Oben grün - Boden teils extrem trocken

Ostalb und Raum Ulm: Schwere Dürre, die man nicht sieht

Der Regen der vergangenen zwei Wochen hat leichte Entspannung gebracht für den Wald auf der Ostalb. Aber unter der Oberfläche sieht es schlecht aus. Teils ist von "extremer Dürre" die Rede.

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Von Autor/in Rainer Schlenz

Es ist ein merkwürdiges Phänomen: Die Wälder der Region Ostalb und im Raum Ulm sehen auf den ersten Blick grün und gesund aus. Aber Experten fürchten dennoch die Trockenheit. Das Problem liegt in den tieferen Bodenschichten.

Im Gesamtboden haben wir eine 'schwere Dürre', in den westlichen Bereichen des Ostalbkreises sogar eine 'extreme Dürre'.

Ernst Buck, Vorstand des Bauernverbandes Ulm-Ehingen, beobachtet, dass die Niederschläge der vergangenen Wochen dem Wald gut getan haben. Aber unter der Oberfläche gebe es viel zu wenig Wasser. In 30 Zentimetern Tiefe und darunter sei es "staubig", so Buck.

Auch sein Kollege Hubert Kucher, zuständig für die Ostalb und Heidenheim, meint, der Wald brauche "dringend Niederschläge".

Das Forstdezernat des Ostalbkreises sieht das genauso: "Im Moment sieht es zwar üppig grün aus, aber je nach weiterem Witterungsverlauf kommen wir auch ganz schnell wieder in eine Situation, in der auch der Wald Schaden nehmen kann", heißt es in einer Stellungnahme.

Viel beige, viel rot: Der Dürremonitor des Helmholtz-Instituts zeigt die Situation der vergangenen 30 Tage auf der Ostalb und im Kreis Heidenheim. Es gibt demnach teils "extreme Dürre" in den tieferen Bodenschichten  beider Kreise.
Viel beige, viel rot: Der Dürremonitor des Helmholtz-Instituts zeigt die Situation der vergangenen 30 Tage auf der Ostalb und im Kreis Heidenheim. Es gibt demnach teils "extreme Dürre" in den tieferen Bodenschichten beider Kreise.

Ostalbkreis: Helmholtz-Institut bestätigt teils "extreme Dürre"

Eine Grafik aus dem Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zeigt viele beige und rote Flächen in Ostwürttemberg. Und dies bedeutet:

"Im Gesamtboden", also bis in knapp zwei Meter Tiefe, gemessen über die vergangenen 30 Tage, "haben wir eine schwere Dürre, in den westlichsten Bereichen des Ostalbkreises sogar eine extreme Dürre". Gerade dieser Bereich, also der Boden bis in 1,80 Meter Tiefe, ist der Hauptwurzelraum der Baumarten, heißt es aus dem Forstdezernat.

Dass der Boden trotz gelegentlicher Niederschläge so trocken ist, kann mehrere Ursachen haben. Dazu erklärt der Forstdezernent des Ostalbkreises, Jens-Olaf Weiher: Fehlt dem Waldboden zum Beispiel über längere Zeit Feuchtigkeit, schließen sich seine Poren. Wasser fließt dann nur noch darüber, sickert jedoch nicht ein.

Anhaltende Trockenheit führt zu "irreversiblen Schäden"

Die Frage ist, wie trocken die nächsten Wochen werden. "Wir fürchten vor allem anhaltende Trockenphasen von über vier bis sechs Wochen, wie 2003 und 2018", teilte das Forstdezernat des Ostalbkreises mit. Das könnte die Bäume stark schädigen: Wenn Bäume über ihre Wurzeln kein Wasser mehr aufnehmen können, entsteht Druck, der zu unheilbaren Verletzungen führen kann. Ist das Immunsystem des Baumes geschwächt, ist er anfälliger für Krankheiten und für Schädlinge, so Weiher.

Die Erfahrung des letzten Jahres zeige, dass dann auch Buchen irreversible Schäden erleiden. Und das, obwohl die Klimaerwärmung für Buchen im Allgemeinen gar nicht so ein hohes Risiko mit sich bringe.

Kurze Hitzephasen sind kaum ein Problem

"Kürzere Hitze- und Trockenphasen, auch wenn die Temperaturen sehr hoch sind (wie 2019), können die Bäume besser wegstecken", ergänzt das Dezernat.

Genau so könnte es kommen: Am Wochenende soll es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes Temperaturen bis deutlich über 30 Grad geben. Danach könnte es erst einmal abkühlen.

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