Der Sieg hat einen bitteren Beigeschmack: Jonas Hörrmann hat seinen Ehering beim traditionsreichen Tübinger Stocherkahnrennen im Neckar versenkt. Seit Anfang Juni fehlt von dem Ring jede Spur. Gemeinsam mit seinem Freund Paul Schröter und einem Metallsuchgerät sucht Hörrmann deshalb Stück für Stück den Neckar ab.
Suche nach Ring mit dem Stocherkahn
Bereits zum dritten Mal sind die beiden mit dem Stocherkahn auf dem Neckar unterwegs. Neben dem Metallsuchgerät haben sie einen sogenannten Pointer dabei, ein kleineres Suchgerät, mit dem sich die Funde noch besser lokalisieren lassen. Außerdem haben sie Neoprenanzüge und eine Gartenhacke an Bord. "Damit man am Neckarboden kratzen kann, ohne sich dabei die Fingernägel kaputt zu machen", sagt Hörrmann.
Der Stocherer hat eine grobe Idee, an welcher Stelle er den Ring verloren haben könnte. Anhand von Fernsehbildern des SWR hat er rekonstruiert, dass er ihn bereits rund 250 Meter nach dem Start nicht mehr am Finger getragen hat. Hörrmann vermutet deshalb, dass er den Ring bereits kurz nach dem Start verloren hat, als er vom Kahn gefallen ist.
Algen im Neckar erschweren die Sicht
Systematisch arbeiten sich Jonas Hörrmann und Paul Schröter Meter für Meter entlang der Rennlinie vor. Doch die Bedingungen sind in dieser Woche alles andere als ideal: Durch die gestiegene Wassertemperatur ist der Fluss voller Algen, die Sicht gleich null. "Das ist, als würde man ständig schwere Nudelsuppe aus dem Neckar ziehen", sagt Schröter, während er den Detektor von Algen befreit.
Schröter watet mit dem Metallsuchgerät durchs hüfthohe Wasser, der Metallsucher piept. Der erste Fund: Ein alter Aluminiumlöffel. "Schade", ruft Hörrmann, der den verkratzten Löffel an die Oberfläche holt. Die kurze Hoffnung hat sich wieder zerschlagen. Nichtsdestotrotz: Die Suche geht weiter, die beiden Männer geben so schnell nicht auf.
Der Haussegen hängt erst schief, wenn ich aufhöre, nach dem Ring zu suchen
Wieder schlägt das Metallsuchgerät an. Diesmal kommt ein alter Fahrradständer zum Vorschein. Dazu mehrere kleine Aluminiumstücke, vermutlich Teile einer Dose. Auch ein Anglerköder landet im Stocherkahn. Immerhin ist der Neckar dadurch etwas sauberer geworden, den Müll entsorgen sie später. Viel Abfall finden sie bei der Suche aber nicht.
Vom Ehering fehlt jede Spur
Nur vom Ehering fehlt auch nach zwei Stunden jede Spur. Stattdessen ist die Stocherkahnstange plötzlich verschwunden - irgendwo muss sie auf dem Weg von Bord gegangen sein. Auch das nimmt Jonas Hörrmann sportlich: "Ein bisschen Schwund ist immer dabei", sagt er.
Die Suche geht weiter
Ob zu Hause der Haussegen schief hängt, wenn er den Ring nicht mehr findet? "Der Haussegen hängt erst schief, wenn ich aufhöre, zu suchen", sagt Hörrmann. Im Laufe der Woche will er ein weiteres Mal auf den Neckar fahren, diesmal mit seiner kleinen Tochter, ausgestattet mit Schwimmflügeln.
Glück für andere: Autoschlüssel aus dem Neckar geborgen
Einen kleinen Erfolg können die beiden Sucher dann aber doch noch verbuchen. Sie leihen das Metallsuchgerät einer Gruppe aus, die einen Autoschlüssel im Fluss verloren hat. Dank des Detektors finden sie den Schlüssel innerhalb weniger Minuten. "Jetzt hat es sich trotzdem gelohnt, dass wir auf dem Neckar waren. Zwar nicht für mich, aber für andere", sagt Hörrmann.
Wer den Ring findet, bekommt einen Finderlohn. Jonas Hörrmann lobt den Goldpreis plus 200 Euro aus, sagte er dem SWR.