Prozess wegen versuchten Mordes hat begonnen

23-Jähriger gesteht Brandanschläge in Leibertingen

Ein 23-Jähriger aus dem Kreis Sigmaringen hat gestanden, dass er in Leibertingen Molotowcocktails auf ein Auto und ein Haus geworfen hat. Er ist wegen versuchten Mordes angeklagt.

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Von Autor/in Julia Klebitz

Am Landgericht Hechingen (Zollernalbkreis) hat am Montag der Prozess gegen einen 23-Jährigen begonnen. Ihm wird unter anderem versuchter Mord vorgeworfen. Der Mann hat gestanden, dass er im Oktober 2025 in Leibertingen mehrere Molotowcocktails gezündet hat. Die Staatsanwaltschaft geht von einer politisch motivierten Tat aus.

Auch Angriff auf Polizei und Feuerwehr

Er soll zunächst ein Auto beschädigt und mit einem selbstgebauten Brandsatz aus einer Radlerflasche entzündet haben. Anschließend hat er laut Anklage einen Molotowcocktail auf das Fenster eines Wohnhauses geworfen. Im Haus hätten zu diesem Zeitpunkt sechs Menschen geschlafen. Deren Tod soll der Angeklagte billigend in Kauf genommen haben.

Der 23-Jährige soll zudem einen weiteren Brandsatz aus größerer Entfernung auf Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr geworfen haben. Verletzt wurde niemand. Der Mann soll aber auch in diesem Fall zumindest Verletzungen der Einsatzkräfte in Kauf genommen haben, so die Staatsanwaltschaft.

Angeklagter bittet um Entschuldigung

Der junge Mann räumte die Tat bereits zu Prozessbeginn ein. Sein Verteidiger las vor Gericht eine schriftliche Erklärung des 23-Jährigen vor. "Ich bedauere meine Taten aufrichtig", hieß es darin. Er schäme sich und wolle sich entschuldigen, auch bei seiner Familie.

Er habe zum Tatzeitpunkt unter Drogeneinfluss gestanden, konsumiere seit seiner frühen Jugend Alkohol und verschiedene Rauschmittel. AfD-nahe Schriftzüge auf einem Auto vor einem Haus habe er als Provokation empfunden. Dort zündete der Mann den ersten Brandsatz. Zudem habe eine persönliche Komponente eine Rolle gespielt: Die Mutter des Angeklagten sei als ehemalige Bürgermeisterin einer anderen Gemeinde Anfeindungen der AfD ausgesetzt gewesen, hieß es in der Erklärung weiter.

Staatsschutz geht von politischer Motivation aus

Das Staatsschutzzentrum bei der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart geht von einem Einzeltäter aus, der mutmaßlich aus politischer Motivation handelte. Der Mann habe sich selbst als Teil einer "linken- antifaschistischen" Szene verstanden. An den beschädigten Fahrzeugen und dem Wohnhaus in Leibertingen soll er verschiedene Schriftzüge wie "FCK NZS" und "AFA 161 Area" angebracht haben.

Der Angeklagte selbst gab vor Gericht an, Mitglied der Partei "Die Linke" zu sein. Er sei dort jedoch nicht aktiv - auch nicht bei anderen politischen Gruppierungen. Er habe lediglich über soziale Medien Posts von "Umweltschutzgruppen" und "linken Aktivisten" geteilt.

Für den Prozess am Landgericht Hechingen sind vier Termine angesetzt. Mitte April soll ein Urteil fallen.

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Julia Klebitz
Julia Klebitz Reporterin SWR Aktuell Studio Tübingen Regionalbüro Albstadt

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