In vielen Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg öffnen am Tag des offenen Denkmals am zweiten Sonntag im September besondere Gebäude und Anlagen. Interessierte können ehemalige Fabriken, Verkehrsanlagen, Schutzräume, historische Badeanlagen und Orte der Alltagskultur aus dem 19. und 20. Jahrhundert besichtigen.
Vom Atombunker unter einem Gymnasium bis zur ältesten Autofähre Europas auf dem Bodensee: an diesem Tag im Jahr können Besucherinnen und Besucher Orte sehen, die sonst im Verborgenen bleiben. Sie erzählen Geschichten über Technik, Alltag und die Menschen, die das Land geprägt haben.
Tag des offenen Denkmals: Tabakfabrik oder historische Fähre
In Karlsruhe können Besucher eine ehemalige Tabakfabrik mit Hallen und Direktorenvilla besichtigen. Außerdem wird am Hauptbahnhof eine kombinierte Bahnpost- und Bunkeranlage geöffnet. Das Denkmal ist ausschließlich im Rahmen einer Führung zugänglich.
Am Bodensee stehen mehrere Orte im Programm: In Überlingen ist ein als Mittelalter-Schlösschen getarnter Wasserhochbehälter zu sehen. In Kressbronn öffnet die traditionsreiche Bodan-Werft ihre Tore. In Konstanz startet die historische Autofähre "Konstanz" zu Ausfahrten. Sie gilt als älteste Binnensee-Automobilfähre Europas.
Altes Volksbad und Herschelbad erzählen Badegeschichte in Mannheim
Auch in Mannheim, Kraichtal, Rastatt und Offenau steht die Technik- und Industriegeschichte im Mittelpunkt. In Mannheim werden das Alte Volksbad in der Neckarstadt und das Jugendstil-Herschelbad gezeigt. Das Kraichtaler Schafhaus (Kreis Karlsruhe) präsentiert eine Telefon- und Telegrafenausstellung. In Rastatt öffnet die frühere Rechenmaschinenfabrik Thales, in Offenau (Kreis Heilbronn) das Salzmagazin der Saline Clemenshall. Für den Bau der Saline zu Beginn der 1820er Jahre wurde das noch erhaltene Holz der zuvor abgebrochenen Gradierwerke genutzt - ein historisches Beispiel für Recycling.
Unterweltarchitektur in Tübingen
Schutzräume und sogenannte Unterweltarchitektur sind ebenfalls Teil des Programms. In Tübingen wird der Atombunker unter dem Carlo-Schmid-Gymnasium zugänglich gemacht. In Markgröningen (Kreis Ludwigsburg) kann ein Eiskeller besichtigt werden, der vom Kühlraum zum Luftschutzbunker umgenutzt wurde. Frühere Epochen sind im Hohle Fels bei Schelklingen (Alb-Donau-Kreis) zu erleben. Der eiszeitliche Fundort ist für weltweit einzigartige frühe Kunst- und Musikinstrumentfunde bekannt und wird am Denkmaltag mit Führungen erschlossen.
Alltagskultur und Handwerk zeigt unter anderem das historische Brennhaus in Esslingen. Dort wird die traditionelle Herstellung von Obstbrand vorgestellt. Ein selten erhaltenes Freibad aus dem 19. Jahrhundert ist das Alemannenbad Staufen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald). Es bietet zum Denkmaltag Führungen - und bleibt zugleich für den Badebetrieb geöffnet. Im Schwarzwald können die historische Pumpspeicheranlage am Schluchsee (ebenfalls Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) und denkmalgeschützte Bahnbauten besichtigt werden.
Spuren römischer Straßen in der ältesten Stadt von BW
Das Ulmer Münster kann nicht nur innen bestaunt werden, es gibt auch exklusive Führungen über den Münsterdächern. In der Stuttgarter Stiftskirche können Besucher sonst verborgene Welten der geschichtsträchtigen Unterkirche erkunden. In Rottweil, der ältesten Stadt des Landes, gibt es einen historischen Brunnenschacht und Spuren römischer Straßen zu sehen. Insgesamt sind es landesweit knapp 900 ganz unterschiedliche Denkmäler, die Geschichte erlebbar machen, viele davon sind auch nur an diesem Tag zugänglich.