Mehr als 1.200 Arbeitsstunden und 150.000 Euro hat es gebraucht. Jetzt sind Kessel und Fahrgestell der historischen Dampflok 75 1118 - auch liebevoll die "Badnerin" genannt - wieder vereint. Ein Jahr lang hat der Verein Lokalbahn Amstetten-Gerstetten auf diesen Moment gewartet.
Hochzeit für die Lokalbahn in Amstetten
"Wenn der Kessel auf das Fahrgestell gesetzt wird, ist das wie Mann und Frau. Das nennt sich dann Hochzeit", sagt Hans-Karl Kunhäuser, die meisten nennen ihn Kuni. Er ist Vorstandsmitglied des Vereins und seit 1977 Vollblutbahnler. Heute ist auch er ein bisschen aufgeregt.
"Welcher Bräutigam ist nicht aufgeregt. Ich hab' auch mal vor vielen Jahren geheiratet. Wer da ganz ruhig in die Kirche geht, der hat wohl nicht gewusst, wohin die Reise geht." Die Reise geht für die Badnerin normalerweise in eine von zwei Richtungen: von Amstetten nach Gerstetten oder zurück. Seit 1982 betreibt die Lokalbahn Amstetten-Gerstetten hier den Museumsbahnverkehr als Teil der Ulmer Eisenbahnfreunde.
Spezialfirma repariert Dampfkessel
Die Badnerin ist fast 110 Jahre alt, 17 Jahre davon hatte der letzte Dampfkessel gehalten. Doch trotz guter Pflege musste er erneuert werden, undichte Stellen und Materialschäden hatten sich gehäuft. Anders als bei einer normalen Hochzeit wurde die Braut also noch zuvor entführt. Eine Spezialfirma in Polen war mit der Reparatur beauftragt. Heute, ein Jahr später, kommt der Kessel zur Hochzeit zurück nach Amstetten.
Deswegen liegt jetzt ein breites Grinsen auf Kunis Gesicht, als der Lastwagen gegen kurz nach 8 Uhr auf dem ehemaligen Bundeswehrdepot einfährt. Zwar ganz ohne hochzeitsübliche Schleifen oder Dosen, aber der Transport war erfolgreich. "Wenn der Kessel drauf ist, dann haben wir eigentlich eine fast neue Lok." Dazu haben auch er und die anderen Vereinsmitglieder beigetragen. Vieles haben sie erneuert, während der Kessel in der Werkstatt war.
Millimeterarbeit an der Dampflok
Jetzt müssen nur noch beide Teile verheiratet werden. Während der Kessel in der Luft schwebt, wird unten noch der Aschekasten angebracht. Dann wird er vorsichtig auf die Lok gesetzt. Der Kessel muss genau richtig sitzen, damit der Dampf später die maximale Leistung erzielt werden kann. Schließlich ist das "Ja-Wort" besiegelt.
"Ich bin erleichtert, aber jetzt geht's schon bald weiter", sagt Kuni. Denn nach der Hochzeit kommen die Flitterwochen: Als nächstes müssen die Wasserkästen angebracht, das Führerhaus aufgesetzt, Leitungen verrohrt und Pumpen angebracht werden. "Ab jetzt geht's eigentlich jeden Samstag weiter mit der Arbeit." Im Frühjahr 2026 sollte die Badnerin dann wieder einsatzbereit sein.