Mercedes hat vor kurzem seine "Produktivitätsoffensive" vorgestellt. Mit dem Sparprogramm will der Konzern wieder aus der Krise kommen. Unter anderem gehört dazu die Idee, dass die Beschäftigten in Deutschland bei gleichem Gehalt künftig mehr arbeiten sollen. Auch das Arbeiten im Home Office soll eingeschränkt werden. Die Kosten in Deutschland, so argumentiert das Management in einem kürzlich verschickten Brief an die Belegschaft, müssen runter.
Ex-Mitarbeiter zweifelt an neuem Sparprogramm
Philipp Raasch, der als Autopreneur regelmäßig über die Branche berichtet und selbst bis 2020 bei Mercedes beschäftigt war, glaubt nicht daran, dass das Unternehmen so aus der Krise kommt. Die Ideen des Mercedes-Vorstands könnten sogar das Gegenteil von dem bewirken. Er habe viel Kontakt mit Mercedes-Beschäftigten, erzählt Raasch. Von denen höre er, dass viele maximal demotiviert seien von den Vorschlägen des Managements. Raasch prophezeit deshalb: Die Offensive werde am Ende zu weniger Produktivität führen.
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Will Mercedes Mitarbeitende loswerden?
Und möglicherweise, vermutet Raasch, könne hinter den Plänen des Managements auch etwas ganz anderes stecken. Er gibt zu bedenken, dass Mercedes auch angekündigt hat, Produktion in andere, günstigere Länder zu verlagern, um so Kosten zu sparen. Gerade erst ist der Standort im ungarischen Kecskemét massiv ausgebaut worden, zum größten Werk von Mercedes in Europa. Die logische Folge: In Deutschland werden voraussichtlich Stellen wegfallen.
Mit einem Abfindungsprogramm hat der Autohersteller bereits versucht, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu motivieren, den Konzern zu verlassen. Wie viele das Angebot angenommen haben, dazu sagt Mercedes nichts. Medienberichten zufolge könnten es 5.000 bis 6.000 gewesen sein. Ende März dieses Jahres ist das Programm ausgelaufen.
Das Problem für Mercedes: Die Beschäftigungsgarantie
Wenn der Konzern weiterhin Personal in Deutschland abbauen will, könnte er entweder ein neues Programm aufsetzen. Oder er müsse nach anderen Wegen suchen, erklärt Raasch. Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht möglich, bis Ende 2034 gilt für die deutschen Standorte eine Beschäftigungsgarantie.
Aus Sicht des Ex-Mitarbeiters ist es deshalb durchaus möglich, dass Mercedes die Jobs so unbequem macht, dass die Leute von selbst gehen. Ist die angebliche Produktivitätsoffensive, mit Mehrarbeit und weniger Home Office also eigentlich ein verdecktes Stellenabbauprogramm? "Das ist eine Theorie, die viele haben", meint Raasch.
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Auch vom Mercedes-Betriebsrat kommt Kritik am Vorstand
Nicht nur Raasch, auch die Beschäftigten und der Mercedes-Betriebsrat kritisieren, dass die aktuellen Sparpläne des Vorstands die Falschen träfen. Die Belegschaft müsse jetzt für Fehlentscheidungen des Managements, zum Beispiel bei der Elektromobilität oder der sogenannten Luxusstrategie, bezahlen. Diese Kritik wird dadurch befeuert, dass Källenius für 2025 eine Vergütung von knapp neun Millionen Euro erhielt (deutlich weniger allerdings als noch 2024) und Mercedes im April rund 3,3 Milliarden Euro Dividende ausgeschüttet hat.
Das ärgert viele. Bei einer Kundgebung im Mercedes-Werk in Sindelfingen skandierten die Beschäftigten kürzlich immer wieder "Ola raus". Nach Raaschs Einschätzung fragen sich aktuell einige, wie sich der Vorstand so lange halten konnte. Der Autoexperte gibt zu bedenken:
Im Fußball ist es ja immer so, dass man dann erst mal den Trainer rauswirft, bevor man zur Mannschaft sagt, dass alle jetzt mehr trainieren müssen.
Bei der Vorstellung der Bilanzzahlen am Dienstag hat Mercedes-Chef Ola Källenius seine Sparpläne und die künftige Mehrarbeit der Beschäftigten erneut verteidigt - und setzte dabei auch auf eine Fußball-Analogie. Alle würden beim DFB jetzt auf den neuen Bundestrainer hoffen. Zum zukünftigen Erfolg gehöre aber auch, dass man die Trainingseinheiten erhöhe, so Källenius.