Nebelschwaden in der Martinskirche in Langenau (Alb-Donau-Kreis) - sie hatten weder atmosphärische, noch wettertechnische oder gar übernatürliche Gründe. Der Nebel aus einer Nebelmaschine war Teil eines Wissenschaftsprojekts.
Einer der Leiter des Projekts ist Thomas Löther vom Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen. Der Wissenschaftler betätigt immer wieder den Knopf an einer Nebelmaschine, die kurz vor dem Altarraum der Martinskirche aufgebaut ist. Dichter Nebel schießt stoßweise in den Raum. Er wird von der warmen Luft aus einem Heizungsgitter am Boden der Kirche erfasst und strömt in Sekundenschnelle an die Decke der Kirche.
Nebel soll Raumklima sichtbar machen
Auf die Frage, warum er die Martinskirche vollnebelt, reagiert Löther mit einem Lachen. "Ganz vollnebeln tun wir sie nicht. Wir wollen mit Theaternebel Luftwalzen, Luftströme visualisieren." Löther und sein Team interessiert vor allem der Weg, den der Nebel und damit die Luft in der Martinskirche bei eingeschalteter Heizung nimmt. So wollen sie untersuchen, wie sich das Raumklima in der Kirche aus dem 17. Jahrhundert verhält.
Nötig macht die Forschung am Raumklima in Kirchen und anderen älteren Gemäuern unter anderem der Klimawandel. Dieser geht auch an Gotteshäusern nicht spurlos vorbei. "Wir haben Trockenheitsschäden, wir haben Schäden, die durch vermehrte Feuchtigkeit in die Gebäude hineingebracht werden", erklärt Löther. Wenn man die Gebäude nun nicht erfasse und untersuche, könne man später nichts gegen Schäden wie zum Beispiel Schimmel tun.
Martinskirche in Langenau als Testobjekt für andere Kirchen?
Etwas Schimmel zeigt sich auch schon in der Martinskirche, wenn auch nur in Form von ein paar weißen Flecken unter den Holzsitzen im Altarraum. Laut Löther kein Grund zur Sorge, aber ein Hinweis darauf, dass hier die Luftverhältnisse nicht optimal sind. "Was uns hier schon wundert, ein Viertel der Kirche wird sehr stark beheizt. Die anderen drei Viertel müssen darauf reagieren", so der Wissenschaftler mit Blick auf die Verteilung der Heizungsluft im Raum. "Eine Kirchenheizung sollte möglichst den gesamten Bau erwärmen."
Aus Erkenntnissen wie diesen will Löther mit seinem Team von der Martinskirche aus auch auf andere Kirchen in Deutschland schließen. So will er dafür sorgen, dass in Zukunft Heizungsanlagen in Kirchen besser geplant werden können.
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Gemeindepfarrer Sedlak freut sich über die wissenschaftliche Arbeit in der Kirche
Der Nebelversuch ist nur eine kurze Momentaufnahme des Projekts. 40 kleine Raumklimasensoren überprüfen das Klima in der Martinskirche jetzt nämlich zwei Jahre lang. Den Pfarrer der Martinskirche, Ralf Sedlak, stört das nicht. Er zeigt sich stolz über die Arbeit in seiner Kirche: "Es ist natürlich auch beeindruckend zu sehen, wie ein Kirchenraum in Nebel getaucht wird. Wir haben in Langenau im Winter den Nebel oft vor der Kirche. Heute haben wir ihn auch mal im Gebäude."
Von den Untersuchungen erhofft sich der Pfarrer auch konkrete Erkenntnisse über die Martinskirche selbst. Insbesondere geplante Sanierungen am Gebäude sollen durch die gewonnenen Daten unterstützt werden. "Dass wir wissen, wo wir genau ansetzen können, konservierend, schützend, vorbeugend - das ist ein großer Vorteil dieses Forschungsprojekts." Die 40 Sensoren in seinem Gotteshaus stören ihn nicht. Am Ende eines Gottesdienstes habe er sogar dazu aufgerufen, möglichst viele der kleinen weißen Kästen in der Kirche zu finden. Diese seien gut versteckt - wie Ostereier.