Die Stadt Tübingen will einer Tischtennisspielerin im Rollstuhl für eine Sportlerehrung Ende Juni keine Rampe aufbauen. Weil das zu teuer sei und zu viele Plätze wegnehme, so Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos). Die Rampe braucht die Frau im Rollstuhl aber, um auf die Bühne zu kommen. Auf Facebook hat die betroffene Sportlerin Cary Hailfinger den Fall öffentlich gemacht. "Mal wieder kommt die Ausrede der Kosten statt Inklusion. Bin ich also als Para-Sportler mal wieder weniger wert?"
Palmer: 1.200 Euro zu viel, damit eine Person eine Minute auf der Bühne ist
Eine Reaktion von Palmer folgte prompt - ebenfalls bei Facebook: 1.200 Euro für den Auf-und Abbau einer Rampe komme für ihn nicht infrage. Deutschland und seinen Kommunen gehe das Geld aus, deshalb sei Pragmatismus gefragt. Er könne die Sportlerin aber unten vor der Bühne ehren. Auch eine Spende in Höhe von 600 Euro sei denkbar; an einen Verein ihrer Wahl, der sich für Rollstuhlfahrer einsetzt. Das wäre aus seiner Sicht sinnvoller als "1.200 Euro für eine Minute auszugeben, nur damit eine Person auf der Bühne steht", so Palmer gegenüber dem SWR.
Para-Sportlerin wünscht sich von Palmer und Stadt Tübingen langfristige Lösung
Zudem würde die 15 Meter lange Rampe dafür sorgen, dass in der Halle dann 40 Sitzplätze wegfallen. "Häufig werden solche Diskussionen nicht geführt, weil man Angst hat, als behinderten-feindlich gebrandmarkt zu werden", sagt Palmer. Er verstehe "diesen Fetischismus nicht, dass alles exakt gleich gemacht werden muss, sonst ist man diskriminiert und ausgegrenzt."
Nicht die erste Ehrung einer Sportlerin im Rollstuhl
"Wir Menschen mit Behinderung waren lange genug ruhig", sagt Cary Hailfinger dem SWR. Sie wünscht sich eine langfristige Lösung, damit künftig auch Sportler im Rollstuhl so wie alle anderen Sportler geehrt werden können. Denn ihre Ehrung sei nicht die erste einer Para-Sportlerin - und sicher nicht die letzte.
"Ich weiß, dass die Stadt Tübingen sehr viel für Menschen mit Behinderung macht, allerdings gab es in den letzten Jahren bei der Sportlerehrung keine befriedigende Lösung", sagt sie. Die Sportlerin plädiert für die Rampe, damit auch Rollstuhlfahrer bei anderen Veranstaltungen davon profitieren. Wenn die Stadt ihr aber andere, "kosteneffiziente" Lösungen für alle Beteiligten vorschlägt, sei sie auch dafür offen.