Nach vier Jahren Pause öffnet das Residenzschloss Bad Urach (Kreis Reutlingen) wieder. Für rund 14,6 Millionen Euro wurde es saniert, barrierefrei gemacht und mit einer neuen interaktiven Dauerausstellung ausgestattet. Beim Festakt am Freitag ist auch der frisch gewählte Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Cem Özdemir (Grüne), zu Gast gewesen.
Das Gebäude ist umfassend modernisiert worden - von der Heizung bis hin zur Elektrik und zum Brandschutz. Ein neuer Aufzug sorgt dafür, dass das Residenzschloss ab sofort barrierefrei ist. Damit eigne es sich auch gut als Veranstaltungsort, teilt das Ministerium für Staatliche Schlösser und Gärten mit. Um die historischen Fenster vor UV-Strahlung und Feuchtigkeit zu schützen, sind beispielsweise im Goldenen Saal Stahl-Glas-Elemente eingebaut worden. Auch das gesamte Beleuchtungskonzept wurde überarbeitet.
Neue Dauerausstellung macht Schlossgeschichte erlebbar
In der neu gestalteten Dauerschau haben Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, die Geschichte des Hauses von Baden-Württemberg interaktiv zu erleben. Fünf Frauen aus dem Haus Württemberg führen die Gäste durch die Schau und zeigen den Blick auf Herrschaft und Leben am Hof. Zu sehen sind historische Ausstellungsstücke wie Schmuck, Briefe und Essbesteck. Schlossbesucher können an verschiedenen Stationen entdecken, wie Persönlichkeiten wie Franziska von Hohenheim und Barbara Gonzaga das Schloss geprägt und mitgestaltet haben. Anhand ihrer Biografien werden politische, gesellschaftliche und persönliche Aspekte des höfischen Alltags greifbar gemacht.
Özdemirs Herz schlägt hoch
Ministerpräsident Cem Özdemir, der in Bad Urach aufgewachsen ist, hat in seiner Rede seine persönlichen Erinnerungen mit der landesgeschichtlichen Bedeutung des Hauses verbunden. "Als gebürtiger Uracher schlägt mein Herz heute ganz besonders hoch. Das Residenzschloss Bad Urach ist eine tragende Säule unserer historischen Identität und ein lebendiges Gedächtnis des Landes."
Die gelungene Sanierung habe "eine Brücke von der Geschichte der Grafen von Württemberg-Urach hinein in die Gegenwart geschlagen", so Özdemir. Besonders wichtig sei ihm, dass das Schloss offen, barrierefrei und mit interaktiven Konzepten "auf ganz neue Weise erlebbar" bleibt.
Von den heimatlichen Gefühlen wohl beschwingt, plaudert Özdemir aus dem Nähkästchen. Auf dem Weg in die Schule sei er immer am Schloss vorbeigelaufen. In der Jugend gab es dann einen Zwischenstopp im Dekanat unweit des Schlosses - dort habe seine erste Freundin gewohnt.