Der Lichtkonzern ams Osram Industrie will seinen Standort in Herbrechtingen verkleinern. Das hat ams Osram am Dienstag auf der Jahrespressekonferenz bekannt gegeben. Der Abbau im traditionsreichen Standort im Kreis Heidenheim ist Teil eines Programms, mit dem der Konzern sparen will.
Mehrere hundert Arbeitsplätze gehen in Herbrechtingen verloren
Weltweit will der Konzern in den nächsten drei Jahren 2.000 Stellen abbauen, mehrere Hundert davon in Deutschland. In Herbrechtingen sollen bis einschließlich 2028 circa 200 der heute 470 Stellen wegfallen, bis 2029 könnten es sogar 250 Stellen sein. Der CEO von ams Osram Industrie, Aldo Kamper, sprach von einer Entscheidung, die der Geschäftsführung zwar nicht leicht falle, die aber notwendig sei.
Rainer Barthel, Geschäftsführer der Osram GmbH, hat den Abbau der Stellen in Herbrechtingen mit einem zuletzt gesunkenen Volumen an diesem Standort begründet. Osram will nun verstärkt auf ein Werk in China setzen. So soll das Unternehmen laut Barthel wettbewerbsfähig bleiben und die verbleibende Produktion in Herbrechtingen abgesichert werden. Der Abbau sei mit dem Betriebsrat bereits verhandelt, es gäbe Pläne für einen "sozialverträglichen Abbau" der Stellen.
LEDs verdrängen Osrams Halogenlampen
ams Osram hat den Standort Herbrechtingen bisher vor allem zur Produktion von Autolampen genutzt und dabei auf Halogen-Lampen gesetzt. Laut CEO Kamper ist dieser Markt aber deutlich rückläufig, Halogenlampen würden beim Autobau zunehmend von LEDs verdrängt. Daher will das Unternehmen vor allem in der Produktion und im zugehörigen unterstützenden Bereich in Zukunft auf Stellen verzichten.
Stimmungsbild der Wirtschaft in Ostwürttemberg und Bayerisch Schwaben Wanzl, Varta, Voith - Der Herbst der Stellenstreichungen
Beim Einkaufswagenhersteller Wanzl sind 900 Stellen in Gefahr, Varta streicht 150 Arbeitsplätze. Auch der Technologiekonzern Voith hat einen massiven Stellenabbau angekündigt.
Gewerkschaft: Know how auf der Ostalb aufrecht erhalten
Tobias Bucher von der IG Metall Heidenheim hat die Pläne der Konzernführung im SWR-Interview als schwierig bezeichnet. Zwar seien die Halogenlampen, die in Herbrechtingen produziert werden, auch für ihn "Produkte, die vom Aussterben bedroht sind". Dennoch dürfe man sich nicht auf Abhängigkeiten von China verlassen; ams Osram könne dort zwar günstiger produzieren, allerdings wäre das auch ein Rückschlag für Herbrechtingen als Entwicklungszentrum. Know How, Wissen und Innovationskraft würden so verloren gehen.
ams Osram mit niedrigeren Verlusten im Vergleich zu 2024
Finanziell erholte sich der Konzern ams Osram im abgelaufenen Jahr etwas. 2025 hat das Unternehmen nach Steuern 129 Millionen Euro Verlust gemacht, was einem Sechstel des Verlusts aus dem Vorjahr entspricht. Hohe Schulden setzen dem Konzern aber weiter zu. Anfang des Monats hat ams Osram eine ganze Geschäftssparte an das Halbleiterherstellungsunternehmen Infineon verkauft, um den Schuldenberg zu verringern.