Seit Herbst gräbt ein Team aus Archäologen und Studierenden der Universität Tübingen an der Burgruine Hohengenkingen. Die Ruine liegt abgeschieden mitten im Wald auf einem Berg in Sonnenbühl-Undingen (Kreis Reutlingen). Ihre Geschichte ist weitgehend unbekannt, doch das soll sich langsam ändern.
Fund von massiven Mauerresten wirft Fragen auf
"Die Königs- oder Kaiserkrone haben wir bisher nicht gefunden", sagt Wolfgang Bauer. Der Reutlinger ZEIT-Journalist hat die Burgrettung angestoßen und einen Verein gegründet, der sich um den Erhalt und die Forschung an der Burg kümmert. Immer wieder berichtet er über das Projekt.
"Eine Zeitmaschine im Wald" Zurück ins Mittelalter: Erstmals Ausgrabungen auf der Burg Hohengenkingen
Normalerweise ist der Journalist Wolfgang Bauer in Krisengebieten unterwegs. Jetzt forscht er an der Vergangenheit seiner Heimat und holt Reste von Hohengenkingen aus der Erde.
Statt einer Krone hat das Archäologenteam auf dem Gipfel des Berges massive Mauerreste freigelegt. Doch was genau hier einst stand, bleibt umstritten. Lange Zeit nahm man an, dass auf dem Gipfel ein mächtiger Turm errichtet wurde. Doch diese Theorie wird durch die jüngsten Funde infrage gestellt.
Forscher sind uneins: Turm oder Schildmauer?
Denn die eine Mauer an der Nordseite ist mit über zwei Metern sehr massiv, die andere auf der Südseite hat aber nur eine Stärke von 1,20 Metern. Die Forschenden stellen sich die Frage: Wie fand ein hoher Turm Balance auf diesen ungleichen Mauern?
Eine alternative Hypothese klingt deshalb so: Die Burg könnte aus einem Palas, einem mittelalterlichen Wohngebäude, bestanden haben, das von einer sogenannten Schildmauer geschützt wurde. Die massive Mauer sollte die Burg vor großen Steinschleudern bewahren, den sogenannten "Bliden".
Burg Hohengenkingen: Von adeligen Genkingern bewohnt
"Bevor die Kanonen erfunden waren, zitterte man vor Steinschleudern", sagt Bauer. Viel über das Leben der Burgbewohner ist nicht bekannt. Die Forscher gehen davon aus, dass die Burg vermutlich um 1200 entstand und vom örtlichen Adel, den Herren von Genkingen, bewohnt wurde. Viele verbannte Kalksteine lassen darauf schließen, dass die Burg einst komplett abbrannte.
Glasfunde weisen auf Wohlstand hin
Neben den Mauerresten hat das Team auch einen weiteren Eingang zur Burg entdeckt und unerwartet große Mengen an Glas ausgegraben. Darunter befindet sich eine "Nuppe“ – eine spitze Verzierung an mittelalterlichen Trinkgefäßen.
Die Nuppen hatten wohl nicht nur dekorative Funktion, sondern sollten auch verhindern, dass fettige Finger am Glas abrutschen. Der Fund deute ebenfalls auf Wohlstand hin, sagt Bauer.
Nach Grabung: Mehr Fragen als Antworten
"Letztlich stellen sich nach der Grabungssaison mehr Fragen, als wir Antworten geben können", sagt Bauer. Aber das sei eine gute Motivation, um im nächsten Jahr weiterzumachen. Dann wolle man in die Archive eintauchen, um mehr über den schwäbischen Niederadel und die Herren von Genkingen zu erfahren. Diese Arbeiten werden durch Spenden ermöglicht, betont Bauer.
In einem archäologischen Labor in Mannheim warten zudem Holzkohleproben auf ihre Altersbestimmung. Die Ergebnisse könnten weitere Hinweise liefern, die Licht ins Dunkel der Geschichte der Burgruine bringen.