Nach der Explosion eines Wohnhauses in Albstadt-Tailfingen (Zollernalbkreis) sucht die Polizei weiter nach der Ursache. Bei dem Unglück sind ein 33-jähriger Mann, seine 30-jährige Frau und der sechsjährige Sohn ums Leben gekommen. Mit ersten Ermittlungsergebnissen ist erst in Wochen zu rechen, so eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Reutlingen.
Polizei will Haus digital rekonstruieren
Inzwischen sei die Unglücksstelle mit Planen abgedeckt worden, um mögliche weitere Spuren zu schützen. Am Freitag waren Kriminaltechniker unter anderem des Landeskriminalamts Stuttgart vor Ort und haben in den Trümmern nach Hinweisen gesucht. Jetzt sei die Polizei dabei, die Unglücksstelle digital zu rekonstruieren, so die Sprecherin. Sie werde in einem 3D-Modell nachgestellt, um die Anschlüsse des Hauses zu visualisieren.
Alle Anwohner kehren in Häuser zurück
Die Gasleitungen der Nachbarhäuser sind inzwischen weitgehend wieder in Betrieb. Auch kehrten am Montag die letzten Anwohner in ihre Häuser zurück, so eine Sprecherin der Stadt Albstadt.
Gerüchte um Gasgeruch: Albstadtwerke widersprechen
Kurz nach der Gasexplosion verbreitete sich das Gerücht, dass im Haus zuvor Gasgeruch festgestellt worden war. Ein Mann, der sich als Schwager der Familie vorstellt, spricht darüber in einem öffentlichen Video auf Facebook. Er sagt, dass die getötete Ehefrau Ende Dezember Gas gerochen, aber wegen der Feiertage keinen Notdienst bekommen habe. Einen Tag vor der Explosion habe es einen Termin mit einem Techniker gegeben, der aber nicht vorbeikam, so der Mann in dem Video. An wen konkret sich die Familie wegen des Gasgeruchs gewendet haben soll, sagt er nicht.
Die Albstadtwerke, die für die Gasversorgung in dem Gebiet zuständig sind, antworten auf SWR-Anfrage. "Jegliche Meldungen in Bezug auf Gasgeruch nehmen wir sehr ernst." Weiter heißt es: "Nach unseren derzeitigen Erkenntnissen lag uns im Vorfeld des Unglücks jedoch keine Meldung über einen Gasgeruch vor", so die Albstadtwerke.
Störungshotline bei Gasgeruch
Bei Gasgeruchsmeldungen würden gar keine Termine vereinbart, sondern unverzüglich gehandelt, so die Stadtwerke. Die Kontaktaufnahme bei Störungen laufe ausschließlich über eine Störungsnummer, diese sei rund um die Uhr besetzt. Oberbürgermeister Roland Tralmer (CDU), der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke ist, hatte den Gerüchten bereits am Freitag widersprochen.
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Kritik an großer Spendenaktion
Die Hilfsbereitschaft nach der Explosion war groß. Hunderte hilfsbereite Menschen meldeten sich bei der Stadt über eine Notfallnummer, Nachbarn boten Unterkünfte an, und Seelsorger kümmern sich um die Betroffenen. Gaetano Furore, ein Freund und entfernter Verwandter der getöteten Familie, startete eine Spendenaktion, um die Familie bei der Beerdigung zu unterstützen. Innerhalb eines Tages kamen mehr als 60.000 Euro zusammen.
Doch neben der großen Spendenbereitschaft gab es auch Kritik an der Aktion, sagt Furore. Menschen hätten ihm in Kommentaren auf Social Media vorgeworfen, dass er das Geld unterschlage. Ursprünglich habe er 25.000 Euro als Spendenziel eingestellt, doch die Website habe das Spendenziel automatisch immer weiter nach oben angepasst.
Furore: Kein Geld unterschlagen, nur helfen
Inzwischen hat er diese Funktion abgestellt. Auf der Website "GoFundMe", die Spendengelder vermittelt, ist die Spendenannahme jetzt ausgesetzt. Er habe am Freitag bei der Bank angerufen und veranlasst, dass ein Konto auf den Namen der direkten Angehörigen eröffnet wird, sagte Furore dem SWR. Von dort werde das Geld - 68.078 Euro sind es laut Website - nun verwaltet. "Da wird alles dokumentiert. Jeder kann jederzeit zu mir kommen und einen Überblick über die Kontoauszüge bekommen", so Furore. Er wolle kein Geld unterschlagen, sondern einfach nur helfen.