Pilgerherberge in Oberdischingen wird 50

Der Weg ist das Ziel: Pilgern auf dem Jakobsweg als Auszeit vom Alltag

Achtsamkeit und Sinnsuche sind im Trend - viele finden beides im Pilgern. Etwa auf dem oberschwäbischen Jakobsweg ab Ulm. Warum sich Menschen für diese spirituelle Wanderung entscheiden.

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Von Autor/in Catharina Straß

Sonnige Felder, summende Wildblumenwiesen, knackende Stöcke unter den Wanderschuhen: Pilgern kann ziemlich idyllisch sein - und liegt im Trend: Allein 2024 sind eine halbe Million Menschen im spanischen Santiago de Compostela - Ziel des Jakobswegs - angekommen. Der führt auch durch Oberschwaben. Pilgernde aus aller Welt kommen dabei auch am Cursillo-Haus St. Jakobus in Oberdischingen (Alb-Donau-Kreis) vorbei.

Ein spätbarockes Haus umgeben von Grün. Seit 50 Jahren gehört das Haus in Oberdischingen der Cursillo-Bewegung. Hier werden unter anderem Pilger auf dem Jakobsweg beherbergt.
Seit 50 Jahren gehört das Haus in Oberdischingen der Cursillo-Bewegung. Hier werden unter anderem Pilger auf dem Oberschwäbischen Jakobsweg beherbergt.

Verschiedene Motivationen auf dem Jakobsweg

"Die Motivationen, mit denen die Pilgernden unterwegs sind, sind unterschiedlich", erzählt David Langer. Seit 2021 leitet er das Cursillo-Haus auf dem Oberdischinger Kapellenberg. Das spätbarocke Gebäude, dessen schmuckes Holzportal tagsüber immer offen steht, hat es dem ehemaligen Ulmer Schuldirektor sofort angetan. In diesem Jahr feiert es sein 50-jähriges Bestehen.

An die 700 Pilger und Pilgerinnen rasten dort jedes Jahr. Manche, um Gott näher zu kommen - oder sich selbst. Andere aus Spaß an schönen Wanderwegen. Die verfügen über eine gut ausgebaute Infrastruktur mit Unterkünften und Wegweisern. Für Langer ist es die Begegnung mit Menschen, die das Pilgern und seinen Beruf als Herbergsvater besonders macht.

Seit 50 Jahren gehört das Haus in Oberdischingen der Cursillo-Bewegung. Hier werden unter anderem Pilger auf dem Jakobsweg beherbergt.
Folge der Muschel: Viele Wanderbegeisterte schätzen die gute Beschilderung des Jakobsweges.

Manche Begegnungen hinterlassen richtig Eindruck. Wie die Gespräche mit einem schwer traumatisierten Soldaten, der im Oberdischinger Herbergshaus Rast gemacht hat. Im Kosovokrieg hatte der Mann mit Kameraden Tote begraben müssen. "Der ging auf den Jakobsweg, um durch die äußere Bewegung innerlich in Bewegung zu kommen. Das war sehr eindrücklich", beschreibt Langer gerührt.

Gepäckberatung in Oberdischingen: Mit Waage gegen schweren Rucksack

Viele Oberdischinger Gäste sind in Ulm losgelaufen. "Das ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar", meint Langer. Nach dieser ersten Etappe kämen die meisten erschöpft im Cursillo-Haus an. Auch, weil sie oft zu viel Gepäck dabei haben: Statt den empfohlenen acht Kilogramm kämen die meisten Wanderer mit zwölf Kilogramm im Rucksack - oder mehr.

Für diesen Fall bietet die Herberge eine besondere Lösung: "Wir haben eine Waage. Da bieten wir an, das Gepäck draufzustellen und dann entsprechend zu reduzieren", lacht der Herbergsvater. Oft gehe dann ein Päckchen mit Gepäckstücken zurück nach Hause. Er empfiehlt: Maximal zwei Stücke pro Kleidungsart für nachts und tagsüber, Wasser in Halbliter-Plastikflaschen. Und leichtes Schuhwerk, damit die Füße nicht ermüden.

Pilgern auf Oberschwäbischem Pilgerweg: Rund 350 Euro Übernachtungskosten

Empfangen werden die Pilgernden in Oberdischingen von den rund 20 Freiwilligen, die in der Unterkunft als Hospitaleros und Hospitaleras arbeiten. Gegen Kost und Logis bereiten sie Mahlzeiten, putzen die einfach eingerichteten Zimmer und verabschieden die Reisenden mit dem Pilgersegen. Wer auf dem oberschwäbischen Jakobsweg zwischen Ulm und dem Bodensee unterwegs ist, muss auf den sechs bis sieben Etappen mit rund 50 Euro Übernachtungskosten pro Nacht rechnen.

Wer im Cursillo-Haus in Oberdischingen übernachten will, muss nicht gläubig sein, meint David Langer: "Jeder, der hier ankommt, ist gleich herzlich willkommen. Wir fragen nicht nach dem Glauben, sondern leben unseren Glauben im Sinne der Gastfreundschaft."

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