Spekulationen um Unglücksursache

Nach Explosion in Albstadt: Gab es eine zu hohe Gasrechnung?

Schon kurz nach der Explosion eines Wohnhauses in Tailfingen, bei der drei Menschen starben, sind erste Gerüchte aufgekommen. Doch nach wie vor ist unklar, wie es dazu kommen konnte.

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Stand

Auch Tage nach der Explosion eines Wohnhauses in Albstadt-Tailfingen (Zollernalbkreis) sitzt der Schock in dem Ort auf der Schwäbischen Alb noch tief. Wie es zu der Explosion, bei der eine dreiköpfige Familie getötet wurde, kommen konnte, ist nach wie vor unklar. Mittlerweile kursieren mehrere Spekulationen.

Nach wie vor spricht vieles für eine Gasexplosion - unter anderem, weil im Haus mit Gas geheizt wurde. Das hat die Polizei dem SWR bereits vergangene Woche gesagt. Seither haben sich die Beamten nicht mehr geäußert. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern an, so eine Sprecherin am Dienstagvormittag. Nur so viel: Für ein "Anschlagsgeschehen" gebe es im Moment keine Anhaltspunkte.

Nachbarin: Verwunderung über hohe Gasrechnung

Seit der Explosion fragen sich Leute, ob das Unglück hätte verhindert werden können. Nun hat sich eine Nachbarin der getöteten Familie gegenüber dem SWR geäußert. Sie sagte, dass sie Ende Dezember mit der Mutter der Familie gesprochen habe. In diesem Gespräch sei es um die hohe Gasrechnung der Familie gegangen. Laut der Nachbarin sei der monatliche Abschlag der Familie auf 300 Euro gestiegen, was der Mutter ungewöhnlich hoch vorkam. Die Nachbarin erzählte, dass doch beide Elternteile berufstätig waren und tagsüber selten zu Hause. Daher sei das Haus vermutlich gar nicht so stark geheizt worden.

Stadtwerke: "Keine Auffälligkeiten" beim Gasverbrauch

Die Albstadtwerke, die für die Gasversorgung in Tailfingen zuständig sind, widersprechen den Schilderungen der Nachbarin vehement. Das Unternehmen hat dem SWR schriftlich mitgeteilt: "Es wurde im Dezember weder eine Gasrechnung versendet, noch ein Abschlag angepasst." Die Endabrechnung erfolge immer im Februar, so eine Sprecherin auf Nachfrage. Weiter heißt es: "Auf Basis der vorliegenden Daten bestehen auch beim Gasverbrauch keine Auffälligkeiten." Die Stadtverwaltung äußert sich in dieser Sache nicht weiter. Eine Sprecherin hat dem SWR mitgeteilt, dass man sich den Äußerungen der Albstadtwerke "vollumfänglich" anschließe.

Schon vorher Spekulationen

Schon vergangene Woche sind Spekulationen über mögliche Gründe der Explosion aufgekommen. Ein Mann, der sich als Schwager des verstorbenen Paares ausgibt, erklärte in einem Video, dass seine Schwägerin sich schon am 19. Dezember über Gasgeruch im Haus beklagt und über die Feiertage keinen Notdienst erreicht habe. Im Statement betont der Mann: "Wir wissen nicht, ob es ein Fehler war von den Albstadtwerken, ob es ein Fehler vom Heizungsmonteur war, der vor ein, zwei Jahren da war." Über die Umstände der Explosion sei bisher nichts bekannt, meint er.

Sowohl die Stadtwerke als auch Oberbürgermeister Roland Tralmer (CDU) als Vorsitzender des Stadtwerke-Aufsrichtsrats haben entschieden dementiert, dass die Albstadtwerke vor der Explosion kontaktiert worden seien. Beide haben erklärt, dass in den Tagen zuvor kein Anruf von der betroffenen Familie bei den Albstadtwerken eingegangen sei. Tralmer warnt vor Gerüchten, die auch Auswirkungen für Albstadtwerke-Beschäftigte haben. "Unsere Mitarbeitenden werden aktuell vermehrt im öffentlichen Raum angesprochen und teilweise auch verbal angegangen", teilte die Sprecherin der Albstadtwerke dem SWR mit.

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Die Ursache der Explosion bleibt also vorerst unklar. Auch die Tatsache, dass das Haus der Familie über 60 Jahre alt war, kann das Unglück nicht erklären. Laut der Stadtwerke-Sprecherin sind "im Regelfall keine Komplikationen" zu erwarten, wenn ein zugelassener Installateur eine neue Gasheizung in ein älteres Haus einbaut und sich an die Vorschriften hält.

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Nathalie Waldenspuhl
Nathalie Waldenspuhl ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.
Sonja Legisa
Sonja Legisa ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

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