Das Milliardenvorhaben Stuttgart S21 hält Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) auch ein Jahr vor der Landtagswahl für einen Irrweg: "Das Projekt ist aus meiner Sicht eine Fehlentscheidung", sagte Winfried Hermann am Donnerstagabend in der SWR-Sendung "Zur Sache! Baden-Württemberg". "Es gibt kein teureres Projekt in diesem Jahrhundert, es gibt kein umstritteneres und keines, das so lange gedauert hat", so Hermann.
Verkehrsminister: Kombibahnhof hätte viel Geld gespart
Statt alle Schienen unter die Erde zu legen, hätte ein Kombibahnhof viel Geld erspart, so der Verkehrsminister. Er bezog sich damit auf den Vorschlag des mittlerweile verstorbenen S21-Schlichters Heiner Geißler. Dieser sah vor, den Nah- und Regionalverkehr weiterhin oberirdisch zu belassen und nur Fernzüge unterirdisch fahren zu lassen.
Bereits im Mai hatte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) die Deutsche Bahn scharf angegangen: "Ich habe (…) nicht vergessen, wie wir behandelt worden sind als Gegner von diesem Konzern", empörte sich Kretschmann auf der Landespressekonferenz. Die Grünen seien mit Arroganz abgebürstet worden. "Und heute tritt all das ein, was wir damals gesagt haben, von A bis Z."
Bahn sieht S21 als Investition in die Zukunft
Berthold Huber, Bahn-Infrastruktur-Vorstand, wies Hermanns Kritik zurück. "Wir investieren hier in die Zukunft", so Huber. S21 sei kein Milliardengrab: "Es ist ein in jeder Hinsicht sinnvolles Projekt, das zur Verkehrswende beiträgt", so Huber. Kein Eisenbahnunternehmen der Welt würde heute noch so einen Kopfbahnhof bauen. Stuttgart sei deshalb einer jener Orte in Deutschland, in denen viele Zugverspätungen entstünden, so der Bahnmanager im SWR. Durch S21 werde die Infrastruktur in Stuttgart und im gesamten Land künftig deutlich verbessert und eine deutlich höhere Taktung an Zügen möglich sein. Ebenso würden die Fahrtzeiten von Nah- und Fernverkehr in Zukunft deutlich kürzer.
Allerdings räumte Huber ein, dass den Menschen während der Bauzeit viel abverlangt werde. Vergangene Woche hatte die Deutsche Bahn bekanntgegeben, dass Teile des Megaprojekts erst im Juli 2027 in Betrieb gehen sollen. Vor allem im Regionalverkehr werde es weiterhin erhebliche Einschränkungen für die Fahrgäste geben, betonte Verkehrsminister Hermann und bezog sich damit unter anderem auf die Kappung der Gäubahn. Umso dringender müsse das Projekt jetzt so schnell wie möglich fertig werden.