"Früher hat man die Haushalte gezählt und danach die Stromleitungen geplant", erklärt Thorsten Kruska. Er ist Technischer Leiter von zwei Eigenbetrieben der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn. "Die Leitungen wurden so dimensioniert, dass der Verbrauch der Haushalte gedeckt werden kann." Heute sei das etwas komplizierter: "Wer Solar auf dem Dach hat, ist nicht mehr nur noch Verbraucher, sondern auch Erzeuger." Die Energie, die durch die Solarkraft gewonnen werde, sei Zusatz. Dafür seien die Stromnetze aber teilweise gar nicht gerüstet.
Lösungen sind teuer und brauchen Zeit
Entscheidend sei eine sogenannte Netzverträglichkeitsanalyse, erklärt Kruska. "Wir müssen in jedem Einzelfall schauen: Schafft das Netz das an diesem Standort?" Manche Anfragen müsse er danach ablehnen. Über den Ausbau der erneuerbaren Energien sagt Kruska: "Die Idee ist gut. Aber die technische Umsetzung ist gar nicht so einfach." Eine Lösung wäre, das Stromnetz auszubauen. Eine andere Möglichkeit sei, einen eigenen Batteriespeicher für die Verbandsgemeinde zu errichten. Beides sei jedoch teuer und würde lange dauern.
Windräder in Mehlingen kommen vielleicht doch nicht
So ist zuletzt auch ein größeres Projekt in der Ortsgemeinde Mehlingen im Landkreis Kaiserslautern ins Stocken geraten. Eigentlich will das Energieunternehmen Vattenfall dort drei Windräder hinbauen. Der Gemeinderat hatte dafür bereits grünes Licht gegeben. Doch nun sagt Ortsbürgermeisterin Kristina Zick: "Ich sehe nicht, dass das kommen wird." Laut Vattenfall gebe es für das Projekt in Mehlingen derzeit noch keinen Netzanschluss. Das Stromnetz nun auszubauen könne Jahre dauern, vermutet Zick. "Wir können uns gut vorstellen hier zu bauen", so die Ortsbürgermeisterin. Der fehlende Netzanschluss sei jedoch ein Ausschlusskriterium.
Stromnetz nördlich von Kaiserslautern ist ausgelastet
Das Projekt in Mehlingen müsste an das Stromnetz der Pfalzwerke geschlossen werden. Dort bestätigt ein Sprecher die Aussagen der Ortsbürgermeisterin: "Eine zusätzliche Einspeisung wäre derzeit nicht möglich." Das Stromnetz sei dort bereits ausgelastet.
Generell sei die Region nördlich von Kaiserslautern besonders "einspeiseorientiert". Das bedeutet: Im Gebiet bis etwa Alsenz werde bereits jetzt deutlich mehr Strom über erneuerbaren Energiegewinnung in das Netz eingespeist als überhaupt verbraucht werde. Das liege daran, dass dort in den letzten Jahren zahlreiche Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen in Betrieb gegangen seien. Und das Interesse an weiteren Windparks und Co. sei weiterhin hoch: "Uns liegen derzeit mehrere Dutzend weitere Anschlussanfragen größerer Erzeugungsanlagen vor, für die aktuell keine freie Netzkapazität mehr zur Verfügung steht."
Pfalzwerke planen Ausbau nördlich von Kaiserslautern
Die Pfalzwerke planen deshalb bereits den Ausbau ihres Stromnetzes. "Dazu zählen insbesondere Verstärkungen und Erweiterungen von Hochspannungsleitungen, vor allem in West‑Ost‑Richtung nördlich von Kaiserslautern", erklärt der Sprecher. Das ließe sich allerdings nicht kurzfristig realisieren. Der Strom der geplanten Windräder in Mehlingen könne zum Beispiel frühestens 2032 eingespeist werden, so seine Schätzung.
Wenig gebaut aber viel genehmigt Windkraft in Rheinland-Pfalz: Land verfehlte auch 2025 seine Ziele beim Ausbau
Rheinland-Pfalz hat im vergangenen Jahr sein Ausbauziel bei der Windkraft erneut verfehlt. Gleichzeitig wurden so viele neue Windräder genehmigt wie noch nie.
"Grundsätzlich ist diese Situation kein lokales Einzelphänomen", erklärt der Sprecher der Pfalzwerke. "Sie spiegelt die bundesweite Herausforderung wider, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien schneller wächst als die dazu notwendige Netzinfrastruktur."