Neues Förderprogramm

Wohnungsnot in BW: Kann man ungenutzte Büroflächen einfach umbauen?

Leere Büros und Gewerberäume sollen mit Fördergeldern des Bundes zu neuen Wohnungen werden. Aus Baden-Württemberg kommen kritische Stimmen.

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Von Autor/in Nicole Freyler

Jeden Tag bleiben in Baden-Württemberg Büroräume leer, gleichzeitig fehlen im Land rund 200.000 Wohnungen. Ein Bundesprogramm soll nun den Umbau von Büroflächen zu Wohnungen fördern. Ganze Stockwerke wie verlassen, verwaiste Schreibtische und Kaffeeküchen: Homeoffice ist mit der Corona-Pandemie noch beliebter geworden.

Experten schätzen, dass leerstehende Büros zu tausenden Wohnungen umgebaut werden könnten. Eine Studie des Münchner ifo-Instituts von 2024 kommt zu dem Schluss, dass in den sieben größten deutschen Städten dadurch jeweils Wohnungen für rund 100.000 Menschen entstehen könnten, auch in Stuttgart.

Die Bundesregierung will mit einem neuen Förderprogramm "Gewerbe zu Wohnen", das ab Juli startet, den Umbau von Büroflächen zu Wohnungen fördern. 300 Millionen Euro aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sind dafür vorgesehen. Pro neue Wohnung können Investoren bis zu 30.000 Euro Zuschuss bekommen. Insgesamt 300.000 Euro pro Unternehmen. Das Geld muss nicht zurückgezahlt werden.

Bauwirtschaft BW: Gut aber kein großer Wurf

Der Verband der Bauwirtschaft Baden-Württemberg begrüßt das Programm grundsätzlich - schränkt aber auch die Erwartungen ein: "Der große Wurf ist das nicht", meint der Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Thomas Möller.

Wenn aus Büro- oder Gewerbeflächen Wohnungen werden solltsen, gebe es zahlreiche Hürden. Grundsätzlich sei es teuer, Büroflächen in Wohnraum umzuwandeln. Oftmals müssten Sanitäranlagen, Wasserleitungen und Installationen für Küchen ergänzt werden. Hinzu kommt die Lage und damit die Attraktivität. Nicht selten sei das Umfeld von Bürogebäuden nicht für Wohnungen geeignet, weil die Infrastruktur wie Nahverkehr, Kindergärten und Schulen fehle. Möller glaubt nicht, dass das neue Förderprogramm dazu führt, dass im großen Stil Büroflächen zu Wohnungen umgebaut werden. "Ich rechne nur mit Mitnahmeeffekten", sagte der Verbandsgeschäftsführer.

Fachleute im CDU-geführten Bauministerium in Stuttgart sagen, dass die häufigsten Hürden die Bebauungspläne der Kommunen seien. Wenn nach diesen Plänen in Gewerbe- oder Mischgebieten Wohnungen nur ausnahmsweise oder gar nicht erlaubt seien, dann werde es schwierig. Im Detail wollte man sich im Ministerium noch nicht zu dem neuen Förderprogramm äußern, verweist aber auf Erleichterungen der Landesbauordnung. Seit Juni 2025 ist es in Baden-Württemberg leichter, bestehende Gebäuden umzuwandeln. Beim Umbau von Gebäuden fallen zusätzliche Anforderungen wie beispielsweise neuester Brandschutz weg.

Städtetag sieht Schwierigkeiten bei Geruch und Lärm

Auch der Städtetag Baden-Württemberg reagiert zurückhaltend auf das angekündigte Förderprogramm des Bundes. Die Umnutzung könne funktionieren, aber nicht überall. Der Städtetag sieht vor allem bei den Lärmgrenzwerten Schwierigkeiten. Wenn mehr Wohnungen in Gewerbe- oder Mischgebieten entstehen sollten, müsste zunächst diskutiert werden, ob man die Bundesvorschriften zu Geruchs- und Lärmbelästigungen lockern wolle. Einfach wird der Umbau von Büros in Wohnungen auch mit dem Förderprogramm offenbar nicht.

Der Städtetag bringt es so auf den Punkt: Man wünsche sich einen großen Masterplan zum Thema Wohnen oder Bauen und nicht jeden Monat eine neue Gesetzesänderung oder ein weiteres Förderprogramm des Bundes.

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