Medizinstudentin trennt sich von ihren langen Haaren

Haarspendewoche in Tübingen: 35 Zentimeter Hoffnung für krebskranke Kinder

Wenn Kindern mit Krebs die Haare ausfallen, kann das belastend sein. In Tübingen können Freiwillige bei einer Haarspendewoche ihre Haare schneiden - für Kinder-Perücken.

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Von Autor/in Ingemar Koerner

Haarausfall durch Krebs oder andere Erkrankungen ist für Kinder oft eine große Belastung. In Tübingen organisieren Medizinstudierende deshalb von 30. Juni bis 4. Juli eine Haarspendewoche: In teilnehmenden Friseursalons können Freiwillige wie die Medizinstudentin Miriam Herdeg ihre Haare abschneiden lassen - und das günstiger als normalerweise. Beim Friseursalon "Conkav" muss man nur die Hälfte zahlen, wenn man die Haare spendet. Rabatte gibt es auch bei "Hairdressers" und "Schnittkunst". Aus den Zöpfen sollen Perücken für krebskranke Kinder entstehen.

Studentin spendet perfekte Haare für Perücke

Miriam Herdeg hat ihre Haare schon einmal gespendet - vor rund zweieinhalb Jahren. Seitdem ließ sie sie wieder wachsen. Jetzt sitzt sie im Friseursalon Déjà vu in Tübingen. Diesmal sollen rund 35 Zentimeter ab. Ein wenig aufgeregt ist sie vorher schon, sogar mehr als beim letzten Mal. Herdeg gilt als ideale Spenderin: Ihre Haare können lang wachsen und dabei gesund bleiben - beste Voraussetzungen für eine Perücke.

Eine Kinder-Perücke kostet laut Organisatoren oft zwischen 3.000 und 4.000 Euro. Für viele Familien ist das zu teuer. Oder sie sparen das Geld zusammen und können sich dann keinen Urlaub mehr leisten. Für solche Familien ist die Haarspendewoche in Tübingen gedacht.

Vor dem Schnitt hat Medizinstudentin Miriam Herdeg noch lange Haare. Sie spendet sie, damit daraus Perücken für krebskranke Kinder entstehen.
Noch hat Medizinstudentin Miriam Herdeg lange Haare auf dem Kopf. Rund 35 Zentimeter will sie abgeben. Daraus sollen Perücken für krebskranke Kinder entstehen. Ingemar Koerner Bild in Detailansicht öffnen
Friseur Andreas Sebastian Ehrle schneidet die Haare der Spenderin. Rund 35 Zentimeter kommen weg. Aus diesen Haaren werden Perücken für krebskranke Kinder.
Friseur Andreas Sebastian Ehrle (rechts) schneidet Miriam Herdeg (links) die Haare. Max Rieswick will daraus eine Perücke für ein krebskrankes Kind machen. Ingemar Koerner Bild in Detailansicht öffnen
Nach dem Schnitt hat Medizinstudentin Miriam Herdeg kurze Haare. Sie spendet rund 35 Zentimeter, damit daraus Perücken für krebskranke Kinder entstehen.
Neuer Look - und dabei Gutes getan: In vier Zöpfen hat der Friseur die Haare von Miriam Herdeg abgeschnitten. Ingemar Koerner Bild in Detailansicht öffnen

Ziel: "Jetzt kann ich wieder Prinzessin sein"

Die Haarspendewoche organisiert der Verein MEDI Paten, bei dem sich auch Miriam Herdeg ehrenamtlich engagiert. Das Haareschneiden übernehmen die teilnehmenden Friseursalons - unterstützt vom "Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen e.V." und der Stiftung "It's for Kids".

Social-Media-Beitrag auf Instagram

Auch Perückenmacher Max Rieswick aus Velen-Ramsdorf in Nordrhein-Westfalen ist zur Tübinger Haarspendewoche gekommen. Unter dem Label "haare-spenden.de" stellt seine Familie in fünfter Generation Echthaarperücken her. An einer Perücke arbeitet Rieswick bis zu 200 Stunden, sagt er. Dafür befestigt er 70.000 bis 100.000 Haare - etwa so viele, wie Menschen im Schnitt auf dem Kopf haben.

Sein Ziel sei, dass Kinder wieder Kinder sein können, sagt er.

Vor allem, wenn die Mädels dann sagen: "Genau so will ich aussehen. Jetzt kann ich mir wieder Flechtfrisuren machen. Jetzt kann ich wieder Prinzessin sein."

Ein Mann arbeitet an einer Perücke. Max Rieswick stellt in Handarbeit Perücken aus gespendeten Haaren für krebskranke Kinder her.
In eine Perücke können 150 bis 200 Stunden Arbeit fließen, erklärt Max Rieswick. Dafür befestigt er 70.000 bis 100.000 Haare. So viele haben Menschen auch auf dem Kopf. Ingemar Koerner

Haare als "kostbares Gut"

Für Friseur Andreas Sebastian Ehrle vom Salon Déjà vu geht es dabei nicht nur ums Abschneiden, sondern auch um Wertschätzung für das, was gespendet wird. Er betont: "Haare sind kein Müll. Haare sind ein kostbares Gut." Wenn sie auf den Boden fallen, könne man daraus doch auch etwas machen. "Und das ist etwas Gutes", so Ehrle.

Wer seine Haare spenden möchte, sollte laut den Organisatoren mindestens 25 Zentimeter abgeben können. Die Haare sollten grundsätzlich gesund sein. Auch Menschen mit gefärbtem, getöntem, blondiertem oder grauem Haar können spenden - egal welche Farbe oder Struktur die Haare haben.

Mit Haaren etwas Gutes zu tun, geht auch außerhalb der Haarspendewoche. Die Organisationen "haare-spenden.de" und "It's for Kids" erklären auf ihren Webseiten, wie das geht.

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Autor/in
Ingemar Koerner
Ingemar Koerner ist Reporter für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

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