Am Dienstagmorgen wurde die planmäßige Fertigstellung des modernisierten, sechs Kilometer langen Abschnitts zwischen Müllheim und Auggen im Markgräflerland (Breisgau-Hochschwarzwald) offiziell gefeiert. Der umfangreiche Ausbau soll Bahnfahrern auf der Strecke einige Verbesserungen bringen.
Über einen Zeitraum von sechs Jahren hat die Deutsche Bahn (DB) die Strecke in diesem Abschnitt unter anderem von zwei auf vier Gleise erweitert.
Ausbau der Rheintalbahn "sorgt für mehr Pünktlichkeit"
"Mit den neuen Gleisen gibt es mehr Flexibilität, das erhöht die Stabilität im Bahnverkehr und sorgt für mehr Pünktlichkeit", betonte Winfried Hermann (Grüne), Verkehrsminister des Landes Baden-Württemberg. Gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der DB InfraGO AG, Philipp Nagl, und Müllheims Bürgermeister, Martin Löffler (SPD) feierte er den planmäßigen Abschluss der Arbeiten in dem Abschnitt.
"Engpässe werden reduziert, kürzere Fahrzeiten ermöglicht und die Pünktlichkeit steigt", heißt es von Seiten der DB. Müllheims Bürgermeister spricht bezogen auf die nun mögliche engere Taktung der Züge gar von einem Quantensprung für die Stadt. "Uns bringt es natürlich eine deutliche Verbesserung im gesamten Nahverkehr", so Löffler.
Die Rheintalbahn gilt als eine der wichtigsten Bahnstrecken Europas. Die Strecke wird täglich von über 300 Zügen genutzt. Künftig sollen hier bestenfalls noch mehr Züge fahren können. "Das ist die wichtigste Nord-Süd-Achse Europas und hier ist jeder Meter Gold wert", so Nagl. Die Kosten für den Ausbau liegen bei rund 450 Millionen Euro.
Umfassende Arbeiten auf der Rheintalbahn in den letzten Jahren
"In sechs Jahren Bauzeit hat die Deutsche Bahn zwischen Müllheim und Auggen zwei neue Gleise errichtet, die bestehenden Gleise erneuert und verlegt, zwölf Brücken neu gebaut und fast acht Kilometer Schallschutzwände aufgestellt", bilanziert die Deutsche Bahn. Im März seien noch letzte Sanierungsarbeiten am Untergrund der parallel verlaufenden Bestandsstrecke erfolgt. Außerdem wurden der Bahnhof in Müllheim und der Haltepunkt in Auggen modernisiert, barrierefrei ausgebaut, ein neues elektronisches Stellwerk und neue Weichen installiert.
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Dazu musste die Strecke in den vergangenen Jahren mehrfach kurzzeitig gesperrt werden. Auch über die Osterferien müssen Reisende sich erneut auf Zugausfälle, Ersatzverkehr und längere Reisezeiten auf der Rheintalbahnstrecke einstellen.
Ein europäisches Großprojekt - mit deutscher Verspätung
Die Rheintalbahn ist Teil des transeuropäischen Verkehrskorridors, der Rotterdam in den Niederlanden über Köln, Karlsruhe und Basel mit Genua in Italien verbinden soll. Diese Strecke ist von zentraler Bedeutung für den Güter- und Personenverkehr in Europa. Während jedoch Nachbarländer wie die Schweiz und die Niederlande ihre Teile des Projekts längst fertiggestellt haben, hinkt Deutschland beim Ausbau hinterher.
Diese Verzögerungen stoßen bei den europäischen Partnern auf Unverständnis und Unmut. "Das geht alles zurück auf einen europäischen Vertrag von 1996, den Vertrag von Lugano. Und wir sind sozusagen die Letzten, die immer noch nicht diesen Vertrag fertig erfüllt haben. Deswegen sind da die Nachbarländer ein bisschen, ja, ein bisschen sauer auf uns", so SWR-Bahnexperte Frieder Kümmerer.
Die Gesamtfertigstellung des Projekts ist nach aktuellem Stand für 2041 angesetzt. Auch deswegen gibt es Kritik von Experten. Im Flachland vier Gleise zu legen, das könne doch nicht so schwer sein, so die Meinung der Kritiker.
Verzögerungen des Rheintalbahn-Ausbaus
Die Ursachen für die Verzögerungen in den vergangenen Jahrzehnten sind jedoch vielfältig. Das Großprojekt wurde immer wieder durch Geldsperren von Seiten der Politik, Einsprüche von Umweltverbänden und Anwohnern - und nicht zuletzt durch das Absacken der Gleise über dem Neubautunnel 2017 bei Rastatt ausgebremst, zählt der SWR-Bahnexperte einige der Gründe auf.
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Damals musste eine Millionen Euro teure Tunnelbohrmaschine notfallmäßig einbetoniert werden. "Das war natürlich absolut spektakulär. Das ist auch etwas, was man in dieser Art und Weise damals noch nie hatte und auch erstmal lernen musste, damit überhaupt umzugehen", so Kümmerer. Das führte zu einer monatelangen Sperrung der Strecke und verzögerte den Ausbau weiter.
Viergleisiger Ausbau der Rheintalbahn unverzichtbar
Die über 170 Jahre alte Strecke zwischen Karlsruhe und Basel ist nicht mehr zeitgemäß. Unterschiedliche Geschwindigkeiten der Züge - Güterzüge mit 80-100 Stundenkilometer und ICEs mit bis zu 250 Stundenkilometern - führen zu Engpässen. Der viergleisige Ausbau trennt nun den schnellen Fernverkehr von dem langsameren Nah- und Güterverkehr.
Neben einer höheren Kapazität soll der Ausbau auch kürzere Fahrzeiten ermöglichen: Die ICE-Verbindung zwischen Karlsruhe und Basel soll so nach Abschluss der Arbeiten nur noch 70 Minuten statt aktuell 100 Minuten dauern.