Porträt des neuen Ministerpräsidenten

Gordon Schnieder - ein Mann vom Dorf regiert Rheinland-Pfalz

35 Jahre lang saß die CDU in Rheinland-Pfalz in der Opposition. Nun stellt sie erstmals wieder den Ministerpräsidenten. Der Eifeler Gordon Schnieder ist am Montag vom Landtag gewählt werden. Wer ist der Mann?

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Stand

Von Autor/in Petra Wagner

Er ist katholisch und verheiratet, hat drei Kinder und einen Studienabschluss als Finanzwirt - Gordon Schnieder, der neue Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. "Ich bin ein Junge vom Dorf", sagt er, "in Vereinen aktiv, heimatverbunden und bodenständig.“ Er sei stolz auf seine Wurzeln, so Schnieder.

Der 50-Jährige lebt in Birresborn, einer Gemeinde im - selbst für rheinland-pfälzische Verhältnisse - ziemlich abgelegenen Landkreis Vulkaneifel. Kaum mehr als 1.000 Einwohner hat das Dorf, in dem Schnieder aufgewachsen ist.

Familienmensch und bodenständig

Er liebe das Landleben, so sagt er, und er sei durch und durch ein Familienmensch. "Ich bin in einer großen Familie mit drei Geschwistern aufgewachsen. Die Großmutter wohnte bei uns. Einen Schlüssel habe ich als Kind nie gebraucht, weil immer jemand da war", sagt Schnieder. Und auch seine Kinder wachsen in dieser Tradition auf - denn Schnieders Mutter wohnt ebenfalls im Haus der Familie.

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Fast überflüssig zu erwähnen, dass Schnieders Interessen sich nicht von denen der anderen durchschnittlichen Rheinland-Pfälzer unterscheiden: Er geht gern wandern, fährt gerne Rad - und sammelt Briefmarken. Gordon Schnieder gibt sich bürgerlich-bescheiden. Und tatsächlich ist er keiner von den Lauten, die den großen Auftritt lieben. Statt anderen die Welt zu erklären, hört er lieber zu. Statt die harte Auseinandersetzung mit der politischen Konkurrenz zu suchen, setzte er in einem beinahe bedächtigen Wahlkampf auf zurückhaltende, ruhige Töne.

"Entscheidungsfreudig und ungeduldig"

Für einen Spitzenpolitiker ist Gordon Schnieder fast schon auffällig unauffällig.

Trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen - hat der 50-Jährige aus der Eifel so etwas wie ein politisches Wunder vollbracht: Nach 35 schier endlosen Oppositionsjahren ist die CDU unter seiner Führung wieder die stärkste Partei im Land und er selbst seit Montag Ministerpräsident.

2016 errang Schnieder das erste Mal ein Landtagsmandat. Aus den notorischen Streitigkeiten innerhalb der CDU-Landtagsfraktion und der Landespartei hielt er sich scheinbar heraus - um dann 2023 doch seinem glücklosen Vorgänger Christian Baldauf sowohl den Fraktions- als auch den Parteivorsitz abzunehmen. Seitdem ist klar: Gordon Schnieder hat durchaus Durchsetzungskraft: "Ich entscheide gerne und schiebe nichts auf die lange Bank", sagte Schnieder. Allerdings gibt er zu, auch manchmal sehr ungeduldig zu sein.

Eder: "Bieder reimt sich auf Schnieder"

Entscheidungen wird Schnieder künftig viele treffen müssen. Die Erwartungen an ihn sind groß - auch, wenn die Grünen, die im neuen Landtag in der Opposition sitzen, den Koalitionsvertrag von CDU und SPD als "ambitionslos und bieder" beschrieben. "Bieder reimt sich auf Schnieder" spottete die bisherige Umweltministerin und jetzige Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Eder.

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Als Ministerpräsident muss Gordon Schnieder jetzt jedenfalls das ganze Land vertreten - auch und gerade gegenüber dem Bund. Und das wird dann bedeuten: weniger Birresborn und mehr Berlin.

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