- Konkrete Pläne für Warnung und Evakuierung bei Flutkatastrophen fehlen oft
- Fluten durch Starkregen können alle treffen
- Was regeln Alarm- und Einsatzpläne?
- Wie ist die Situation in Ihrem Wohnort?
- Alarm- und Einsatzpläne können Leben retten
- Gesetz verpflichtet Kommunen Pläne zu machen
- Alarm- und Einsatzpläne zu erstellen, kostet Zeit und Geld
- Kommunen müssen regelmäßig die Gefahren kommunizieren
Kreise und Gemeinden sind bei Hochwasser mehrheitlich gut auf den Ernstfall vorbereitet, während es beim Thema Starkregen noch Nachholbedarf gibt. Das zeigt eine SWR-Anfrage an alle Landkreise, Städte und Gemeinden im Land.
Wenn das Wasser kommt, hat das Retten von Leben die höchste Priorität. Sogenannte Alarm- und Einsatzpläne funktionieren wie eine Art Checkliste.
Was muss als nächstes passieren? Wer ist für was zuständig? Wann wird gewarnt? Wann evakuiert? Im Ernstfall können sie Leben retten.
Konkrete Pläne für Warnung und Evakuierung bei Flutkatastrophen fehlen oft
Häufig haben Kommunen zwar allgemeine Konzepte, um die Bevölkerung in verschiedenen Katastrophenszenarien zu warnen und zu evakuieren, aber Pläne speziell für Flut-Katastrophen fehlen.
Laut Christian Brauner ist das wenig überraschend. Evakuierungen konkret für Überflutungen zu planen sei eine schwierige Aufgabe, die viele Kommunen bisher noch nicht angegangen seien.
Er berät Behörden bei der Bewältigung von Katastrophenrisiken und war 2024 Sachverständiger im Untersuchungsausschuss “Flutkatastrophe” im Landtag Rheinland-Pfalz.
Trotz der Hürden sind diese Planungen wichtig. Dabei käme es laut Brauner nicht darauf an, alles im Detail zu planen. Die Kommunen sollten aber wissen: Wo müssen sie evakuieren? Wie viele Leute sind betroffen? An welchem Punkt entscheiden sie die Evakuierungen und wie würden sie dabei vorgehen?
Fluten durch Starkregen können alle treffen
Dass auch Menschen fernab von Gewässern nicht sicher vor Überflutungen sind, zeigen Daten des Gesamtverbands der Versicherer (GDV).
Statistisch gesehen wurde zwischen 2002 und 2021 jedes zehnte Haus in Deutschland durch Starkregen beschädigt.
Historische Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes zeigen außerdem, dass es in den letzten Jahren in allen Regionen in Rheinland-Pfalz zu außergewöhnlich starken Regenfällen gekommen ist.
Dieser Gefahr sind sich offenbar viele Kommunen bewusst. Mindestens 31 Prozent der Kreise und 25 Prozent der Gemeinden geben gegenüber dem SWR an, dass Starkregen-Alarm- und Einsatzpläne derzeit erarbeitet werden.
Was regeln Alarm- und Einsatzpläne?
Sind Alarm- und Einsatzpläne vorbereitet, helfen sie im Katastrophenfall schnell handlungsfähig zu sein. Sie werden bestenfalls lange vor einer Katastrophe erstellt und regelmäßig überarbeitet. Alles, was vorher geplant ist, kann im Ernstfall Leben retten.
Wie ist die Situation in Ihrem Wohnort?
Alarm- und Einsatzpläne können Leben retten
Im Landkreis Ahrweiler fehlten diese Pläne in der Flutnacht vom 14. auf den 15. Juli 2021, in der 135 Menschen ihr Leben verloren.
Gerd Gräff kritisiert das scharf. Er war einer der Gutachter im Untersuchungsausschuss zur Flutkatastrophe im rheinland-pfälzischen Innenministerium.
Hätte es die Pläne gegeben, hätte ein abgestimmtes Konzept zur Information der Bevölkerung vorgelegen und die Führungsorganisation klar geregelt sein können.
"Man hätte also gewährleistet, dass alle Einsatzabschnittsleitungen in den Gemeinden in der Stadt Bad Neuenahr und Sinzig regelmäßig und ständig über die Lage informiert gewesen wären", sagt Experte Gräff. Die Bevölkerung hätte dann rechtzeitig gewarnt werden können.
Das Gesetz verpflichtet Kommunen Pläne zu erstellen
Das Landeskatastrophenschutzgesetz regelte 2021, dass Landkreise und Gemeinden dazu verpflichtet sind, Pläne zu erstellen.
Außerdem hätten die Pläne unbedingt auch die Evakuierung regeln müssen. Erst vor Kurzem, fünf Jahre nach der Katastrophe, hat der Landkreis Ahrweiler entsprechende Pläne erstellt.
Nach der verheerenden Flut vor fünf Jahren reformierte das Land Rheinland-Pfalz das Katastrophenschutzgesetz umfassend.
Neu ist, dass das 2025 gegründete Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz jetzt die Kommunen sowohl rechtlich als auch fachlich beaufsichtigt.
Dokumentation SWR Story: „Fünf Jahre nach der Ahrtal-Flut – Die Nacht, die blieb…“
Die Doku „Fünf Jahre nach der Ahrtal-Flut – Die Nacht, die blieb…“ erzählt die Geschichte der Flut aus der Perspektive von betroffenen Menschen vor Ort
Alarm- und Einsatzpläne zu erstellen kostet Zeit und Geld
Kommunen sind zwar gesetzlich verpflichtet Pläne zu erstellen und zu pflegen, aber es fehlt an Ressourcen und Knowhow. Mittlerweile stehen viele Informationen zu Verfügung, aber diese zu nutzen und in die Planung einzuarbeiten bedarf Schulungen.
Außerdem ist der Organisationsaufwand groß, vor allem für größere Kommunen. Viele Menschen, Freiwillige wie Hauptamtliche, müssen sich koordinieren und absprechen.
Unterstützung kommt vom Land in Form von Vorlagen, an denen sich die Kommunen orientieren können. Die Kosten für Starkregenkonzepte bezuschusst das Land mit 90 Prozent.
Außerdem berät das neue Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz beim Erstellen der Pläne.
Kommunen müssen regelmäßig die Gefahren kommunizieren
Hat eine Kommune Alarm- und Einsatzpläne ist das grundsätzlich erstmal ein gutes Zeichen. Aber sie sind noch längst keine Garantie, dass im Katastrophenfall alles glatt läuft.
Sie müssen geübt und regelmäßig aktualisiert werden. Sie erfüllen auch nur dann ihre Funktion, wenn Bürger die Warnungen verstehen.
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Christian Kuhlike leitet die Arbeitsgruppe Umweltrisiken und Extremereignisse am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Er sagt: Technisch gut vorbereitet zu sein sei das Eine, aber auch "weiche" Faktoren wie Kommunikation müssen ernst genommen werden, wenn es um den Schutz vor Überschwemmungen geht.
Deshalb müssten Kommunen die Gefahren regelmäßig an ihre Bürger kommunizieren, damit diese sie kennen, verstehen und entsprechend handeln können.