Wer im Himbachtal unterwegs ist, sollte aufpassen

Gefräßige Gespinstmotte: Nur eklig oder auch gefährlich?

Kahlgefressen und eingesponnen: Viele Bäume, Sträucher und Büsche bei Tübingen sehen gerade gespenstisch aus. Die Gespinstmotte hat Hochsaison. Nur eklig oder sogar gefährlich?

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Stand

Von Autor/in Simon Hartmann

Wer zurzeit durch das Himbachtal bei Tübingen läuft, kommt kaum daran vorbei: Überall hängen die weiß-gräulich verwebten Netze, sogenannte Gespinste, an Bäumen, Büschen und Sträuchern. Es ist das Werk der Gespinstmotte beziehungsweise deren Raupe.

Die Raupe der Gespinstmotte hat einen Strauch zugesponnen
Die Raupe der Gespinstmotte liebt Laubbäume und Büsche. Nadelgehölz hingegen verschont sie. Stefanie Assenheimer

Gespinstmotte liebt Laubbäume

An manchen Stellen hängen die Raupen an langen Fäden fast bis auf den Boden. Und weil es nicht nur ein, sondern viele dieser Fäden sind, sieht es aus wie ein Schleier oder zarter Vorhang. Die Gespinstmotte verschont Nadelhölzer. Laubbäume aber liebt sie - besonders Traubenkirschen und Pappeln aber auch Obstbäume, so Martin Feucht, Schmetterlingexperte beim NABU Baden-Württemberg. Mit den Gespinsten versuchen die Insekten potentielle Fressfeinde wie Vögel oder Wespen abzuhalten, sagt Feucht.

Mehrere Raupen der Gespinstmotte hängen an einem gesponnenen Faden von einem Baum herab.
Wer nicht aufpasst, hat im Himbachtal auch schnell mal die Raupen der Gespinstmotte im Gesicht. Stefanie Assenheimer

Ernteausfall für den Obstbauer

Noch bis Ende Juni sind die Raupen am Spinnen, dann verpuppen sie sich, heißt es bei der Obstbauberatung Stuttgart. Ende Juli schlüpfen die Motten. Dann wird es erstmal keine neuen Gespinste geben - bis zum nächsten Frühling.

Bis dahin allerdings hüllen die Raupen eifrig weiter Bäume und Sträucher in Netze und fressen die Pflanzen kahl. Kein schöner Anblick, aber harmlos, so der Experte vom NABU. Meist würden sich die Bäume wieder erholen. Die Obstbauern allerdings müssen mit Ernteausfällen rechnen, so die Obstbau-Beratungsstelle. Dazu kommt, dass Spritzmittel nicht funktionierten, da die Gespinste wasserabweisend sind.

Für Menschen hingegen ist sowohl das Gespinst als auch die Berührung mit der Raupe oder Motte völlig ungefährlich, versichert Martin Feucht vom NABU.

In das Gespinst der Motte zu laufen ist total ungefährlich - ähnlich wie bei einem Spinnennest. Das kann man dann einfach abzupfen.

Gespinstmotten nicht verwechseln mit Eichenprozessionsspinner

Ganz anders als beim Eichenprozessionsspinner mit dem man die Gespinstmotte auf keinen Fall verwechseln darf. Eine Berührung mit den Brennhaaren des Prozessionsspinners kann laut Landratsamt Tübingen eine allergische Reaktion auslösen. In Folge könnten Schwindel, Fieber und Atemwegsreizungen sowie lokale Hautreizungen mit starkem Juckreiz auftreten.

Nest von Eichenprozessionsspinnern an einer Eiche
Der gefährliche Eichenprozessionsspinner sollte nicht mit der harmlosen Gespinstmotte verwechselt werden. Robert Poorten
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Simon Hartmann
SWR-Reporter Simon Hartmann bei einer Live-Schalte für SWR Aktuell

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