Lucha will sich für Begegnungsräume in Stuttgart einsetzen

"Da geht mir das Messer im Sack auf": Anti-Einsamkeits-Aktivistin wird gegen Minister Lucha deutlich

Nach der Kritik einer Aktivistin gegen Einsamkeit will Sozialminister Lucha helfen, kostenfreie öffentliche Räume in Stuttgart zu finden. Dessen Strategie hält sie für ungenügend.

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Von Autor/in Ruben Moratz

Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) hat zugesagt, die Gründerin von Anti-Einsamkeit-Spaziergängen in Stuttgart dabei zu unterstützen, einen kostenfreien öffentlichen Ort für Begegnungen zu finden. Juliane Brosz veranstaltet in der Landeshauptstatt den sogenannten "Women Walk and Talk", bei dem es darum geht, Menschen zu treffen und Einsamkeit zu überwinden.

In der SWR-Sendung "Zur Sache Baden-Württemberg" nannte Brosz es die größte Problematik, dass es in Stuttgart nur einen öffentlichen Raum gebe, den man für wenig Geld als Veranstaltungsort anmieten könne. Lucha dankte Brosz in der Sendung für den Hinweis und versicherte: "Da werde ich gern gleich morgen mit der Kollegin Sozialbürgermeisterin reden." Es sei sein Ziel, derartige Zugänglichkeiten zu schaffen.

Ein Drittel der Menschen in BW fühlt sich einsam

Lucha nannte es sein Ziel, Menschen zu erreichen und Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Es gebe in Baden-Württemberg elf Millionen Einsamkeitsbeauftragte, so Lucha. Er wolle auf das Problem der Einsamkeit aufmerksam machen. Soziale Wesen müssten aufeinander aufpassen. Deshalb hat das Sozialministerium eine Studie zum Thema in Auftrag gegeben, die vergangene Woche vorgestellt wurde. Rund ein Drittel der Menschen in Baden-Württemberg fühlt sich einsam, so die zentrale Aussage der Studie.

Mit dem Projekt "Exit Einsamkeit" macht der SWR auf das Thema aufmerksam - am 22. November findet die Nacht gegen Einsamkeit mit zahlreichen Aktionen im ganzen Land statt:

Fördert das Land Ehrenamtliche zu wenig?

Juliane Brosz kritisierte den Minister scharf. Es als politische Strategie zu verkaufen, dass jeder sich um den anderen kümmern solle, kommentierte sie mit: "Da geht mir das Messer im Sack auf. Wo sind die Anlaufstellen? Warum werden Initiativen nicht mehr unterstützt?" Viele Ehrenamtliche würden sich allein gegen Einsamkeit engagieren, hätten keinen Verein im Hintergrund und könnten daher wegen des Aufwands auch keine Förderanträge schreiben. Brosz wünscht sich generell mehr Unterstützung für Ehrenamtliche, die sich aus Eigeninitiative gegen Einsamkeit engagieren. Das Sozialministerium hat in dieser Woche fünf Ideenwettbewerbe ausgerufen, um innovative Projekte gegen Einsamkeit in besonders betroffenen Zielgruppen zu fördern.

Kommunale Einrichtungen gegen Einsamkeit unter Druck

Die sozialpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Dorothea Kliche-Behnke begrüßte diesen Ideenwettbewerb grundsätzlich. Sie verwies aber zudem darauf, dass es bereits wirksame Orte gegen Einsamkeit gebe. Kliche-Behnke nannte in der SWR-Sendung "Zur Sache Baden-Württemberg" Bibliotheken, Volkshochschulen oder Familienbildungsstätten als solche Orte. Diese Institutionen seien jedoch unter Druck, weil die Kommunen im Land unter finanziellem Druck stehen. Das führe zu Kürzungen, was die Landesregierung verhindern sollte, so Kliche-Behnke.

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