- Aus für Patrick-Henry-Village? OB warnt vor drastischen Folgen für Wohnungsmarkt
- Umwandlungsstopp: Ellwangen will Wohnraum für 1.800 Menschen schaffen
- Land will Bauvorhaben der Bundeswehr erleichtern - und der Wohnungsbau?
- Sigmaringen würde Rückkehr der Bundeswehr begrüßen
- Wirtschaftlicher Aufschwung? Külsheim bewirbt sich aktiv um Standort
In Baden-Württemberg betrifft der Umwandlungsstopp 26 ehemalige militärische Liegenschaften, die eigentlich für eine zivile Nutzung vorgesehen waren. Einige Städte und Gemeinden hatten schon Pläne für unter anderem neuen Wohnraum geschmiedet. Doch mit seiner Entscheidung zieht das Bundesverteidigungsministerium erst einmal die Handbremse für jegliche Projekte.
In der Stadt Heidelberg sorgt diese Entscheidung für wenig Begeisterung. "Die Nachricht hat uns natürlich hart erwischt", erklärte Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) dem SWR. Eigentlich will die Stadt auf dem rund 100 Hektar großen Patrick-Henry-Village (PHV) Wohnraum für über 10.000 Menschen schaffen. Das Problem: Auch das Gelände der früheren US-Kaserne steht auf der Liste der vom Umwandlungsstopp betroffenen Areale.
Aus für Patrick-Henry-Village? OB warnt vor drastischen Folgen für Wohnungsmarkt
Hinter der Stadt liege eine jahrelange Planung, so Würzner. Gerade sei man an dem Punkt, dass man das Gelände von der für die Immobilien des Bundes zuständigen Bundesanstalt BImA kaufen wolle. Sollte das Projekt scheitern, sieht der Oberbürgermeister "drastische Folgen" für den Wohnungsmarkt in der Stadt. Das Patrick-Henry-Village sei die einzige Entwicklungsfläche, die Heidelberg noch habe.
Der Wohnungsmarkt in Heidelberg ist angespannt. Für Studierende bleibt die Stadt beim Thema Wohnen der teuerste Standort in Baden-Württemberg.
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Heidelberg: Gespräche mit Verteidigungsministerium laufen
Die Stadt Heidelberg stehe in Kontakt mit dem Bundesverteidigungsministerium. In den nächsten Wochen solle es auch Gespräche auf oberster Ebene geben, so Oberbürgermeister Würzner. Ziel sei es, die Entwicklungsperspektive für das Patrick-Henry-Village zu sichern - dafür wolle er kämpfen. Würzner hält das dortige Gelände ohnehin für eine Rückkehr der Bundeswehr für eher ungeeignet. Auf dem Areal stünden alte Gebäude, die entweder abgerissen oder aufwendig kernsaniert werden müssten.
Umwandlungsstopp: Ellwangen will Wohnraum für 1.800 Menschen schaffen
Der Umwandlungsstopp könnte auch für Ellwangen (Ostalbkreis) Folgen haben. Die Stadt plant auf dem Gelände der ehemaligen Reinhardt-Kaserne die Entwicklung eines neuen Stadtteils. Dort soll in den kommenden Jahren Wohnraum für bis zu 1.800 Menschen entstehen. Aktuell werden dort noch bis Ende des Jahres sieben ehemalige Kompaniegebäude für eine Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge genutzt.
Die Stadt beharrt darauf, dass nach dem Auszug der Flüchtlinge Wohnungen entstehen und keine militärische Nutzung erfolgt. Ellwangen sei ein Beispiel mit besonders dringendem Konversionsinteresse, sagte Oberbürgermeister Michael Dambacher (parteilos) nach einem ersten Gespräch mit Vertretern der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und des Verteidigungsministeriums. "Wir sind sozusagen auf der Zielgeraden unserer Planungen, was die Planung und Entwicklung von Ellwangen Süd betrifft", sagte Dambacher. Der Konversionsprozess sei schon weit fortgeschritten.
Land will Bauvorhaben der Bundeswehr erleichtern - und der Wohnungsbau?
Unterstützung erhält die Bundeswehr jetzt von der baden-württembergischen Landesregierung. Diese will Bauvorhaben künftig per Gesetz erleichtern. "Wir befreien die Bundeswehr beim Bau von Anlagen, die der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands dienen, von allen materiell-rechtlichen Vorschriften des Landes", sagte die Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen, Nicole Razavi (CDU), am Donnerstag in Stuttgart. Das betreffe unter anderem das Bauordnungsrecht, das Denkmalrecht, das Straßenrecht, das Wasserrecht und das Naturschutzrecht.
"Was bei der Bundeswehr geht, muss auch im Wohnungsbau gehen", fordert dazu der wohnungsbaupolitische Sprecher der FDP/DVP-Fraktion im Landtag, Friedrich Haag. Gerade in Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt sei es richtig, Bauprojekte, die dringend benötigten Wohnraum schaffen, "von überzogenen landesrechtlichen Vorschriften zu befreien", so Haag.
Sigmaringen würde Rückkehr der Bundeswehr begrüßen
Eine ganz andere Stimmung im Hinblick auf die Bundeswehr herrscht in Sigmaringen. Auch die Graf-Stauffenberg-Kaserne möchte die Bundeswehr künftig wohl wieder nutzen. Die Stadt selbst setzt sich schon seit Langem für eine Rückkehr der Truppe ein. Sigmaringens Bürgermeister Marcus Ehm (CDU) sagte dem SWR, dass die Stadt gute Voraussetzungen für die Bundeswehr biete.
Am Standort stünden unter anderem ein Schießplatz sowie eine Anbindung an die Eisenbahn zur Verfügung. Außerdem würde der Gemeinderat die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen durch die Bundeswehr "sehr begrüßen", so Ehm. Hinzu komme, dass es für die von der Bundeswehr in den Fokus genommenen Flächen der Kaserne keinerlei Planungen von Seiten der Stadt gebe.
Wirtschaftlicher Aufschwung? Külsheim bewirbt sich aktiv um Standort
Auch Külsheim (Main-Tauber-Kreis) steht einer Bundeswehr-Rückkehr positiv gegenüber. Im Sommer hatte sich die Stadt sogar aktiv beim Bundesverteidigungsministerium beworben, um wieder Bundeswehrstandort zu werden.
Der Grund dafür liegt für Bürgermeister Thomas Schreglmann (CDU) auf der Hand: Er betrachtet die Bundeswehr als einen entscheidenden Wirtschaftsfaktor für die Region. "Eine Bundeswehrkaserne ist immer ein Wirtschaftsfaktor, weil der Soldat verköstigt sich nicht nur in der Kaserne, sondern der besucht auch die örtliche Gastronomie", erklärte Schreglmann im Gespräch mit dem SWR. Zudem solle die alte Kaserne dazu beitragen, den gesamten Ort wiederzubeleben. Ob es allerdings tatsächlich zu einer Rückkehr der Bundeswehr kommt, bleibt offen. Bislang habe die Stadt noch keine Rückmeldung vom Verteidigungsministerium erhalten.