Während die Automobilbranche schwächelt, geht es der Medizintechnik in Deutschland hervorragend. Es wird investiert und eingestellt. Worin liegen die Stärken dieser scheinbar "krisenfesten" Branche?
Großbaustelle in Hechingen (Zollernalbkreis). Das Medizintechnik-Unternehmen Bentley InnoMed baut - und das in großem Stil. Rund 400 Mitarbeiter sind am Standort Hechingen beschäftigt. Viele weitere sollen dazukommen. "Wir erweitern die Produktion, wir erweitern die Verwaltung. Wir stellen also in allen Bereichen ein", sagt Christian Bader, Technischer Leiter bei Bentley InnoMed.
Bentley InnoMed: Symbolbild der Medizintechnik
Während in anderen Branchen die Unternehmen häufig mühsam nach Aufträgen fanden müssen, kann sich Bentley InnoMed vor Arbeit kaum retten. Die Stents und Herzkatheter des Unternehmens sind stark nachgefragt.
Die Produktion ist so stark ausgelastet. Wir kommen teilweise mit den Aufträgen gar nicht hinterher. Wir brauchen uns keine Sorgen machen, ob wir jetzt morgen weniger produzieren. Für uns ist immer Arbeit da.
Die vielen Aufträge freuen auch Produktionsleiter Hartmut Grathwohl. "Eigentlich ist es aktuell eine recht sorglose Zeit für uns", sagt er. Dennoch sehe er die Entwicklung in vielen anderen Branchen mit Sorge. "Mit der aktuellen gesamtwirtschaftlichen Lage können wir natürlich dennoch nicht 'happy' sein", so Grathwohl. "Auch wenn es Bentley InnoMed sehr gut geht", ergänzt der Produktionsleiter.
Medizintechnik: Deshalb geht es der Branche so gut
Eine Vorgehensweise, die in der aktuellen wirtschaftlichen Situation für viele Unternehmen undenkbar ist. Insbesondere die Automobilbranche leidet in Deutschland unter sinkenden Umsatzzahlen. Die Medizintechnik hingegen ist im Boom. Johannes Sarx von der Landesgesellschaft Biopro unterstreicht:
Die Lösungen und Produkte aus der Medizintechnikbranche sind unverzichtbar für die Gesundheitsversorgung. Diese ist wiederum unabhängig von konjunkturellen Schwankungen. Deshalb sind hier die Arbeitsplätze besonders krisensicher.
Das sei ein Glück, ergänzte Sarx. Außerdem habe Deutschland und insbesondere Baden-Württemberg eine Vormachtstellung in vielen Bereichen der Ingenieurskunst. Die Medizintechnik gehöre dazu, sagt der Geschäftsführer. Auch der demografische Wandel ist ein Grund für das starke Wachstum in der Medizintechnik. Die Menschen werden im Schnitt immer älter und sind dadurch mehr und vor allem auch länger auf medizinische Hilfe angewiesen.
Auch Aesculap und Erbe investieren kräftig
Die gesamte Branche scheint aktuell einen Investitionsschub zu erfahren. Nicht nur Bentley InnoMed baut aus. Auch Aesculap in Tuttlingen vergrößert sich derzeit. Aesculap hat den Grundstein für eine neue Fabrik gelegt. Etwa 90 Millionen Euro investiert das Unternehmen in den Neubau.
Mitarbeiter mussten Deal eingehen Investition in Standort Tuttlingen: 90 Millionen Euro für neue Aesculap-Fabrik
Während die Autoindustrie aus Kostengründen in Osteuropa investiert, setzt das Medizintechnik-Unternehmen Aesculap auf die Heimat. In Tuttlingen baut Aesculap eine Hightech-Fabrik.
Vergangenes Jahr wurde auch in Rangendingen (Zollernalbkreis) viel Geld in die Hand genommen. Die Firma Erbe baute für 90 Millionen Euro in drei Jahren einen Neubau. Etwa 100 bis 200 neue Arbeitsplätze sollen geschaffen werden, kündigte Geschäftsführer Christian O. Erbe gegenüber dem SWR an.