Suliman Belal wurde in Syrien geboren und wuchs in einem Land auf, in dem Krieg, Flucht und Angst zum Alltag gehörten. Der Familienvater musste miterleben, wie enge Freunde und Bekannte entführt oder sogar getötet wurden. "Mein guter Freund wurde von einem weißen Transporter entführt - bis heute weiß ich nicht, wo er ist. Ich dachte, so kann es für uns nicht weitergehen - nicht für meine Tochter", erzählt er.
Mit Frau und Kind nach Flucht in Rheinland-Pfalz gelandet
Als seine Tochter gerade einmal 20 Tage alt war, entschloss er sich, mit seiner Frau und dem Baby zu flüchten. Zuerst führte die Reise 2012 in die Türkei, dann mit einem Gummiboot nach Griechenland. Von dort ging es 2015 weiter nach Deutschland. Alles war neu für die Familie – auch die Demokratie, die in Syrien undenkbar war, so der 37-Jährige.
"Mein guter Freund wurde entführt. Bis heute weiß ich nicht, wo er ist.
Geflüchteter aus Syrien dankbar für Demokratie in Deutschland
Für Suliman Belal ist Demokratie nicht selbstverständlich. In Syrien war es zu seiner Zeit sogar verboten, darüber zu sprechen, erzählt er. Es gab nur eine Partei, die alle Stimmen bekam. Politische Treffen seien streng geheim gehalten worden, so der Syrer. Erst in Deutschland hat Suliman Belal verstanden, was es bedeutet, in einer Demokratie zu leben: das Miteinander mit allen Nationen, der Zusammenhalt und das Recht, seine Meinung zu äußern oder zu demonstrieren.
So bereitet sich Suliman Belal auf seine erste Bundestagswahl vor
"Ganz schön kompliziert“, beschreibt Suliman das Wahlverfahren in Deutschland. Er liest viel Zeitung, informiert sich über Social Media und führt Gespräche. Der Wahl-O-Mat hilft ihm ebenfalls. In der Vergangenheit hat er auch als Wahlhelfer unterstützt. 2022 erhielt Suliman die deutsche Staatsangehörigkeit und darf wählen. Seine Stimme möchte er einer demokratischen Partei geben, wie er sagt.
Drei Landeslisten nicht zugelassen Bundestagswahl: Diese Parteien stehen in Rheinland-Pfalz auf dem Wahlzettel
Am 23. Februar wird ein neuer Bundestag gewählt. Dabei werden 14 Parteien in Rheinland-Pfalz auf dem Stimmzettel stehen. Drei Parteien wurden nicht zugelassen.
Das erhofft sich der Syrer von den Wahlen
"Ich erhoffe mir, dass Deutschland ein noch stärkeres Land wird, dass wir hier keinen Platz für Hass und Hetze finden. Deshalb ist es so wichtig, dass jeder Einzelne das richtige Kreuz setzt", sagt Suliman. Der gebürtige Syrer will vor allem für die Zukunft seiner beiden Kinder und für den Zusammenhalt in Deutschland wählen, betont er.
Suliman Belal hat sich in Deutschland immer willkommen gefühlt
"Mit dem Beginn des zweiten Weltkrieges 1933 hat Deutschland eine schwarze Seite in der Geschichte geschrieben. Doch Deutschland hat auch eine weiße Seite geschrieben", so Suliman. "Dieses Land hat uns 2015 als Kriegsflüchtlinge aufgenommen, während alle anderen Grenzen dicht waren.“ Den Satz der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Flüchtlingspolitik "Wir schaffen das!“ hat er bis heute nicht vergessen. Heute, fast zehn Jahre später, fühlt sich Suliman als Teil dieser Gesellschaft und ist dankbar dafür, dass auch seine Stimme bei der Bundestagswahl gehört wird.