Jahrelang wurde gerungen, jetzt steht fest: Im Waldgebiet Rammert bei Tübingen, bei Pfronstetten (Kreis Reutlingen) und bei Winterlingen (Zollernalbkreis) können künftig Windräder entstehen. Eine große Mehrheit des Regionalverbands Neckar-Alb hat am Dienstag dem Teilregionalplan Windenergie zugestimmt.
Der Plan weist 32 sogenannte Vorrangflächen für Windkraftanlagen in den Landkreisen Tübingen, Reutlingen und Zollernalb aus - insgesamt 7.035 Hektar. Damit wird eine gesetzliche Vorgabe umgesetzt, die mindestens 1,8 Prozent der Fläche für Windkraft vorsieht.
32 Vorranggebiete für Windkraft definiert
Die 32 ausgewiesenen Flächen sind die einzigen Gebiete in der Region, in denen Windkraftanlagen künftig genehmigt werden können. Das soll Investoren die Planung erleichtern und verhindern, dass überall unkontrolliert Windräder entstehen.
Ein Beispiel für ein solches Vorranggebiet ist das Waldgebiet Rammert bei Tübingen. Dieses Gebiet sorgte im Vorfeld für Diskussionen, weil dort geschützte Tierarten leben. Umweltverbände wie der Naturschutzbund und der Bund für Umwelt und Naturschutz sowie eine Bürgerinitiative hatten sich gegen die Nutzung des Gebiets ausgesprochen. Der Regionalverband hält an dem Standort fest, möglicherweise unter Auflagen.
Kritik und Proteste bei der Entscheidung
Von den 62 Mitgliederns des Regionalverbands haben neun Politiker gegen den Regionalplan gestimmt, darunter vor allem Vertreter der AfD-Fraktion. Auch Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer (CDU): "Wir hatten in der ursprünglichen Planung das Gebiet ZAK09 für eine Windenergie-Möglichkeit im Stadtgebiet Albstadt. Und dieses Gebiet ist jetzt in der heutigen Satzung weggefallen", so Tralmer. Die größte Stadt im Zollernalbkreis habe damit künftig keine Möglichkeit, eine Windanlage zu errichten.
Während der Sitzung gab es vereinzelte Proteste von Windkraftgegnern, die Plakate hochhielten und Buhrufe äußerten. Immer wieder hatten Bürgerinitiativen in der Region Neckar-Alb gegen die Windkraftpläne mobilisiert.
Mehrheit beschließt Windkraft-Plan
Dass ein Großteil der Verbandsmitglieder für den Regionalplan gestimmt hat, sieht die Grüne Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Hechingen-Münsingen, Cindy Holmberg, positiv: "Es gibt eine große Einigkeit darüber, dass wir energieresilient sein müssen und eine dezentrale Energieversorgung benötigen." Zufriedenheit auch bei der CDU-Fraktion: "Ich freue mich, dass wir den Schritt heute geangen sind und dass es jetzt los geht", meint Katharina Plankenhorn (CDU) aus Reutlingen. Für Metzingens Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh (Freie Wählervereinigung Metzingen) ist es eine gute Entscheidung: "Weil einfach wichtig ist, dass wir vor Ort in Baden-Württemberg unsere Energie selbst produzieren", so Haberstroh nach der Sitzung.
Bis tatsächlich Windräder stehen, wird es jedoch noch einige Zeit dauern, da Genehmigungsverfahren und Umweltprüfungen durchlaufen werden müssen.