Die Staatsanwaltschaft Hechingen ermittelt gegen einen Mann, der am Dienstag im Schwurgerichtssaal des Landgerichts randaliert haben soll. Kurz davor hatte das Gericht sieben junge Männer zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Sie hatten einen 16-Jährigen entführt, bedroht und misshandelt. Wie eine Sprecherin dem SWR mitteilte, soll es sich bei dem Störer um den Vater von zwei Verurteilten handeln.
Vier Tage festgehalten und misshandelt Hechinger Entführungsprozess: Jugendliche müssen lange ins Gefängnis
Sieben Jugendliche haben einen anderen Jugendlichen tagelang festgehalten, misshandelt und Geld von ihm gefordert. Jetzt wurden sie zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.
Vater wirf mit Stuhl im Gerichtssaal
Eine Strafanzeige liege derzeit noch nicht vor, so die Staatsanwaltschaft weiter. Der genaue Tatvorwurf werde in den laufenden Ermittlungen untersucht. Demnach könne der Mann wegen Körperverletzung angezeigt werden – oder weil er Widerstand gegen die Vollstreckungsbeamte geleistet und sie angegriffen hat.
Nachdem der Richter am Dienstag die Verhandlung geschlossen hatte, soll der Mann einen Stuhl auf den Boden geworfen und dabei laut geschrien haben, heißt es in Presseberichten. Daraufhin sollen Vollstreckungsbeamte ihn auf den Boden gerungen haben. Die Staatsanwaltschaft äußert sich noch nicht zum genauen Hergang. Sie hat aber bestätigt, dass bei dem Vorfall ein Justizbeamter verletzt wurde.
Angespannte Stimmung beim Entführungsprozess
Am letzten Prozesstag war die Stimmung im Hechinger Schwurgerichtssaal angespannt. Wie in den elf Verhandlungstagen zuvor war der Zuschauerraum voll besetzt mit Familienangehörigen und Freunden der Angeklagten. Den gesamten Prozess über gab es strenge Sicherheitsauflagen. Zuschauerinnen und Zuschauer durften keine Gegenstände in den Saal mitnehmen.
Der Vater fiel schon vor dem Wurf mit dem Stuhl auf. Bei der Urteilsverkündung hatte er geklatscht. Während der Urteilsbegründung unterhielt er sich so laut mit einer Angehörigen, dass der Richter ihn ermahnte. Als die Sitzung beendet war, soll er dann geschrien und den Stuhl geworfen haben.
Lange Gefängnisstrafen für Jugendliche
Beim Prozess wurden sieben junge Männer entweder wegen erpresserischen Menschenraubs, wegen Beihilfe dazu oder wegen Körperverletzung verurteilt. Einer von ihnen hat eine Bewährungsstrafe bekommen. Die übrigen Verurteilten müssen ins Gefängnis. Die Haftstrafen reichen von zwei Jahren und neun Monaten bis hin zu sechs Jahren und drei Monaten.