Im ehemaligen Kohlebunker auf dem Pfaffgelände sitzen Menschen an Biertischen, schauen auf die Leinwand – und immer wieder wandern Blicke nach rechts und links: dorthin, wo acht Fahrräder stehen. Denn beim Fahrradkino in Kaiserslautern kam der Strom nicht aus der Steckdose, sondern aus den Beinen der etwa 220 Besucherinnen und Besucher.
Fahrradkino Kaiserslautern: Wenn der Film nur läuft, wenn alle mitmachen
Das Prinzip ist einfach: Ohne Bewegung kein Film. Gezeigt wurde der Dokumentarfilm "Cycling Cities" von Ingwar Perowanowitsch. Darin werden die schönsten Fahrradhauptstädte Europas vorgestellt.
Damit der Dokumentarfilm flüssig über die Leinwand lief, musste gestrampelt werden. Und zwar gemeinsam. Die Besucherinnen und Besucher radelten auf acht speziellen Fahrrädern, die Strom erzeugten. Dazu waren die Räder über sogenannte "Ökotrainer" mit dem Abspielgerät des Films verbunden. Wird es langsamer auf den Fahrrädern, stockt auch der Film.
Organisatoren in Kaiserslautern freuen sich über viele Besucher
Wahnsinnig zufrieden über die Aktion ist Julia Bingeser. Sie ist die Radverkehrsbeauftragte in Kaiserslautern und hat das Fahrradkino mitorganisiert. "Das ist großartig, dass es so viele Leute interessiert", sagt sie. Mit mehr als 200 Besucherinnen und Besuchern habe man nicht gerechnet. Auch sie steigt zwischendurch aufs Rad.
"Man gerät auch ein bisschen ins Schwitzen, aber so nach 'ner Viertelstunde ist man ganz froh, wenn hinter einem jemand ist, der sagt: 'Ich würde auch mal.'", meint Bingeser.
Nachhaltige Mobilität: Aktion "Fahrradkino" begeistert
Das Fahrradkino ist Teil der Aktion "Stadtradeln" in Kaiserslautern – und mehr als ein ungewöhnlicher Kinoabend. Eine Besucherin bringt es am Ende auf den Punkt: "Ich würd' am liebsten die nächste Fahrrad-Demo organisieren und die Lautrer Innenstadt dicht machen."
Die Idee, nachhaltige Mobilität nicht nur zu erklären, sondern erlebbar zu machen, scheint aufzugehen.
Was sich Radfahrer wünschen & wie Kommunen fahrradfreundlicher werden wollen So soll Fahrradfahren im Westen der Pfalz besser werden
Fahrräder sind aus dem Straßenverkehr nicht wegzudenken. Sie sind auch wichtig für die Mobilität der Zukunft. Damit noch mehr Menschen öfter radeln, muss sich beim Radverkehr noch einiges tun. Auch in der Westpfalz.
Pfaffgelände Kaiserslautern: Kohlebunker als neuer Kulturort
Auch Bürgermeister Manfred Schulz (CDU) trat in die Pedale und freute sich, dass dem Kohlebunker des Pfaffwerks so neues Leben eingehaucht wird. Der historische Ort auf dem Gelände der ehemaligen Nähmaschinenfabrik soll künftig für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden.
Für Schulz ist es ein besonderes Stück Stadtgeschichte: "Man sieht noch die schwarzen Wände, wo früher die Kohle gelagert wurde, das hat schon eine sehr besondere Atmosphäre hier."