Das Ulmer Münster leidet unter der zu hohen Luftfeuchtigkeit. Sensoren im Inneren der Kirche haben diese nun rund ein Jahr lang gemessen. Die gute Nachricht: Die Besucherzahl im Münster ist nicht relevant, der Klimawandel hingegen schon. Die Suche nach einer Lösung gestaltet sich laut Münsterdekan mühselig.
Bis zu 95 Prozent Luftfeuchtigkeit im Ulmer Münster
Die steigende Luftfeuchtigkeit aufgrund des Klimawandels setzt dem Ulmer Münster massiv zu.
Obwohl die Luftfeuchtigkeit hoch ist, dürfen weiter viele Besucherinnen und Besucher ins Münster kommen, in dieser Hinsicht muss sich nichts ändern. Münsterdekan Torsten Krannich hatte befürchtet, dass sich auch die Zahl der Menschen im Münster auf die Luftfeuchtigkeit auswirken könnte. Dann hätte man darüber nachdenken müssen, den Zugang zu beschränken.
Doch die Messungen der rund 40 Sensoren zeigen: Ob 200 oder 2.000 Menschen im Münster sind, spielt keine Rolle. Zwar zeigten die Messungen zur Weihnachtsmesse und zum Gottesdienst beim Narrentreffen im Februar einen Ausschlag, dieser sei aber zu gering.
Luftfeuchtigkeit schadet dem Ulmer Münster
Was allerdings bleibt, ist die schädliche hohe Luftfeuchtigkeit. Diese ist insgesamt zu hoch. Dekan Krannich berichtet von mindestens 80 Prozent, manchmal sogar 90 bis 95 Prozent Luftfeuchtigkeit - gerade jetzt im Spätherbst und auch im Frühjahr. Das stehe im Zusammenhang mit dem Wetter draußen.
Damit stelle sich die Frage, ob man die Luftfeuchtigkeit innen mindern könne. Die Feuchtigkeit hat schon deutliche Schäden am Münster hinterlassen: Schimmel an Holz und auf Bildern. Teils fiel auch Putz von den Wänden.
Wir sind in der Luftfeuchtigkeit in einem wirklich sehr hohen Bereich, immer um mindestens 80 Prozent bis 95 Prozent, gerade in kritischen Jahreszeiten, so wie jetzt im Spätherbst oder im Frühjahr. Die große Frage ist: Kann man das vermindern?
Messungen laufen ein weiteres Jahr
Jetzt werden verschiedene Möglichkeiten getestet. "Die eine Lösung wird es wohl nicht geben", so Dekan Krannich. Zum einen laufen die Messungen noch ein weiteres Jahr weiter. Dabei wird der Chor-Raum in den Fokus genommen. Hier gibt es eine Luftzufuhr vom Keller, die ebenfalls zu Feuchtigkeit führt. "Wir überlegen, sie zu verschließen, wissen aber noch nicht, was dann mit dem Keller ist. Wir experimentieren", so der Dekan.
Zudem könnten zeitweise Luken oben im Kirchenschiff geöffnet werden. Dann würde die Feuchtigkeit allerdings in den Dachstuhl gelangen, wo der Stahl leiden könnte, so Torsten Krannich: "Am Ende wird es wohl ein Bündel aus Maßnahmen sein." Der Münsterbauverein finanziere die Messungen für ein weiteres Jahr mit rund 175.000 Euro. Die Hoffnung ist, so weitere Feuchtigkeitsschäden am Ulmer Münster zu minimieren oder zu verhindern.