SWR1: Was sind die wichtigsten Mechanismen, um die eigene Motivation hochzuhalten und aus einem Vorsatz eine Gewohnheit zu machen?
Jaqueline Hoppen: Motivation hat zwei Quellen. Entweder muss der Leidensdruck groß genug sein, oder die Vision muss stark genug sein.
Das ist oft bei den meisten Menschen halt nicht klar, weil viele oft im Autopilot leben. Sie funktionieren, reagieren und halten durch. Aber sie haben selten eine echte Vision, weswegen sie fit, gesund oder stark sein wollen.
Das ist das Thema, dass mir immer wieder bei den Trainings auffällt. Fit werden die Leute schon, aber oft kommen wieder die Rahmenbedingungen von Außen dazu, die sie dann wieder in alte Muster zurück verfallen lassen. […]
Motivation ist kein Dauerzustand. Niemand ist jeden Tag motiviert, auch Sportler nicht. Daher ist es wichtig, dass man sich Routinen schafft.
Der passende Sport auch für mich? Von Adele bis Elton John - so halten sich die Stars fit
Fit bleiben während des Winters ist auch für Musik-Stars ganz wichtig. SWR1 Redakteur Boris Burgmer erklärt, was sie tun und ob sie vielleicht auch für euch geeignet sind.
Gute Vorsätze: Motivation als Grundlage
SWR1: Was ich im vergangenen Jahr gemerkt habe, es muss Spaß machen. Ich muss auf die Sportart richtig Lust haben, dann läuft es eigentlich von alleine.
Hoppen: Das auf jeden Fall. […] Man sagt ja so schön, man braucht ein "Warum". Warum möchte ich fit werden? Die Motivation ist der Hauptanreiz. […] und dann natürlich die Sache zu finden, die einem Spaß macht.
Es bringt nichts, mir vorzunehmen, ich gehe jetzt jeden Tag eine Stunde joggen, wenn Joggen überhaupt nicht meine Sportart ist. […]
Gute Vorsätze: Ziele setzen, kleine Schritte, dranbleiben ist in der Gruppe einfacher
SWR1: Wenn jemand nicht sofort seine Sportart findet oder etwas, was einem Spaß macht - wie kann ein Coach oder eine Gruppe unterstützen?
Hoppen: Man muss auch viel in die mentale Arbeit reingehen. Das Thema "Lebensrat" finde ich auch immer spannend. Es ist wichtig, sich verschiedene Bereiche des Lebens anzugucken, sowohl der gesundheitliche Bereich, aber natürlich auch der berufliche und familiäre Teil. Das hängt alles miteinander zusammen. Man muss sich alle Bereiche anschauen, um herauszufinden, in welchen Teil ich dann rein möchte.
Wichtig ist, sich erst mal bewusst zu werden, wo stehe ich eigentlich? Wo möchte ich hin? Viele Leute wissen gar nicht, was sie wollen, sondern nur was sie nicht wollen.
Gute Vorsätze: Ziele setzen, kleine Schritte, dranbleiben
SWR1: Ich finde persönlich, es viel mit dem "Raus aus der Komfortzone" zu tun. Es hilft mir keine Gruppe, wenn ich selbst keine richtige Motivation habe. Die kann mich auch nur bedingt mitreißen, ich muss es doch selber wollen.
Hoppen: Ja klar. Ich muss mein "Warum" kennen, mein Ziel hinter der ganzen Sache. Veränderung entsteht erst dann, wenn Menschen bewusst wahrnehmen, wo sie stehen und sich dafür nicht verurteilen.
SWR1: Wie bekommt man das hin?
Hoppen: Es ist wichtig, dass ich
- mir mein Ziel setze, wie ich es gerne hätte
- in kleinen Schritte und in meinem Tempo gehe und
- mich dann nicht vergleiche.
Dann kommt das nach einer Zeit von ganz alleine. Denn ich merke den Erfolg. Ich sammle jeden Tag Beweise dafür. In dem Moment, wo ich mir kleine Ziele setze und sehe, ich hab's geschafft, entsteht automatisch irgendwann die Motivation, weil man stolz darauf ist, was man geschafft hat.