Die Zoos in Basel und Mulhouse schützen ihre Tiere mit speziellen Vakzinen gegen die Vogelgrippe. Hunderte Vögel wurden in dem elsässischen Zoo vergangene Woche immunisiert, unter ihnen Flamingos und Pelikane. Was in Frankreich schon seit vielen Jahren zum Standard gehört, ist in Basel nur im Zusammenhang mit einer Studie möglich: In vier Schweizer Zoos wird die Wirksamkeit eines neuen Impfstoffs erprobt. Zuletzt gab es im Dreiländereck wieder vermehrt Infektionen mit der Vogelgrippe.
Fast 300 Tiere im Basler Zoo bekommen Impfstoff
Impfen im großen Stil: Im Zoo Basel wurden in den vergangenen Wochen fast 300 Wildvögel in 15 verschiedenen Arten gegen die Vogelgrippe geimpft. Dazu zählen unter anderem Pinguine, Pelikane, Flamingos und Eulen, aber auch Tauben, Hühner, Gänse und Ibise. Es ist die zweite Impfaktion gegen die Vogelgrippe im Rahmen einer Doktorarbeit. Vor zwei Jahren waren die Wildvögel im Zoo schon einmal geimpft worden.
Impfen gegen Vogelgrippe in der Schweiz eigentlich verboten
Der verwendete Impfstoff hatte ein gentechnisch verändertes, für die Tiere aber harmloses Virus enthalten. Dieser Impfstoff stammt jedoch von einem Forschungsinstitut und ist auf dem Markt nicht erhältlich. Da Impfungen gegen die Vogelgrippe in der Schweiz nur zu Forschungszwecken erlaubt sind, nutzt der Zoo Basel einen kommerziell erhältlichen Impfstoff im Rahmen einer Studie. Bei der Impfstudie machen noch vier weitere Schweizer Zoos und Parks mit. Schon eine erste Impfaktion vor zwei Jahren hatte gute Ergebnisse gezeigt.
Wir hoffen, dass diese Impfung schützt.
Der Basler Zootierarzt Christian Wenker hofft, dass die Impfung "von vielen verschiedenen Vogelarten - von der Zwergeule bis zum Strauß - gut vertragen wird und dass er möglichst lange wirkt". Den Vögeln wurden schon Blutproben entnommen, die im Labor ausgewertet werden. Und erst nach der Auswertung steht fest, ob sich Antikörper gebildet haben.
Zoo Mulhouse: Tiere werden seit Jahren geimpft
Im Zoo Mulhouse hat das Personal mit den Impfungen schon viel Übung. Der Pieks in die Federn geschehe "mit großer Sorgfalt" heißt es in einem Bericht des Zoos. So soll der Stress für die Tiere möglichst kleingehalten werden. Aber auch für das Team bedeutete es Anspannung, die aufgeschreckten Vögel richtig zu behandeln, sagt ein Pfleger. Jedes Jahr werden die Vögel aufs Neue immunisiert - seit fast 20 Jahren.
Blutproben bestimmen, ob Impfung wirksam ist
In Frankreich ist das im Gegensatz zu Deutschland und der Schweiz erlaubt. Rund 300 Jungvögel wurden dort in der vergangenen Woche geimpft - unter ihnen Pelikane und Flamingos. Mit Blutproben wird geprüft, ob die Tiere mit dem Virus in Kontakt gekommen sind, erklärt Benoît Quintard, Leiter des Zoos Mulhouse. Außerdem könne auf diese Weise bestätigt werden, dass die Impfung wirksam ist.
Basler Zoo hofft auf Zulassung des Impfstoffes
Der Basler Zoo hofft darauf, dass die Impfaktion bei guten Resultaten - wie in französischen Tierparks - bald zur Routine werden könnte. Dass der Impfstoff wirkt, ist wahrscheinlich. Denn er wurde an Hühnern getestet und ist in Frankreich bereits bei Mastenten im Einsatz. Falls die Impfung bei den Wildvögeln wirkt und von den Behörden erlaubt wird, würde der Basler Zoo seine Wildvögel auch jedes Jahr aufs Neue gegen die Vogelgrippe impfen. Das hätte den Vorteil, dass den Wildvögeln beim Ausbruch der Vogelgrippe mit dem Virus H5N1 keine Stallpflicht drohen würde.
Werden auch Geflügelhalter von der Impfstudie profitieren?
Möglicherweise können auch Geflügelhalter von den Erkenntnissen aus der Impfstudie in den Schweizer Zoos profitieren. Das Problem: Hühner und anderes Nutzgeflügel werden oft in sehr großer Zahl gehalten, so dass eine Impfung per Spritze kaum möglich ist. Ob ein Impfstoff gegen die Vogelgrippe dem Geflügel eines Tages auch über das Trinkwasser verabreicht werden kann, ist nach Einschätzung von Tierarzt Christian Wenker aber offen.
In Frankreich wird auch in Geflügelbetrieben geimpft
In Frankreich werden seit zwei Jahren auch Enten in Geflügelbetrieben gegen die Vogelgrippe geimpft - offenbar mit großem Erfolg. Die Grippequote sei dort um 96 Prozent zurückgegangen, so Patrik Heizmann vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV). Für die Tierhalter habe der Handel mit geimpften Vögeln aber eine Kehrseite: Die Exportbestimmungen seien strenger, zusätzliche Auflagen nötig. Das verursache mehr Kosten. In der Schweiz und Deutschland sind diese Impfungen verboten. Heizmann glaubt aber, dass auf lange Sicht auch hierzulande kein Weg daran vorbeiführe.
Wieder mehr Vogelgrippe-Fälle im Dreiländereck
Im Dreiländereck war es in den vergangenen Wochen wieder vermehrt zu Infektionen mit der Vogelgrippe gekommen. Besonders im Elsass gab es viele Fälle. Mehrere tote Wildvögel wurden gefunden. Entlang des Rheins von Mannheim bis in den Ortenaukreis gilt seit 14. November eine Stallpflicht für Geflügel.