Seit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran ist der Tourismus rund um den persischen Golf im Krisenmodus. Schätzungen zufolge sitzen 30.000 Urlauber von deutschen Reiseveranstaltern in der Region fest. Über mehreren Ländern ist der Luftraum gesperrt. Das hat auch Auswirkungen auf künftige Reisen in andere Regionen. In den Reisebüros melden sich derzeit viele besorgte Urlauber.
Es ist wie in der Pandemie - die Leute haben Angst!
Das Telefon in dem Reisebüro in Ulm steht kaum still. Seit dem Kriegsausbruch am Samstag haben Julia Rimland und ihre Kollegen alle Hände voll zu tun: "Es ist wie in der Pandemie - die Leute haben Angst. Wir haben einige Kunden, die in den Golfstaaten festsitzen und uns kontaktieren", sagt die Tourismuskauffrau im SWR-Interview. In erster Linie verweise sie die akut Betroffenen an deren Reiseveranstalter.
Bundesregierung plant Rückholaktion
Denn grundsätzlich werden Urlauber in Krisensituationen direkt vom Reiseveranstalter betreut. Dieser kümmert sich in erster Linie um den Rücktransport nach Deutschland und die nötige Unterbringung. Zudem hat der deutsche Staat Schutzpflichten für seine Bürger im Ausland.
Am Dienstagmorgen startete ein erster Sonderflug der Fluglinie Emirates von Dubai nach Frankfurt am Main. Ein weiterer sollte am Abend in München ankommen. Das Auswärtige Amt bereitet nach Angaben von Außenminister Johann Wadephul (CDU) die Rückholung besonders schutzbedürftiger Personen aus der Region vor. Geplant sind demnach gecharterte Maschinen in die Hauptstädte Riad (Saudi-Arabien) und Maskat (Oman).
Umbuchung, Stornierung und Verunsicherung
Doch der Krieg im Nahen Osten hat auch Auswirkungen auf Reisen in andere Weltregionen. Besonders die Flughäfen von Dubai, Abu Dhabi und Doha gelten als Drehkreuze für Flüge etwa nach Asien oder zum Indischen Ozean. Reisebüro-Inhaberin Christine Anklam aus Ulm berichtet von besorgten Anrufen: "Einerseits haben wir Kunden, die umgebucht werden müssen. Da sind wir bemüht, Ersatzflüge zu finden. Andere haben wegen der Sicherheitslage Angst um ihre Urlaubsreise."
So habe kürzlich ein Kunde eine bereits gebuchte Reise nach Ägypten storniert, berichtet die Reisebüro-Inhaberin. In diesem Fall sei ohne offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amts keine Erstattung möglich.
Der Deutsche Reiseverband warnt Urlauber in der Krisenregion davor, sich auf eigene Faust in ein anderes Land oder zum Flughafen zu begeben. Die Sicherheit der Reisenden und der Partner vor Ort habe stets oberste Priorität, sagte ein Sprecher dem Deutschlandfunk. Die Reiseveranstalter stünden in ständigem Kontakt mit den Sicherheitsbehörden und dem Auswärtigem Amt.
Reisebüros hoffen auf Entspannung
In den Reisebüros in Ulm hofft man unterdessen, dass sich die Sicherheitslage möglichst rasch beruhigt. Christine Anklam geht davon aus, dass die Golfstaaten als Urlaubsziel und Drehkreuz für Fernreisen auch in Zukunft sicher und attraktiv bleiben. Zunächst allerdings gehe es darum, sich um die Reisenden im Krisengebiet zu kümmern und Kunden mit Flügen in den kommenden Monaten zu helfen.