Anfang Dezember hat die Landesregierung RLP die Gigabit-Strategie 2030 beschlossen. Damit will sie erreichen, dass bis 2030 alle Haushalte, Unternehmen und Bildungseinrichtungen in Rheinland-Pfalz Zugang zu Glasfaser erhalten. Außerdem soll durch die Strategie ein lückenloses Netz der neuesten Mobilfunkgeneration hohe Kapazität und Qualität bieten. Wir haben in den drei Landkreisen nachgefragt, wo das superschnelle Internet schon bei vielen angekommen ist.
- RLP im Ländervergleich auf dem vorletzten Platz
- Kreis Kusel setzt auf kommunale Zusammenarbeit
- Kreis Ahrweiler profitiert vom Neuausbau nach der Flut
- Bernkastel-Wittlich: Privatinitiative und staatliche Förderung
- Fazit: Kein Stadt-Land-Gefälle zu erkennen
RLP im Ländervergleich auf dem vorletzten Platz
Aktuell läuft der Glasfaserausbau in Rheinland-Pfalz noch nicht gut. Die Daten vom Breitbandatlas der Bundesnetzagentur mit Stand Juni 2025 zeigen, dass sich Rheinland-Pfalz mit Baden-Württemberg mit 25 Prozent der Fläche im bundesweiten Vergleich den vorletzten Platz teilt. Am besten sieht es in den nördlichen Bundesländern Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen aus.
Besonders schlecht ausgebaut ist das Glasfasernetz in der kreisfreien Stadt Worms (rund sechs Prozent), im Kreis Altenkirchen im Westerwald (6,5 Prozent) und im Westerwaldkreis (13,5 Prozent).
Wir aber wollten herausfinden, wo es in Rheinland-Pfalz besonders gut läuft und vor allem warum. Darum haben wir bei den Verantwortlichen in den Kreisen Kusel in der Westpfalz (rund 70 Prozent), Ahrweiler (rund 36 Prozent) und Bernkastel-Wittlich (rund 25 Prozent) nachgefragt. Zum Vergleich: Bundesweit lag die Quote Ende Juni 2025 bei rund 52 Prozent.
Aus diesen Zahlen geht allerdings nicht hervor, wie viele Haushalte tatsächlich einen Glasfaseranschluss gebucht haben, sondern nur, auf wie viel Prozent der Fläche in der betreffenden Region superschnelles Internet mit Glasfasertechnologie technisch bereits möglich ist.
Kreis Kusel setzt auf kommunale Zusammenarbeit
Der Kreis Kusel hatte von 2009 bis 2014 ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer Kommunen laufen, bei dem 75 Kommunen aus dem Landkreis Kusel sowie den Verbandsgemeinden Bruchmühlbach-Miesau (Kreis Kaiserslautern) und Meisenheim (Kreis Bad Kreuznach) zusammengearbeitet haben. Dadurch habe man einen technologischen Vorsprung gewonnen. Der Kreis ist mit Abstand am weitesten gekommen beim Glasfaserausbau.
Um flächendeckend Gewerbe- und Wohngebiete zu erschließen, fahre man zweigleisig. Neben dem staatlich geförderten Breitbandausbau setze man auch auf eine enge Kooperation zwischen Landkreis, Kommunen und den Netzbetreibern, um den privatwirtschaftlichen Ausbau voranzutreiben. Dies könne man auch anderen Landkreisen empfehlen. Pressesprecherin Karla Hagner teilte dem SWR mit, dass der Glasfaserausbau auch zu gleichwertigen Lebensverhältnissen in den Ortsgemeinden beitrage. Deshalb habe man frühzeitig Förderanträge gestellt. Ziel sei es, die Digitalisierung nicht als Luxusgut zu begreifen, sondern als Basis für mehr Chancengleichheit und Entwicklungsmöglichenkeiten in allen Teilen des Landkreises.
Kreis Ahrweiler profitiert von Neuausbau nach der Flut
Die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 hatte weite Teile der Infrastruktur zerstört. Hiervon war auch die Telekommunikation betroffen. Nach Angaben des Kreises Ahrweiler war es daher naheliegend, beim Wiederaufbau Glasfaser zu verlegen. Bereits 2007 sei die Initiative "DSL für alle" gegründet worden. Im Zuge des technischen Fortschritts haben man dann den Ausbau angepasst mit höheren Bandbreiten. Dabei setze man auf unterschiedliche Anbieter, um den Wettbewerb zu stärken. Schnelle Internetverbindungen seien wichtig für die Wirtschaft, aber auch für private Nutzer, die zum Beispiel auf Streamingdienste zugreifen wollten, teilte Pressesprecherin Svenja Macht dem SWR mit.
Kreis Bernkastel-Wittlich: Privatinitiative und staatliche Förderung
Laut Kreisverwaltung haben die privaten Internet-Anbieter viele Gebiete mit einem Glasfasernetz erschlossen. Es gibt aber aus topografischen und wirtschaftlichen Gründen im Kreis Bernkastel-Wittlich immer noch sogenannte "graue Flecken" ohne schnelles Internet. 2022 konnte sich der Landkreis den Angaben zufolge frühzeitig die Förderung im Rahmen des "Graue-Flecken-Förderprogrammes" sichern. Damit konnten bis dahin unterversorgte Gebiete in einer ersten Phase ans Glasfasernetz angeschlossen werden. Nun habe die zweite Phase des Förderprojekts begonnen, um auch alle anderen Gemeinden mit Glasfaser zu versorgen.
Der Kreis weist darauf hin, dass die Fördermittel durch Bund und Land in der zweiten Phase des Förderprojekts stark gekürzt worden seien. Einige Landkreise hätten es versäumt, bereits in der ersten Phase Fördermittel für ihre Kommunen zu beantragen. Daher stehe jetzt nicht mehr so viel Geld zu Verfügung wie zu Beginn, sagte Pressesprecherin Stefanie Rodermund auf SWR-Anfrage.
Das schnelle Internet sei gerade in ländlichen Regionen wichtig. Es sei ein Standortfaktor für die Ansiedlung von Unternehmen und damit auch für Arbeitsplätze. Aber auch Schulen, medizinische Einrichtungen und Energie-Versorgungsunternehmen profitierten vom Glasfaserausbau.
Fazit: Kein Stadt-Land-Gefälle zu erkennen
Für Rheinland-Pfalz ergibt sich im Hinblick auf den Glasfaserausbau kein einheitliches Bild. Normalerweise hätte man erwartet, dass vor allem in den dicht besiedelten Städten der Glasfaserausbau weit voran geschritten ist. Denn dort gibt es potenziell mehr Kunden, so dass es sich für die Internet-Anbieter eher lohnen würde.
Dem ist aber offenbar nicht so: Während drei Kreise aus unterschiedlichen Regionen des Landes durch gezielte Förderung und Kooperationen von Kommunen mit Netzanbietern schon recht weit sind, hängen andere hinterher. Schlusslichter sind eine Stadt im Süden und zwei Landkreise im Norden von Rheinland-Pfalz.