Ein Wanderer steckt im moorigen Boden der geleerten Schwarzenbachtalsperre (Kreis Rastatt) fest, verletzt sich und muss schließlich per Hubschrauber gerettet werden. Kurz zuvor stürzte eine Frau im steilen Uferbereich. Die Feuerwehr warnt davor, den leeren Stausee zu betreten - rechnet aber für die kommenden Feiertage im Mai mit zahlreichen Schaulustigen. So ungewöhnlich dieser Einsatzort ist: Bergrettung und Feuerwehr sind im Schwarzwald und auch auf der Schwäbischen Alb regelmäßig im Einsatz.
Die Bergwacht musste kürzlich eine Wanderin in der Nähe der Zweribach-Wasserfälle bei Simonswald (Kreis Emmendingen) per Hubschrauber retten. Ihr Handy führte sie in unwegsames, steiles Gelände. Dort stürzte die Frau und verletzte sich so, dass sie in ein Krankenhaus musste. Besser ist es im vergangenen Jahr für zwei Frauen bei Neidlingen (Kreis Esslingen) ausgegangen, die einem im Internet angezeigten Weg gefolgt waren. Dabei saßen sie aber plötzlich an einem Abhang am Albtrauf fest. Sie riefen den Notruf und wurden von einem Hubschrauber gerettet. Am 11. April stürzte ein achtjähriges Mädchen durch ein Loch in der Felsendecke der Bocksteinhöhle. Das Loch war durch Büsche verdeckt. Für die Bergwacht bedeuten Fälle wie diese laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) 1.400 bis 1.500 Einsätze im Jahr.
Aufwendiger Rettungseinsatz Leiche von Wanderer aus Falkensteiner Höhle geborgen
In der Falkensteiner Höhle auf der Schwäbischen Alb ist ein Höhlengänger gestorben. Der Mann war mit einer geführten Gruppe unterwegs gewesen. Seine Leiche wurde nun geborgen.
Unfälle bei Wanderungen: Nicht alle Wege lassen sich sichern
"Die Ursachen sind unterschiedlicher Natur", sagt Andreas Dillmann von der Bergwacht Pfullingen. Die Bergretter sind dabei häufig am Albtrauf im Einsatz. Überregional bekannte Sehenswürdigkeiten wie der Uracher Wasserfall oder das Schloss Lichtenstein gehören zu den Einsatzorten. Eine Ursache ist laut Dillmann, "dass es eben Trampelpfade gibt, die weniger gut ausgebaut und beschildert sind und vom Forstamt weniger kontrolliert werden". Eine bessere Sicherung der Wege allgemein hält er nicht für nötig. "Wir können nicht sicherstellen und auch nicht verlangen, dass jede Lichtung im Wald, jeder Aussichtspunkt abgesichert wird", so der Bergretter. Es sei schwer zu sagen, wo man anfange und aufhöre. "Wir appellieren an den gesunden Menschenverstand", sagt Dillmann.
Wir können nicht sicherstellen und auch nicht verlangen, dass jede Lichtung im Wald, jeder Aussichtspunkt abgesichert wird.
Denn hauptsächlich sei es der Faktor Mensch, der zu Einsätzen der Bergwacht führe. Viele beachteten einige Dinge nicht, wenn sie in der Natur unterwegs seien. "Wir erleben immer wieder, dass die Leute unterwegs sind nach dem Geburtstagskaffee in den feinen Schuhen, in denen sie eigentlich keinen Halt haben, in denen man auch schnell umknickt", sagt Dillmann. "So ist auch ruckzuck auf einem eigentlich guten, ausgeschilderten Weg mal der Fuß umgeknickt und man kann nicht mehr weitergehen."
Wanderer gehen unvorbereitet in die Natur
Dazu werde das Wetter oft unterschätzt - egal, ob im Herbst, Winter oder Frühling. "Viele erwarten nicht, dass die Sonne nach lang anhaltendem Regen im Frühling nicht so viel Kraft hat, um Waldwege ruckzuck abzutrocknen. Dann kann es im Wald noch matschig und rutschig sein, auch wenn freie Wiesen schon trocken sind." Dazu würden Sonne und heiße Temperaturen im Sommer überschätzt. "Das bedeutet, die Wanderer sind eigentlich unterwegs, ohne ausreichend Flüssigkeit dabei zu haben, ohne ausreichend Sonnenschutz dabei zu haben", sagt Dillmann.
Apps aus dem Internet können auf Wanderwegen in die Irre führen
Auch der Retter von der Bergwacht Pfullingen beobachtet, dass sich Wanderinnen und Wanderer zunehmend auf ihre Smartphones und Apps verlassen, wie es im Fall der Wanderin im Kreis Emmendingen vor etwas mehr als einer Woche der Fall war. Dillmann kritisiert, dass dadurch auch Warnungen ignoriert würden. "Der Weg hört vielleicht plötzlich auf, man fühlt sich unsicher und rutscht dann irgendwo im Albtrauf ab in ein steiles Gelände und kommt nicht mehr vor und nicht zurück", so Dillmann. "Im besten Fall sind sie dann unverletzt und können die Bergwacht alarmieren, im schlimmsten Fall sind sie in dieser Situation auch noch verletzt."
Bergretter gibt Tipps für Wanderungen
Entsprechend hat Dillmann auch Tipps für Wanderungen. "Wir empfehlen Trekkingschuhe, am besten noch knöchelhoch, die kann man einfach fest schnüren, hat einen festen Stand. Die Schuhe haben ein entsprechendes Profil, die auch auf einem Waldweg Halt bieten." Dazu empfiehlt der Pressesprecher der Bergwacht, immer ausreichend Flüssigkeit mit sich zu führen - egal ob im Sommer oder Winter. "Und wenn wir jetzt in Richtung Frühling und Sommer gehen, auf jeden Fall auf ausreichend Sonnenschutz achten." Das bedeute, einen Hut oder eine Mütze mitzunehmen und auf die Sonnencreme zu achten. Bei längeren Touren empfiehlt er zudem, Angehörige zu informieren, in welche Richtung man unterwegs sei und was man vorhabe.
"Vor allem sollte man auch auf seinen Körper hören", rät Dillmann. "Was macht die eigene Kondition? Fühle ich mich gut?" Diesem Zustand sollten Wanderer dann den Ausflug anpassen und entscheiden, ob sie nur einen kleinen Spaziergang machten oder eine Wanderung mit Höhenmetern.