Die Atmosphäre ist wie im Club: Es ist dämmrig, die Lichter tanzen, die Musikanlage "ballert so richtig", sagt eine Frau mit Schweißperlen auf der Stirn. Ihre Anstrengung kommt an diesem Sonntagmorgen jedoch nicht vom Feiern und Tanzen. Der Dancefloor des Nachtclubs "Eins Tiefer" in der Ulmer Innenstadt verwandelt sich bei Tag zu einem Trainingsraum. Auf dem Boden liegen Matten, in der Ecke stehen Gewichte, rund zehn Menschen trainieren gemeinsam im Pop-Up-Fitnesstudio "One Stronger".
Fitness im Club: "Eins Tiefer" wird "One Stronger"
"Wie cool ist es, am Wochenende hier zu feiern und am nächsten Tag Sport machen?", fragt Alina Schaab strahlend. Die 34-Jährige war am Tag zuvor im Eins Tiefer zum Feiern. Gut gelaunt steht sie nun am selben Ort, hat das Ausgeh-Outfit gegen die Trainingsklamotten, den Drink gegen ein Paar Hanteln getauscht. "Da kann ich das schlechte Gewissen direkt wieder ausgleichen."
Die Idee der Doppelnutzung seines Clubs treibt Betreiber Mario Schneider schon eine Weile um: "Es ging im ersten Step darum, wie kann man Räume mehrfach nutzen. Wir sind ein Club, wir haben ein bis zwei Mal die Woche geöffnet. Und dann fünf bis sechs Tage einfach gar nicht." Mittlerweile wird Schneiders Disco sieben Tage die Woche zum Fitnessstudio.
Ein Kraftakt: Wie der Club zum Fitnessstudio wird
Die Inspiration für One Stronger seien Trainingskonzepte aus der ganzen Welt gewesen, sagt Trainer Felix Fahrenschon. Sport in der Gemeinschaft, an besonderen Orten mit Musik und Lichtinstallationen. "Gerade in Amerika gibt es viele Konzepte, die in die Richtung gehen. In einer eigenen, extra dafür gebauten Location." Aber das gab's in Ulm ja schon: Den Raum, die Musikanlage, das Licht - eine gute Grundlage, so Fahrenschon.
Wir bauen in der Woche 3,5 Tonnen Gewichte auf und ab.
Damit der Club dann final zum Fitnessstudio wird, müssen Felix Fahrenschon und sein Trainerteam so richtig anpacken: "Wir legen einen eigenen Boden aus, wir bauen Umkleidekabinen auf, wir verzieren die Wände mit Spiegel, wir bauen in der Woche 3,5 Tonnen Gewichte auf und ab." Der Aufwand lohnt sich, finden sie.
Angebot im Pop-Up-Fitnessstudio wächst
Von Pilates über Yoga bis hin zu Cardio und Krafttraining - das Angebot im Pop-Up-Fitnessstudio in der Ulmer Innenstadt wächst. Immer mit dem Gedanken, gemeinsam an diesem besonderen Ort zu trainieren. "Die Class heute war mega. Coole Leute und Musik, das macht Spaß", sagt ein Teilnehmer. Und auch Alina Schaab ist zufrieden: "Ich liebe es, hier zu trainieren. Ich hab meinen Kater von gestern rausgeschwitzt, jetzt fühle ich mich viel besser."
Zum Wochenende hin heißt es dann wieder: Weg mit Matten, Hanteln, Spiegeln und tragbaren Umkleiden, damit Ulms erstes Pop-Up-Fitnessstudio wieder zur Tanzfläche werden kann.