probleme."

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Louise Schöneshöfer
Profilbild von Louise
Thomas Hermanns
Reporter Thomas Hermanns

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