Bad Urach hat jetzt einen Ministerpräsidenten: Cem Özdemir ist in der Kleinstadt im Kreis Reutlingen geboren, aufgewachsen - und hält heute noch Kontakt zu alten Weggefährten. Am Mittwochvormittag wurde der Grünen-Politiker zum neuen Landesvater von Baden-Württemberg gewählt.
Uracher Bäcker: Cem Özdemir ist mit der Brezel aufgewachsen
Wer in die Buchhandlung am Bad Uracher Marktplatz geht, läuft direkt auf das Regal mit der Biografie von Cem Özdemir zu. Sabine Hunzinger hält das Buch gerne in den Händen. "Ich freue mich brutal, dass ein Uracher Ministerpräsident wird. Er ist einer, der seine Verbindung zu Bad Urach nie verleugnet hat", sagt sie. Die Buchhändlerin ist sich sicher, dass Özdemir mit seiner Art einen guten Landeschef abgeben wird.
Auch langjährige Begleiter wie der Uracher Bäckermeister Heinrich Beck sind stolz auf den Nachfolger von Winfried Kretschmann. "Für mich ist das schön, wenn wir einen Bad Uracher als Ministerpräsidenten haben. Dann sind wir ganz nah dran an ihm. Er kennt das ganze Leben hier", sagt Beck. Vor allem sei Özdemir auch mit der Brezel aufgewachsen, betont der Bäcker. "Vielleicht kann er den Traum von Bad Urach erfüllen, die Brezel zum Weltkulturerbe zu machen", hofft Beck.
Mann aus Bad Urach: "Als Türke halte ich nicht viel von ihm"
Die Geschichte der Brezel begann laut einer Sage nämlich in Bad Urach - und für das Gebäck hat Özdemir bereits im Wahlkampf viel Werbung gemacht. Doch in der Heimatstadt des Grünen-Politikers sind nicht alle so begeistert wie Hunzinger und Beck. Ein Mann mit türkischem Migrationshintergrund sagt am Uracher Marktplatz: "Als Türke halte ich nicht viel von ihm. Er ist nicht sehr türkenfreundlich. Er ist mehr deutsch als Türke", sagt er.
Vielleicht kann er den Traum von Bad Urach erfüllen, die Brezel zum Weltkulturerbe zu machen.
Özdemir wurde als Sohn türkischer Gastarbeiter 1965 in Bad Urach geboren. Auch andere kritische Töne sind in Özdemirs Heimatstadt zu vernehmen: "Ich traue Herrn Özdemir keinen Zentimeter über den Weg", sagt eine Frau. Da kann auch seine Bad Uracher Vergangenheit nichts ändern, meint sie: "Des isch mir wurschd, woher er kommt."