Rund 400 Menschen haben am Montagabend den Kandidierenden-Check zur Freiburger Oberbürgermeister-Wahl von SWR, Badischer Zeitung und Landeszentrale für politische Bildung (LpB) verfolgt. Wer vorab keinen Platz im Bürgerhaus Seepark bekommen hatte, konnte die Veranstaltung als Livestream anschauen. Am 26. April entscheiden die Menschen in Freiburg, wer ins Rathaus der Stadt einzieht.
Die Zuschauer erlebten einen informativen und unterhaltsamen Abend mit kontroversen Diskussionen, aber auch viel Einigkeit unter den Kandidierenden. Die Sympathien im Publikum waren verteilt. Buhrufe erntete lediglich der AfD-Kandidat Karl Schwarz, als er sagte, er wolle sich für "Remigration", also die Ausweisung von Ausländern, stark machen.
Publikum darf Besetzung des Podiums mitbestimmen
Bei der OB-Wahl will der amtierende parteilose Oberbürgermeister Martin Horn bekanntlich sein Amt behalten, er muss sich aber gegen zahlreiche Herausforderer und eine Herausforderin behaupten. Neben Horn stehen acht weitere Personen zur Wahl, und sieben der neun Kandidierenden nahmen an der Wahlveranstaltung teil.
Fünf von ihnen durften nach einer ersten Vorstellungsrunde auf dem Podium bleiben. Dabei konnte das Publikum mitbestimmen. Gesetzt waren neben Amtsinhaber Martin Horn auch Monika Stein und Achim Wiehle (alle parteilos). Grund: Alle drei haben größere Unterstützung im Gemeinderat. Horn wird von der SPD- und der FDP-Fraktion unterstützt, Stein von einem breiten links-grünen Bündnis und Wiehle von der CDU.
Kandidierenden-Check: Zwei Bewerber aufs Podium gewählt
Außerdem wählte das Publikum noch Dejan Mihajlović, Referent für Demokratiebildung und Digitale Transformation, und den Doktoranden Martin Borgmann als weitere Teilnehmer auf das Podium.
Der Rechtsanwalt Florian Braune sowie der Handwerksmeister und AfD-Stadtrat Karl Schwarz schieden dagegen nach der Vorstellungsrunde aus. Zwei weitere Kandidaten waren gar nicht erst ins Bürgerhaus gekommen: Claudio Probst hatte seine Teilnahme im Vorfeld abgesagt. Der Student Wim Kölker wurde nicht eingeladen, da er zwar antritt, aber ausdrücklich nicht gewählt werden will.
Auch bei den auf dem Podium diskutierten Themen durfte das Publikum mitentscheiden. Dazu stimmten die Zuschauer über die App "Mentimeter" per Handy ab. Neben dem vorab gesetzten Mega-Thema Wohnen entschied sich eine Mehrheit für die Themenbereiche Bildung sowie Klima und Verkehr.
Wohnen: Neubaugebiete in Freiburg kontrovers diskutiert
Beim Thema Wohnen drehte sich die Diskussion vor allem um die Freiburger Neubaugebiete Kleinescholz und Dietenbach. Während Amtsinhaber Horn Kleinescholz als Paradebeispiel für gemeinwohlorientiertes Bauen pries ("da wächst ein besonderes Stück Freiburg"), zeigte sich Wiehle skeptisch: "Das wird nicht funktionieren", glaubt er. Genossenschaften und Baugruppen könnten die neuen Viertel allein nicht füllen, dafür brauche es dringend Kapital von externen Investoren.
Monika Stein lobte Kleinescholz, forderte aber den Erhalt von Sozialwohnungen auch in bereits bestehenden Wohnvierteln, etwa durch Sanierung oder Aufstockung von Gebäuden. Dejan Mihajlović plädierte dafür beim Thema Wohnen - wie bei allen Stadt-Themen - die Bürgerinnen und Bürger stärker einzubeziehen, etwa durch Bürgerräte und Quartierstreffs. Spaß-Kandidat Martin Borgmann will dagegen Wohnraum in den alten Bergwerkstollen des Schauinslands schaffen.
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Klimaschutz: Kann Freiburg noch mehr?
Beim Thema Klimaschutz waren sich die Kandidierenden einig, dass mehr getan werden müsse, um Freiburg bereits 2035 klimaneutral zu machen. Martin Horn verwies auf den begrenzten Einfluss der Stadt und sieht den Ausbau der Windkraft durch die Bundesregierung "torpediert". Monika Stein will, dass alle städtischen Gebäude mit Photovoltaik bestückt werden. Der Unternehmer Achim Wiehle glaubt, dass einzig die Freiburger Stadtbau-Gesellschaft und der Energieversorger Badenova nennenswerte "Player" beim Klimaschutz sind.
In Sachen Bildung machte sich Monika Stein, derzeit noch Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, für günstigere Kita-Gebühren stark. Nach Tübinger Vorbild will sie die Beiträge stärker staffeln, um geringer verdienende Eltern zu entlasten. Kostenlose Kitas hält sie aber für nicht finanzierbar. Martin Horn sagte, die Stadt gebe schon "sehr, sehr viel Geld für Familien aus". Die Kitabeiträge seien in Freiburg vergleichsweise niedrig. Achim Wiehle sieht einen Schlüssel für bessere Bildung in der Sprachförderung: Wenn der Bund etwa Integrationskurse streiche, müsse im Zweifel die Stadt einspringen.