- SWR-Karten zeigen, welche Häuser bei Hochwasser und Starkregen unter Wasser stehen könnten
- Überschwemmungen drohen auch fernab von Flüssen und Bächen
- Vorsorge, Verhaltensregeln, Notfallpläne: Wie man sich und sein Haus schützen kann
- Für Schäden müssen Bürgerinnen und Bürger im Zweifel selbst aufkommen
Wer Hochwasser erlebt, vergisst die Bilder nicht: Straßen verwandeln sich in Bäche, Autos werden mitgerissen, Keller laufen in Minuten voll. Solche Szenen spielen sich in Deutschland immer wieder ab, nicht nur an großen Flüssen. Auch Starkregen kann in kurzer Zeit ganze Nachbarschaften überfluten.
Damit Bürger und Kommunen sich auf solche Katastrophen vorbereiten können, erstellen Behörden Karten, in denen sich ablesen lässt, welche Grundstücke bei Hochwasser oder Starkregen unter Wasser stehen könnten. In Rheinland-Pfalz leben Hunderttausende Menschen in diesen Gebieten.
Das SWR Data Lab hat die Karten aufbereitet. Sie zeigen Ihr persönliches Risiko für verschiedene Szenarien – darunter auch Extremhochwasser wie jenes im Juli 2021 im Ahrtal, als 135 Menschen starben und Tausende ihr Zuhause verloren.
Die Karten bieten Experten zufolge eine realistische Einschätzung, welche Grundstücke überschwemmungsgefährdet sind. Hochwasser können jedoch schlimmer ausfallen als berechnet – etwa wenn es mehr regnet als in den Szenarien angenommen, wenn Treibgut Brücken und Durchlässe verstopft oder Deiche brechen. Solche Szenarien kartiert die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) in ihrem Geoportal.
Hochwasser: Mehr als eine halbe Million Menschen in Rheinland-Pfalz gefährdet
Dort lässt sich auch ablesen, wie viele Menschen potenziell betroffen wären. In Trier leben demnach rund 15.000 Menschen auf Grundstücken, die bei einem Jahrhunderthochwasser unter Wasser stünden. Bei einem selteneren Extremhochwasser wären in Rheinland-Pfalz mehr als 540.000 Menschen gefährdet, besonders viele in Ludwigshafen (121.000).
Dass der Rhein eines Tages weite Teile Ludwigshafens überflutet, sei zwar sehr unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen, sagt Holger Schüttrumpf, Professor am Lehrstuhl für Wasserbau und Wasserwirtschaft der RWTH Aachen. Panik sei dennoch unangebracht: "Bei großen Flüssen wie Rhein oder Elbe steigt das Wasser nur langsam und man weiß schon einige Tage vorher, was kommt." Am Oberrhein lasse sich Wasser gezielt zurückhalten, zudem könnten Katastrophenschützer Deiche mit Sandsäcken verstärken und im Ernstfall Evakuierungen einleiten. In Ludwigshafen liegen Pläne für solche Notfälle vor, heißt es auf SWR-Anfrage.
Fünf Jahre Ahrtal In RLP fehlen immer noch Alarm- und Einsatzpläne
Bei einer Katastrophe regeln die Pläne Zuständigkeiten und Evakuierungen. Besonders kleinere Kommunen sind überfordert. Schauen Sie nach, wie die Lage bei Ihnen vor Ort ist.
Starkregen kann überall auftreten
Überschwemmungen drohen allerdings nicht nur entlang von Rhein, Ahr und Mosel. Auch fernab von Flüssen kann Wasser zur Gefahr werden – etwa wenn bei einem Wolkenbruch die Kanalisation überläuft und das Wasser in Straßen, Gärten und Keller eindringt.
Wie schnell das gehen kann, zeigte sich am 7. Mai 2023 im Römerberger Ortsteil Mechtersheim südlich von Speyer.
Auch die Starkregenkarten liefern keine exakten Vorhersagen. Schon kleine Veränderungen wie neue Mauern oder Rohre können das Wasser in eine andere Richtung lenken. In einem dichten Weizenfeld kann mehr Wasser versickern als in einem frisch bestellten Maisfeld. Solche Faktoren lassen sich in den Karten häufig nicht abbilden. Hinzu kommt der Klimawandel: Starkregen wird künftig häufiger und heftiger.
Trotz dieser Einschränkungen zeigen die Karten realistische Risiken. "Wer darin sieht, dass sein Gebäude gefährdet sein könnte, sollte ins Handeln kommen", sagt Helene Meyer, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim gemeinnützigen Verein Hochwasser-Kompetenz-Centrum (HKC). Oft reichen dabei schon einfache Maßnahmen: wertvolle Gegenstände nicht im Keller lagern, wichtige Dokumente wasserdicht aufbewahren, eine Rückstausicherung einbauen oder das Gebäude gegen Wasser abdichten.
Eigentümer müssen bei Überschwemmungen im Zweifel selbst für Schäden aufkommen
Außerdem rät Meyer, sich im Vorhinein zu überlegen, was im Ernstfall zu tun ist: Wer holt die Kinder aus der Schule? Wie kommen ältere Angehörige aus dem Haus? Wo bringt man die Haustiere unter, wenn es schnell gehen muss? Ein Notfallplan kann helfen, in einer solchen Situation nicht den Überblick zu verlieren. Dazu gehört auch, zu wissen, wie sich Strom und Gas sicher abstellen lassen und welche Wege noch begehbar sind, wenn das Wasser steigt. Weitere Hinweise bieten eine Broschüre des Hochwasser-Kompetenz-Centrums und das Landesumweltministerium.
Wie teuer Flutschäden werden können, zeigt eine Auswertung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Im Landkreis Ahrweiler summierten sich die Schäden von 2002 bis 2023 auf durchschnittlich knapp 95.000 Euro je Gebäude, vor allem wegen der Flutkatastrophe 2021. Auch im Eifelkreis Bitburg-Prüm und in Trier waren die Schäden mit jeweils rund 14.000 pro Gebäude vergleichsweise hoch.
Für solche Kosten müssen Bürgerinnen und Bürger – sofern sie nicht gegen Elementarschäden versichert sind – im Zweifel selbst aufkommen. Denn eine Garantie auf staatlichen Schadensersatz gibt es nicht. Zwar schützen Dämme und Deiche die allermeisten Menschen in Deutschland auch vor schweren Hochwassern. Im Ernstfall sind auch Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Hilfsorganisationen zur Stelle.
Die Verantwortung für Schutz und Vorsorge liegt laut Wasserhaushaltsgesetz jedoch ausdrücklich bei den Bürgerinnen und Bürgern selbst. In Paragraph 5 heißt es unter "Allgemeine Sorgfaltspflichten": "Jede Person, die durch Hochwasser betroffen sein kann, ist im Rahmen des ihr Möglichen und Zumutbaren verpflichtet, geeignete Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor nachteiligen Hochwasserfolgen und zur Schadensminderung zu treffen."