Die Nachricht in den sozialen Medien hat viele aufgeschreckt, über Messengerdienste verbreiten sich Nachrichten über eine angeblich neue Masche zur Verabreichung von K.o.-Tropfen. Sie würden nicht in Getränke geträufelt, sondern auf Toilettenpapier, beispielsweise auf Faschingsveranstaltungen. Die Tropfen würden beim Benutzen des Papiers über die Schleimhäute aufgenommen. Bei der Polizei sind allerdings keine solchen Fälle bekannt. Experten sehen keine Gefahr
Experten klären auf: Angst der Menschen unbegründet
Auf Anfrage des SWR sagten zwei Experten, dass K.o.-Tropfen nicht über präpariertes Klopapier verabreicht werden könnten. "Das ist mehr als unwahrscheinlich", sagt zum Beispiel Rainer Dahlenburg, Apotheker für experimentelle Pharmakologie und Toxikologie. Er hat auch schon den Bundestag dazu beraten.
Stoffe, die als K.o.-Tropfen wirken können, sind entweder feucht und würden das Klopapier unbenutzbar machen. Oder es gibt sie als Tabletten oder Pulver, so Dahlenburg. Und das halte nicht auf Klopapier. Außerdem müsste rund ein Gramm davon aufgenommen werden – und das scheint über Klopapier unmöglich. Auch Sebastian Kunz von der Rechtsmedizin der Uniklinik Ulm sagt klar: "Solche Vorstellungen sind absolut absurd."
K.o.-Tropfen bei Veranstaltung bei Fasnet? Der Polizei sind keine Fälle bekannt
Bei den Polizeipräsidien Reutlingen, Konstanz und Ravensburg sind keine Fälle bekannt, in denen tatsächlich Menschen mit K.o.-Tropfen auf dem Klopapier betäubt wurden. Die Konstanzer Polizei informiert nun über ihren eigenen Kanal in den sozialen Medien über das Thema.
Warnungen verbreiten sich trotzdem weiter
Trotz dieser Einschätzungen verbreiten sich Hinweise zu K.o.-Tropfen weiter über das Internet. Auch die Narrenzünfte in den Kreisen Sigmaringen und Bodensee etwa warnen.
Narrenzunft verunsichert
Bei der "Nacht der Tänze" der Narrenzunft Denkingen (Kreis Tuttlingen) hing am vergangenen Wochenende ein Schild auf der Damentoilette. Die Zunft warnte darauf vor K.o.-Tropfen auf Toilettenpapier. Einen konkreten Vorfall habe es laut Zunftmeister Jürgen Thieringer nicht gegeben. Er habe eine Warnnachricht auf Instagram gelesen, erzählt er im Gespräch mit dem SWR. Weil er aber nicht "blauäugig" sei, habe er zunächst mit den Zunftmeistern anderer Narrenvereine gesprochen. Auch bei ihnen seien die Nachrichten über WhatsApp und Instagram angekommen.
Thieringer habe daraufhin im Netz recherchiert. Weil er dort keine verlässliche Aussage zur vermeintlichen Gefahr durch K.o.-Tropfen auf Toilettenpapier fand, entschied er sich für Nummer sicher: "Lieber einen Sicherheitshinweis herausgeben, als jemanden einer Gefahr aussetzen."