Was als unbeschwerter Ausflug begann, wurde für Romeo Ayemele Djeujo beinahe zur Tragödie. Vor rund drei Jahren machte der 36-Jährige mit seiner Familie bei einer Radtour Halt am Schützensee bei Elchingen - eine Entscheidung, die dem Familienvater fast das Leben gekostet hätte. Er erlitt beim Schwimmen einen Schwächeanfall und ging unter. Eine Frau rettete ihn aus der Tiefe. Heute trainiert Ayemele Djeujo für das goldene Rettungsschwimmer-Abzeichen.
Schwimmtrainer: "Er konnte sich gerade so über Wasser halten"
Romeo Ayemele Djeujo schwimmt auf dem Rücken im Schwimmbad in Dornstadt im Alb-Donau-Kreis. Er zieht seinen Schwimmlehrer Benjamin Voigt durch das Wasser - und sicher an den Beckenrand. Ayemele Djeujo bereitet sich für das Rettungsschwimmer-Abzeichen in Gold vor - trotz eines erneuten Schwächeanfalls beim ersten Training nach seinem Unfall. "Ich hatte keine Angst, ich sah das als Herausforderung."
Sein Schwimmlehrer Benjamin Voigt ist fasziniert von dem Menschen und seiner Geschichte. Als er Romeo Ayemele Djeujo kennenlernte, konnte dieser sich gerade so mit zwei Schwimmnudeln über Wasser halten. "Obwohl er vor seinem Unfall schwimmen konnte, war danach irgendwie so eine Blockade da", erklärt Voigt. "Wenn man sich jetzt die Entwicklung anschaut, freut mich das - und ihn glaub noch mehr."
Rückblick: Vor drei Jahren wäre der Familienvater fast ertrunken
Es war ein schöner Tag an Fronleichnahm 2022, ein heißer Tag. Romeo Ayemele Djeujo, seine schwangere Frau und ihre drei Kinder machen eine Radausflug. Am Schützensee in Elchingen gefällt es ihnen so gut, dass der Vater die Badesachen holt und sie ins Wasser gehen. Der damals 33-Jährige schwimmt zur Plattform.
Ich dachte mir, du kannst nicht so lange tauchen. Als ich den Notruf sah, dachte ich, du bist ertrunken.
Auf dem Rückweg geht ihm die Kraft aus und er geht unter. Das sieht auch sein damals 5-jähriger Sohn Michael. "Ich hab gesehen, wie du gesunken bist. Ich habe gedacht du tauchst nur, aber du warst zu lange unter Wasser", erinnert er sich. "Ich dachte mir, du kannst nicht so lange tauchen. Als ich den Notruf sah, dachte ich, du bist ertrunken."
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Mutige Frau rettet Romeo Ayemele Djeujo aus der Tiefe
Am Badesee ist an dem Tag auch Sabrina Seydioglu mit ihren Kindern und Freunden. Die Kinder sind im Wasser, sie hat deswegen den See immer im Blick. Auch sie sieht Romeo Ayemele Djeujo untergehen - und handelt sofort. Sie springt in den See, sucht ihn - und findet ihn beim zweiten Mal Tauchen unten am Grund des Sees. Sabrina Seydioglu zieht ihn wieder an die Oberfläche und ans Ufer.
"Ich hab gewusst wo er war, weil ich ihn vorher gesehen hatte. Beim ersten Tauchgang habe ich ihn nicht gesehen, weil ich auch nicht gedacht hatte, dass er so schnell bis zum Grund gehen würde", erzählt Sabrina Seydioglu. Als Jugendliche war sie Mitglied bei der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) und wusste, was sie tun muss.
Ich hatte mindestens zehn Mal Glück an dem Tag.
Freunde von Sabrina sind in der Lebensrettung ausgebildet und übernehmen die Reanimation. Der damals 33-Jährige kommt ins Krankenhaus und ist vier Tage im Koma. Er wird wieder völlig gesund. Für ihn ist klar, er hatte "mindestens zehn Mal Glück an dem Tag": Dass Sabrina ihn gesehen hat, sie gelernt hat Menschen zu retten, dass ausgebildete Menschen die Reanimation übernahmen.
Retterin und Geretteter sind inzwischen befreundet. Laden sich gegenseitig zu Feiern ein oder treffen sich spontan, auch im Schimmbad oder am Badesee. "Sabrina gehört zur Familie", sagt Prisca Kadje Nwabo, Romeos Ehefrau. "Sie ist unsere Heldin. Ohne sie wären wir keine vollständige Familie mehr."
Romeo Ayemele Djeujo: Vom Fast-Ertrunkenen zum Rettungsschwimmer
Für Romeo Ayemele Djeujo ist die Ausbildung für das Rettungsschwimmer-Abzeichen eine riesige Herausforderung. "Aber ich mag Herausforderungen, sie treiben mich an", sagt er im Dornstädter Schwimmbad. Für das Abzeichen in Gold muss er alle Schwimmtechniken beherrschen, unter anderem die 100 Meter bekleidet in einer kurzen Zeit schwimmen und 30 Meter weit tauchen. Außerdem muss er Rettungstechniken sowie die Wiederbelebung beherrschen.
Für Romeos Familie war der Vorfall am Badesee vor drei Jahren ein einschneidendes Erlebnis. Deshalb wollen auch seine Frau und sein Sohn Michael den Rettungsschwimmer machen. Für den Familienvater ist klar: Er will in der Lage sein anderen zu helfen, wenn er selbst schwimmen geht.