Im Pazifik zeichnen sich erste Anzeichen für ein El Niño-Ereignis ab. Das Wetterphänomen kann die Auswirkungen des Klimawandels lokal verschärfen. Droht auch in Baden-Württemberg ein neuer Rekordsommer? Und wie können wir uns vor Hitze schützen? Zwei Klimaforscher vom Karlsruher Institut für Technologie ordnen die Lage ein.
- Wie wahrscheinlich ist ein "Super-El Niño"?
- Welche Auswirkungen hat El Niño in BW?
- Welche Regionen in BW sind besonders von Hitze betroffen?
- Was hilft gegen die Hitze?
- Wer ist gefährdet?
- Was können Kommunen gegen die Hitze tun?
- Droht eine Wasserknappheit?
- Was tun bei Starkregen?
Wie wahrscheinlich ist ein "Super-El Niño"?
Im tropischen Pazifik beobachten Forschende derzeit auffällige Veränderungen: Die Wassertemperaturen steigen lokal an, und auch die Winde verhalten sich mancherorts atypisch.
Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass im kommenden Herbst ein El Niño-Ereignis eintreten wird. Ob es ein besonders starkes El Niño wird - medial auch als "Super-El Niño" bezeichnet - sei aber noch abzuwarten, erklärt der Meteorologe Professor Andreas Fink vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT).
Welche Auswirkugen hat El Niño in BW?
Lokal hat das El Niño-Phänomen große Auswirkungen: In Lateinamerika und auch Kalifornien ist das Risiko für Starkregen und Wirbelstürme höher. In Indonesien und Australien ist es wiederum trockener als sonst.
In Europa sei die Wirkung von El Niño jedoch schwach bis nicht vorhanden, so Fink. Eine generelle Entwarnung ist das aber nicht. Denn extreme Hitzeereignisse werden bei uns - auch ohne El Niño - durch den Klimawandel immer häufiger und intensiver.
Welche Regionen in BW sind besonders von Hitze betroffen?
Innerhalb Deutschlands ist der Süden - und insbesondere Baden-Württemberg - besonders betroffen. Städte wie Karlsruhe, Mannheim und Freiburg, aber auch Dörfer wie Waghäusel-Kirrlach zählen zu den heißesten Orten im Land.
Der gemeinsame Nenner: Die Rheinebene. Hier staut sich die Hitze. Weniger betroffen war in der Vergangenheit noch der Schwarzwald. Doch auch hier werden die Auswirkungen des Klimawandels immer spürbarer.
Schutz vor Hitze: So können wir uns helfen
Diese Maßnahmen können bei Hitze entlasten, erklärt Hans Schipper vom Süddeutschen Klimabüro am KIT:
- Wohnung kühl halten: Hierzu gehört, die Fenster und Türen tagsüber geschlossen zu halten. Sobald die Temperaturen zum Abend etwas sinken, sollte frische Luft hereingelassen werden.
- Tagesplanung anpassen: Sport und Einkäufe wenn möglich am Abend tätigen.
- Ausreichend trinken.
Wer ist besonders durch die Hitze gefährdet?
Besonders anfällig für Hitze sind alte Menschen, Schwangere und Kinder. Gerade bei alten Menschen wird der Reflex, zu trinken, geringer, so Schipper. Er sieht hier die Verantwortung auch in der Gesellschaft: "Wir können zwar sehr für uns selber sorgen, aber nicht jeder kann das so gut. Und deswegen ist es immer sehr wichtig, dass man auch in die Nachbarschaft schaut."
Was können Kommunen gegen die Hitze tun?
Und noch etwas könne die Gemeinschaft tun - gemeinsam mit den Kommunen an konkreten Hitzeschutzmaßnahmen arbeiten. Dabei analysieren die Kommunen gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern die spezifischen Gegebenheiten ihres Ortes und stellen sich wichtige Fragen wie:
- Wo können zusätzliche Grünflächen entstehen?
- Wo können Wasserflächen oder Trinkstationen Abkühlung schaffen?
- Wo befinden sich vulnerable Gruppen - wo sind Altenheime und Kindergärten?
In Baden-Württemberg gibt es bereits Kommunen mit konkreten und an die Ortschaften angepassten Hitzeaktionsplänen - zum Beispiel die Gemeinde Ihringen bei Freiburg. Gemeinsam mit dem Süddeutschen Klimabüro und der Uni Freiburg wurde hier im Rahmen des PROLOK-Projekts ein Hitzeaktionsplan entwickelt, der auch als Blaupause für andere Kommunen dienen könnte.
Im Schwarzwald hingegen sind solche Maßnahmen bisher seltener. Auch weil die Hitze dort noch nicht so extrem angekommen ist - dabei gilt: Je früher, desto besser, so Schipper.
Droht eine Wasserknappheit?
Auch Trockenheit kann zum Problem werden. In besonders heißen Sommern sinkt der Grundwasserspiegel. Das wirkt sich auf die Landwirtschaft und private Gärten aus.
Die Trinkwasserversorgung in BW sei aber noch nicht gefährdet, so Hans Schipper. "Wir haben durch den Schwarzwald und den Bodensee dann doch große Reservoire. Aber wenn es natürlich mehrere Jahre hintereinander sehr trocken ist, dann sinkt der Grundwasserspiegel immer weiter ab und dann wird es natürlich nach vielen Jahren ein Problem."
Was tun bei Starkregen?
Bei höheren Temperaturen steigt auch das Potential für Starkregen. Die Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Besonders gefährdet seien Ortschaften im Schwarzwald, die sich in engen Tälern befinden, so Schipper. Auch hier müssen sich Bürger und Kommunen vorbereiten. Das heißt einerseits, konkrete Schutzmaßnahmen - wie Möglichkeiten, das Wasser umzuleiten. Andererseits sollten Anwohner auch einen individuellen Fluchtplan im Hinterkopf haben, so Schipper.