Absichtserklärung mit Lwiw geschlossen

Günstige Produktionsstätten: BW-Wirtschaft setzt auf engere Zusammenarbeit mit der Ukraine

Die Zusammenarbeit zwischen der baden-württembergischen Wirtschaft und der Westukraine soll verstärkt werden. Rings um Lwiw haben deutsche Zulieferer schon günstige Werke gebaut.

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Von Autor/in Geli Hensolt

Die baden-württembergische Landesregierung und der Regierungsbezirk Lwiw in der Westukraine führen schon seit längerem Gespräche zur Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen. Rings um Lwiw, das etwa 80 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt liegt, hatten sich bereits vor dem Krieg große Zuliefer-Unternehmen aus Deutschland angesiedelt. Die Voraussetzungen für Produktionsanlagen gelten als sehr gut. Die Kosten sind dort niedrig. Nun haben beide Seiten mit einer Absichtserklärung - einem "Letter of Intent" - ihren Willen zur Zusammenarbeit bekräftigt.

Rundtische aus Weinsberg für iPhones und Kondome

Vergangenes Jahr waren Wirtschaftsvertreter aus Baden-Württemberg in Kiew und der Region Lwiw - darunter auch der Chef des Maschinenbauers FIBRO aus Weinsberg im Kreis Heilbronn, Heiko Asum. FIBRO stellt Rundtische her, die sich drehen können. Deshalb werden sie auch Drehtische genannt. FIBRO-Modelle werden in vielen Produktionsanlagen weltweit verwendet - etwa zur Herstellung von Schuhen, Zahnbürsten, Kondomen oder auch iPhones. Die amerikanischen Smartphones werden mit FIBRO-Rundtischen in Indien produziert, erklärt Firmenchef Asum.

Dr. Heiko Asum mit einem Produkt aus der Orange Table-Serie: Der Maschinenbauer Fibro aus Weinsberg stellt sogenannte Rundtisch her, die weltweit verwendet werden -  wenn möglich in Zukunft auch in Produktionsanlagen in der Ukraine.
Rundtische aus Weinsberg werden weltweit verwendet - möglicherweise bald auch in Produktionsanlagen in der Ukraine. Pressestelle FIBRO Rundtische GmbH

Großes Interesse an deutsch-ukrainischen Geschäften

Geht es nach Heiko Asum, werden seine Rundtische in Zukunft auch in Produktionsanlagen in der Ukraine zum Einsatz kommen. Beim Ukraine-Besuch im Sommer 2025 hatte sich der baden-württembergische Unternehmer vor Ort über mögliche Geschäftsbeziehungen informiert: Das Interesse an einer Zusammenarbeit sei damals von beiden Seiten groß gewesen.

Experte: "Verschärfung der militärischen Situation"

Mittlerweile allerdings habe sich die Situation verändert, meint Rainer Lindner. Er hat als Vorsitzender des deutsch-ukrainischen Forums die Reise der baden-württembergischen Wirtschaftsdelegation mit organisiert. Lindner erklärt, dass es in den vergangenen sechs Monaten eine Verstärkung der Angriffe Russlands auf die Ukraine gab - insbesondere auf die Infrastruktur: "Und es geht nicht nur um die Hauptstadt. Es geht auch um Regionen außerhalb der Hauptstadt bis hin in die Westukraine. Das heißt eine Verschärfung der militärischen Situation." Gleichzeitig beobachtet er aber auch eine Stärkung der ukrainischen Anstrengung, wirtschaftlichen Aufschwung trotz Kriegszeiten zu generieren.

Aufschwung in der Ukraine unterstützen

Diesen Aufschwung können und wollen Firmen aus Baden-Württemberg unterstützen, auch mithilfe der Politik. Deshalb unterzeichneten das Land Baden-Württemberg und die Region Oblast Lwiw einen Letter of Intent zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Für die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut ist das ein wichtiges Zeichen: "Wir wollen dadurch deutlich machen, wir stehen an der Seite der Ukraine."

Austausch schaffen und Netzwerke aufbauen

Mit der Absichtserklärung sollen aber auch praktische Dinge angestoßen und umgesetzt werden. Es sollen weitere Unternehmensdelegationen in die Westukraine reisen. Es soll einen Experten-Austausch geben, um Netzwerke aufzubauen. Diese Netzwerke würden nicht gleich morgen Ergebnisse liefern, aber in ein paar Monaten, wenn sich die Situation hoffentlich in der Ukraine irgendwann entspannt, meint Hoffmeister-Kraut.

Dynamik in die Wirtschaftsbeziehungen

Darauf setzt auch Heiko Asum, der Chef von FIBRO aus Weinsberg. Der Letter of Intent sei ein richtiges Signal, um in die Beziehungen mehr Dynamik hineinzubringen. "Wenn wir den Fuß in der Tür haben und das Kriegsende demnächst kommt, dann sind wir sofort drin", meint Asum.

Bei der Unterzeichnung der gegenseitigen Absichtserklärung in Stuttgart ist auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit dabei. Eigentlich wollte auch der Gouverneur der Region Lwiw dafür nach Stuttgart kommen. Aktuell herrscht wegen der Angriffe Russlands in seiner Heimat der Notstand. Wegen der angespannten Energiesituation sieht er sich deshalb in der Pflicht, vor Ort zu bleiben.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Geli Hensolt
Geli Hensolt
Onlinefassung
Petra Thiele
SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele

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